„Ein Kanapee brauche ich immer“

Von Benedikt XVI. ist ein neues Buch erschienen: „Letzte Gespräche.“ _lb-7iaeDas sind Interviews, die Peter Seewald mit dem emeritierten Papst geführt hat. Der wiederum war einverstanden, dass diese auch veröffentlich werden.
Es ist ein freundliches, ja herzliches Buch geworden, was nicht nur an Seewalds einfühlsamen Fragen liegt. Immer wieder schimmern Benedikts zarten Saiten durch. Ratzinger und Seewald schauen gemeinsam zurück, ordnen Erlebnisse ein oder stellen manchmal etwas richtig: Zeitgeschichte und darum auch für Nicht-Theologen gut verständlich.
Deutlich ist, dass der vormalige Papst selbst dieses Resümee nicht mehr braucht. Er hat seinen Frieden mit dem Erlebten gemacht. Angekommen im betenden Hier und Jetzt, über die Kindheit und Jugend in Bayern, Konzil und Professur, bis er – kaum dass er sich in das Bischofsamt in München eingefunden hatte – nach Rom gerufen wurde. Die Geschichte ist bekannt.

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Lernen und Lehren

„Ich hoffe, ich habe euch weder verloren noch eingeschüchtert, bloß weil ich von der intimen Begegnung spreche, die sich ereignet, wenn echtes Lernen und echtes Lehren passieren. Weil ich davon spreche, mich selbst zu fühlen, die Gefühle anderer Menschen und meine Reaktionen darauf wahrzunehmen. Denn wir alle müssen freilich verstehen, dass dieser Austausch die am heftigsten untersagte und zu verhindern gesuchte menschliche Übung unserer Zeit ist.

Die puritanische Ethik von heute nähert sich ihren logischen Folgen. Junge Menschen können ohne mit der Wimper zu zucken Sexualkontakte haben, doch sie ertragen nicht die Intimität einer genauen Auseinandersetzung oder einer gemeinsam erlebten Empfindung. Dennoch ist es diese Intimität, die notwendig ist, um wahrhaft zu lehren, zu schreiben, zu leben.

Ihr habt mich gebeten, meine Gefühle über die Lehrerin als Poetin auszusprechen. Ich zeige euch mich selbst. Ich zeige euch euer Selbst; lernt, eure Dichterin zu lieben, lernt es, sie zu leben. Ihr lehrt so, wie ihr empfindet, wie ihr lebt, wie ihr eure Gefühle zeigt.“

Audre Lorde

Mit Dank an den Verlag w_orten & meer

Zwei Bücher

In diesem Urlaub habe ich viel gelesen. Ein besonders dickes Buch ist noch in der Mache, zwei kleinere sind bereits verschlungen. Beide hatte die Mädchenmannschaft empfohlen:

Das erste heißt „die Vegetarierin“, geschrieben von der Koreanerin Han Kang und von der Übersetzerin Ki-Hyang Lee ins Deutsche übertragen. Es handelt von einer verheirateten Frau, die beschließt, vegetarisch, ja vegan und schließlich wie eine Pflanze zu leben. Was als Novelle anfängt, entwickelt sich immer mehr zu einer Tragödie. Han Kang verbindet Magersucht, Symbole, Selbstbestimmungsrecht, Gewalt und Irrsinn so kunstvoll miteinander, dass es grausam faszinierend ist. Dabei ist ihre Sprache trotz vieler bildreicher Themen und Gegenstände sehr schlicht. Das hat mich am allermeisten angesprochen. Bereits während der ersten Seite dachte ich, dass ich jemandem aus diesem Buch vorlesen muss, damit wir diese Sprache hören, vom ersten Satz an: „Bevor meine Frau zur Vegetarierin wurde, hielt ich sie in jeder Hinsicht für völlig unscheinbar.“

Han Kang: Die Vegetarierin, Berlin 2016

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Twittern, Bücher und fast ins Kino

Ich finde Twitter ja eine großartige Sache! So großartig, dass ich nach dem Urlaub erstmal Pause davon brauche, um mich runterzupegeln und endlich die Bücher zu lesen, die mir dort empfohlen wurden. (Ja, auch um wieder in meinen Arbeitsrhythmus zu kommen, aber das ist ein anderes Thema.)

Das erste Buch war ein Geschenk, u1_978-3-596-16396-0.46169422als ich im Advent beim #Fichteln, einer Wichtelaktion auf Twitter, mitmachte:
Cleveland Amory, „Die Katze, die zur Weihnacht kam“.
Der Autor, zu Lebzeiten ein berühmter Tierrechtsaktivist in den USA, erzählt auf liebenswürdige Weise, wie ein Kater zu Weihnachten bei ihm einzieht. Christian Spiel hat das übersetzt und Silvio Neuendorf illustriert. Entstanden ist das Buch Ende der achtziger Jahre.

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Noch mehr Sachen

Überhaupt bekomme ich in den letzten Wochen jede Menge Hinweise auf Bücher, Lesens- oder Hörenswertes. Drei Sachen fand ich besonders gelungen und möchte sie gerne vorstellen:
Ein Weihnachtsbuch, ein YouTube-Video und ein politisches Essay.

Den Anfang macht Christian Lukas mit einem regionalen Advents- und Weihnachtsbuch:

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Der Wassermann

Als er zum ersten Mal groß rauskam, nämlich im Zeit Magazin, hatte ich ein Käsebrot (mit Meerrettich, sehr lecker) auf ihm abgestellt. Denn natürlich sollte er wissen, dass ich eine Reportage über ihn gleich zum Frühstück lese, aber übertreiben wollen wir es trotzdem nicht.

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Ohnehin kann sich glücklich schätzen, wer von der Zeit einen Bericht über sein Herzensthema erhält. Die Meisten säßen damit zufrieden vor dem Kamin. Ralf Steeg hingegen schaltet in den nächsten Gang. Herausgekommen ist dabei ein Buch, das seine Lebensgeschichte erzählt:
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