
Ich bin zum Kirchentag nach Nürnberg gefahren. Ich machte mich sogar einen Tag eher auf, weil ich dringend raus musste, um Kraft zu schöpfen.
Die Trauer um meinen Bruder hatte mir sehr zugesetzt und die Beerdigung würde umständehalber erst Mitte Juni sein. Die Bahn zerrte mit ausgefallenen Zügen auf der Hin- und Rückfahrt auch noch an meinen Nerven, dazu hatte ich in ungewohnter Zerstreutheit eine falsche Fahrkarte gekauft.
Doch schließlich konnte ich Luft holen und die Tage wurden großartig: Der Kirchentag eine runde Sache, Nürnberg und Fürth super gastfreundlich, das Hotel angenehm, mit einem bunten Plastikpferd im Eingang (1). Ich entdeckte Coburger Bratwürste (4), Schäufele (6) und Tucher Hefeweizen als für mich neue kulinarische Highlights.
Programmpunkte absolvierte ich nur wenige, sondern nutzte die Zeit, um mich auszuruhen und endlich wieder Freundinnen und Bekannten (3) analog zu begegnen. Durch Corona und weil bei den letzten BarCamps Flaute herrschte, hatten wir uns teilweise mehrere Jahre nicht gesehen bzw. lernte ich manche erst sehr viel später persönlich kennen als geplant. Die Theobubble von Twitter war während des Kirchentages durch Telegram verbunden, sodass man sich jederzeit verabreden oder absprechen konnte und traf sich am Freitag Abend außerdem im Biergarten.
Als Teil des offiziellen Programms boten wir die Twomplet (5) hybrid aus dem Zentrum digitale Kirche an. Auch das klappte prima. Johanna war für die Orga zuständig und betete am Samstag mit Pat vor; ich war am Freitag zusammen mit Cleo dran, einer katholischen Wortgottesdienstleiterin („Prädikantin“) und den Donnerstag übernahmen Philipp K. und Hartmut. Zum digitalen Zentrum hat Philipp Greifenstein beim Zeitzeichen mittlerweile etwas geschrieben.
Wie Johanna und Pat überlege ich, vielleicht noch einmal ohne Veranstaltung nach Nürnberg zu fahren, um mir die Stadt und einige Museen in Ruhe anzugucken. Dieses Mal hatte ich es nur in zwei geschafft: Das jüdische Museum (2) in Fürth und das Dürerhaus, nahe der Burg (8), in dem der Meister zwar lebte und arbeitete, das aber – Dürer ohne Dürer – keins der großen Originale beherbergte.
Am Sonntag Abend wieder zu Hause saß ich mit einem Weizen (9) auf dem Balkon und schwelgte in den Erlebnissen und Begegnungen des Kirchentages, über die ich mich freute wie ein Schnitzel. Jetzt beim Schreiben frage ich mich nur, wo ich eigentlich das Heiligenbildchen mit Giottos Fresko vom betenden Franziskus in San Damiano (7) hingelegt habe, das wir am Samstag in der Sext bekamen.
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