„An der ganzen großen Zahl“

Heute ist der Taufsonntag, in der Themenreihe destaufste Kirchenjahres der Sonntag, an dem wir durch Lesungen und Lieder eingeladen sind, über die Taufe nachzudenken. Das nehme ich als Anlass, mit meiner Blogreihe über Amtshandlungen weiterzumachen, diesesmal mit der Taufe.

Ich fange direkt mit der wildesten Andekdote an, gar nicht mal so selten. Es ist der Großvater oder Onkel, der zu Beginn von der Pfarrerin gehört hat, dass im Gottesdienst nicht fotografiert werden soll. Also steht er kurz vor der Taufe auf und wendet sich an den Küster oder einen Presbyter, damit der mich einnordet, auf dass er seine Fotos machen kann. Ich nutze dann meist die nächste Liedstrophe, um ihm zu erklären, dass der Talar auch bedeutet, dass ich das Sagen habe und nicht die genannten Herren. Jedesmal wieder kann er es nicht fassen.

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Kirche der Freiheit

Auf diesem Kirchentag hatte ich geplant, nur zu den beiden Veranstaltungen zu kommen, die ich mitgestalte. Anschließend würde ich im Hotel übernachten, weil es nach halb neun keine Zugverbindung mehr ins ostwestfälische Outback gibt und am nächsten Tag nach einem Besuch bei Frau K. zurückfahren.

Das fügte sich glücklich, denn bevor es soweit war, jos2bin ich für fünf Tage im Krankenhaus gelandet. Der Blutdruck war zu hoch, ich spüre das offenbar relativ schnell und deutlich, denn alles Andere konnte in diversen Untersuchungen ausgeschlossen werden.
Die Ärzte lobten meine in der Fastenzeit begonnene Ernährungsumstellung und ergänzten sie um eine Tablette, die ich seit dem jeden Morgen nehme. Außerdem wollte der Hausarzt, dass ich noch ein paar Tage mit der Gemeindearbeit aussetze, aber etwas Schönes unternehme, statt zu Hause auf die Wände und meinen Herzschlag zu starren. Mein Kirchentagsausflug war dafür genau das Richtige. Und das war das.

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#twomplet – das Abendgebet auf Twitter

Seit fünf Jahren findet sie nahezu jeden Abend statt: Die #twomplet, das Abendgebet auf Twitter. Es lehnt sich mit seinem Ablauf an die Komplet des Stundengebets an und wurde von dem katholischen Abiturienten und heutigen Theologiestudenten Benedikt Heider ins Leben gerufen. GUBZ91bC.jpg-medium

Mittlerweile folgen der #twomplet etwa 2.500 Menschen, bis zu 7.000 besuchen im Monat das Twitterprofil @twomplet und um die 300.000 sehen mindestens einen Tweet der #twomplet im Monat („Views“). Zehn aktive Vorbeter_innen aus unterschiedlichen Konfessionen, meist ehren- oder hauptamtlich in ihren Kirchen aktiv, wechseln sich zurzeit mit den Gebetsdiensten ab. 

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Maria, Marta und Karl

Letzten Sonntag (der hieß Esto mihi) war die Geschichte von Maria und Marta (Lk 10,38-42) Predigttext. Ich legte sie anhand von Karl Lagerfeld aus, was schon im Vorfeld zu Nachfragen und Interesse führte, doch ich hatte mir nur einige Stichpunkte gemacht, nichts, was ich verbloggen konnte. Also trug ich mein Handy mit auf die Kanzel und nahm die Predigt auf. Man hört’s auch am Hall, obwohl Jörn extra noch einmal drübergebügelt hat.

Dankbarkeit und Altenpflege

Für heute schlug das Perikopenbuch einen Predigttext aus dem Korintherbrief vor und am Donnerstag feiern wir im Altenheim einen Gottesdienst, in dem die neuen Mitarbeiter_innen gesegnet werden.

dann

Korinthertext und Segen passen gut zusammen und da mir die Alten- und Krankenpflege sehr am Herzen liegt, hier meine Predigt vom Sonntag und für Donnerstag:

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#Volkstrauerquark, äh -tag

In Darmstadt läuft gerade das Histocamp, engagiert verhashtagt von seinen Teilgeber_innen und offenbar gibt es dort gerade eine Session „Volkstrauerquark“, die den Volkstrauertag kritisch betrachtet: Heldengedenken, wahlweise historische Über- oder Unterfrachtung, männerzentriert, bisweilen extrem rechtslastig, nur von Insidern besucht – was man eben alles an diesem Tag monieren kann.

To make a long story short: Ich habe mich in den letzten Jahren um den Volkstrauertag bemüht, weil ich diesen Tag wichtig finde, nicht nur in seiner Kritisierbarkeit, sondern auch in dem, was er ausdrücken kann. Außerdem nervt mich, dass er vor lauter politischer Korrektheit immer mehr zum Stiefkind unter den Nachdenktagen wird.
In der einen Gemeinde gab es einen Geschichts-Leistungskurs, der jedes Jahr samt Lehrer die Feierstunde am Mahnmal von sich aus mitgestaltete, in der anderen musste meine Ansprache es alleine tun. Für beides gab es positive Rückmeldungen und mag als Idee dienen, was man mit diesem Tag am Denkmal machen kann. Hier meine Ansprache aus dem Jahr 2012:  Weiterlesen

Gebote im Herzen und Verantwortung im Kopf

Am Sonntag wurde ich in einem Festgottesdienst
in eine neue Gemeinde eingeführt
und das war meine Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

heute ist der Festtag der Confessio Augustana, des Augsburger Bekenntnisses, und dass ich ausgerechnet da eingeführt werde (und dann auch noch im Lutherjahr), erfüllt mich mit großer Freude, weil ich nämlich selbst Lutheranerin bin. In unserer Kirche geht das ja, es gibt Reformierte mit dem Heidelberger Katechismus, Unierte, die beides zu verbinden suchen, und eben Lutheraner.

Die haben sich 1530 diese Bekenntnisschrift gegeben, die heute im Übrigen für alle Evangelischen in Westfalen gilt. Melanchthon hat sie zusammen mit einigen Leuten für den Reichstag in Augsburg geschrieben, wo man unter der Aufsicht Kaiser Karls V. das evangelische Glaubensgut verteidigen und sich mit der katholischen Kirche aussöhnen wollte. Um „die Meinung eines jeden in Liebe und Güte zu hören, zu verstehen und zu erwägen“, so wurde es ganz diplomatisch für den Reichstag ausgeschrieben und von dort erhielt das Augsburger Bekenntnis seinen Namen.

Was ist nun die Aufgabe einer Bekenntnisschrift?

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