Invokavit

Ich hatte am Sonntag schon früh mit der Wanderfreundin geskypt und mich danach mit ihr zum Aquajoggen verabredet, denn ich schlafe durch die Fasterei wie ein Murmeltier und war entsprechend fit. Auf dem Rückweg kam ich beim Vietnamesen vorbei und holte dort meine erste Sonntagsspeise: Gebackenes Huhn plus Sommerrrollen.

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Kaum später war die Woche voll mit den Dingen, die anzugehen ich mir für die Fastenzeit vorgenommen hatte. Vier Termine – beruflich, privat und was dazwischen, nicht alles auf meinem Mist gewachsen. Jetzt bin ich platt wie eine Flunder und eigentlich bereit, mir die Kante zu geben ein Glas Wein zu gönnen. Doch nein, ich faste ja und dabei bleibt es auch. Allerdings fehlt mir durch den Stress die Beschaulichkeit. Das Fasten kriegt eine recht herbe Alltagsnote, ich hätte es gern etwas romantischer. Vielleicht kommt das ja trotzdem noch.

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Esto mihi

„Esto mihi“ – „Sei mir“ ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest.start
Um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen
(Ps 31,3b.4b).
So lautete früher die Antiphon und damit der Name des Sonntags, nach dem die Fastenzeit beginnt und wie der Sonntag selbst heißt im Kirchenjahr automatisch die ganze Woche.
Also liegt der Aschermittwoch in der Woche Esto mihi; Esto mihi ist außerdem mein Lieblingssonntag, weil ich dieses starke, schützende Gottesbild so mag.
Dies ist der erste Fastenpost, der heißt nach dem aktuellen Sonntag und wenn noch mehr Fastenposts kommen, geht das so weiter.

Tl;dr: Erster Fastenpost, benannt nach der aktuellen Woche im Kirchenjahr, die nach meinem Lieblingssonntag heißt. Usw.

Ich faste wieder, jedenfalls habe ich damit angefangen. Kein Alkohol, kein Fastfood, keine Süß- und Salzigkeiten mit einer maßvollen Ausnahme am Sonntag.
Der Einstieg klappte unerwartet gut. Statt der Anfangspanik, die mich sonst immer ereilt, war ich nur etwas aufgekratzt und hatte Lust loszulegen. Das kommt vielleicht durch’s letzte Jahr, in dem mir beim Fasten klar wurde, dass mein Rhythmus völlig OK ist und dass es eine Menge Leute in meinem Umfeld gibt, die mitfasten oder mit Wohlwollen dabei sind.

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„Gottes großes Herz“

Der letzte Fastenpost. Was soll ich sagen? Die Woche hat sich gezogen wie Kaugummi. Die verflixten letzten Meter, es ist immer dasselbe. Dabei hatte der Sonntag richtig gut angefangen. Ich war bekanntlich auf dem BarCamp im Unperfekthaus, dieser super Location mit dem leckeren Essen, auch die Unterkunft war großartig.

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Obwohl ich mich an alle meine Fastenregeln hielt, verzichtete ich daher darauf, mir für die Sonntagspause etwas auszusuchen, denn das hätte jede Maßhaltung gesprengt. Aber ruck zuck war das BarCamp rum und der Alltag wieder da: Zwei Gottesdienste, zwei Beerdigungen, zwei kranke Kater; wirklich rund lief es nicht.

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„Ich gönn dir das“

Judika, der vorletzte Fastensonntag. Benannt nach Psalm 43,1: „Gott, schaffe mir Recht!“ In der Gemeinde haben wir das neue Presbyterium eingeführt, eine Wahlperiode geht immer über vier Jahre. Wir feierten erst einen Festgottesdienst und anschließend einen kleinen Empfang. Da gab es Fingerfood, von dem ich drei Teile nahm und auf dem Rückweg nach Hause fuhr ich bei KFC vorbei. Diese Kombination hatte sich schon beim Vorstellungsgottesdienst bewährt. Wieder ließ ich die Pommes weg, frei nach dem Motto: „Solange keine Pommes dabei sind, ist es auch kein Fastfood“, da bin ich mir mit der Kirchmeisterin einig.

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Ansonsten geht die Fastenzeit langsam dem Ende entgegen und ich beginne mit dem Resümee. Die große Entdeckung ist alkoholfreies Bier. Das ist wirklich lecker! Besonderen Spaß macht mir außerdem, das hier und da zu Gelegenheiten zu trinken, zu denen ich persönlich Alkohol unpassend finde, aber immer schonmal ausprobieren wollte. Dieser Reiz des Verbotenen, ohne dass man anschließend einen an der Mütze hat, das ist ganz großartig! Und ja, liebe Puristen, ich weiß, dass auch diese Biere nicht völlig alkoholfrei sind, aber ehrlich, das ist mir egal.

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„Hier ist noch Platz“

Eigentlich hatte ich geplant, den ganzen Fastensonntag im Bett zu verbringen (ich hatte frei) und nur aufzustehen, um mir etwas zu essen zu besorgen. Doch dann meldete sich die Wanderfreundin. Wir machten einen großen Spaziergang und anschließend ging’s eine Stunde Aquajoggen. Auf dem Weg nach Hause fuhr ich schließlich beim Vietnamesen vorbei, um mir Ga Chien, gebackenes Huhn, zu holen.

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Die Krönung dieser Woche waren jedoch Donnerstag und Freitag: Der 30. und 31. Fastentag. Es ist nämlich so, dass ich mir zu Beginn der Fastenzeit zwei Etappenziele gesetzt hatte.
Ich wollte wenigstens eine Woche schaffen und wenn das klappt, mindestens einen Monat. Das habe ich erreicht. Zwar mache ich weiter, aber ab sofort „freiwillig“. Und ja, in meinem Hirn ergibt das Sinn.

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„Ist verziehen“

Der Vorstellungsgottesdienst hat tatsächlich gut geklappt!
Die Konfirmandinnen und Konfirmanden waren super drauf, nur bei den Erwachsenen gab es ein, zwei Dinge, die hätten besser laufen können. Aber irgendwas ist bekanntlich immer und die Kids standen trotzdem vorne wie die Engel.
Plus, ich bin seit Sonntag zwei Jahre rauchfrei: Ich, die leidenschaftliche Kettenraucherin, ohne Panne, ohne Rückfall.

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Fastenseitig war dieser Sonntag für mich der Tag der doppelten und dreifachen Belohnung: Zuerst nach dem Gottesdienst ein Stück Zupfkuchen vom Kuchenbuffet und später ein Besuch bei KFC (aber ohne Pommes). Doch dann kam beim Aufräumen noch ein halbes Stück Käsekuchen dazwischen. Das war einsam auf einer Kuchenplatte übrig geblieben, die die Küsterin deswegen nicht abräumen konnte. Da habe ich mich natürlich zusammen mit einem Vater geopfert.

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