Der Geheimtipp

Auf einem runden Wohnzimmertisch ein rechteckiges Metalltablett. Darauf steht auf einer groben Leinenserviette ein Glas Rotwein, ein brennendes Teelicht und das Buch mit dem damaligen Hardcover (hell mit vielen Briefumschlägen), aber als E-Book auf dem iPad mini.

Vor ungefähr 30 Jahren wurde ein Buch wie eine Flüsterparole weitergereicht. Es wäre ein Buch über Nazis, natürlich dagegen, das wurde erst gar nicht dazugesagt. Doch man könnte es gut lesen, hieß es. Es wäre sogar der absolute Hammer. Man gab sich das Buch gegenseitig weiter. Keiner wusste, wo es herkam, aber jeder wollte es haben. Leute sprachen einander an: „Hast du es schon bekommen?“ Je nachdem, wie die Antwort lautete, konnte man ungefähr sehen, wo es gerade kursierte und sich ausrechnen, ob man eine Chance hatte, es zu kriegen.

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Dann eben nicht

Wie in der Bildunterzweile beschrieben. Durch den Filter im Stil von Badezimmer-Glas kann man den Text nicht lesen und Nuhrs Foto auf dem Ticket nur schemenhaft und nicht als Person erkennen.
Brief und Ticket wie hinter Strukturglas.

Am Sonntag Abend ist Dieter Nuhr in der hiesigen Stadt aufgetreten. Ich hatte eine Karte, schon lange gekauft, aber ich bin nicht hin. Ich kam mit seinem Spruch im Juni über Femizide und dessen Täter-Opfer-Umkehr nicht klar und mit Nuhrs fehlender Einsicht auch nicht: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erstmal kennenlernt.“

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Diese zwei

Die Riesinnen auf zerknüllter Tischdecke an Petroleumlampe und Olivenholzengel: Blauweißes Buch mit weißer und roter Schrift, rostrote Tischdecke.

Hannah Häffner hat „Die Riesinnen“ geschrieben. Die Geschichte von Großmutter, Mutter und Tochter in einem Dorf im Schwarzwald. Häffners Sprache ist poetisch und ihre Beobachtungsgabe sehr genau. Das verleiht dem Roman eine unvergleichliche Melodie, die sich auf gut 400 Seiten nicht abnutzt. Die Riesinnen sind Waldmenschen. Das bin ich auch, trotz aller Unterschiedlichkeit. Vielleicht ist es deswegen ein Buch, das so sehr ins Herz geht, dass ich keine Worte dafür finde.

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Wer werden wir sein

Das Buch, auf Tüchern dekorativ abgelegt. Daneben arabisches Gebäck, eigens fürs Foto gekauft.

Schon beim Auspacken freute ich mich. Es ist tatsächlich ein kleines Buch, der Hauptteil umfasst nur 185 Seiten. Ich hatte es kostenlos als Rezensionsexemplar vom Verlag C.H. Beck erhalten. In meiner christlich-deutschen, bisweilen abrahamitischen Gedankenwelt bin ich immer wieder auf der Suche nach Menschen und Texten, die nicht bei Antisemitismus und Antizionismus stehen bleiben. Hier hoffte ich, die eine oder andere Richtungsanzeige zu finden, ohne mich durch einen dicken Wälzer wühlen zu müssen. Und trotz des schweren Themas würde ich fürs Foto arabische Süßigkeiten in der Stadt besorgen.

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Frauen im Chaos

Das Hörbuch auf meinem iPad pro und das Papierbuch, zusammen mit zwei lila Dolden Fresien, passend zur Farbgebung der Bücher. Aus dem Papierbuch gucken oben die ganzen Einmerker raus.

Als Hörbuch hatte ich „Detransition, Baby“ von Torrey Peters im Krankenhaus dabei. In meinem Fall war das die deutsche Ausgabe, übersetzt von Frank Sievers und Nicole Seifert, mit wunderbar kieksender Stimme gesprochen von Britta Steffenhagen. In dem Roman geht es um eine cis Frau, die ein Kind von einem trans Mann erwartet, der einmal eine trans Frau war. Heißt, sie hat als Frau gelebt, bis er schließlich wieder in die männliche Rolle zurückgewechselt ist. Wirklich cis ist der Kindsvater also nicht. In diesem queeren Umfeld schreitet die Schwangerschaft voran.

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Der Sex des Chamäleons

Die beiden Exemplare nebeneinander. Links steht es aufrecht, rechts liegt es, am Kopf erhöht. Daneben rechts steht ein kleines Gummi-Chamäleon mit orangenen Füßen und Rändern. So wie die Tischdecke orange ist, auf der ich das Alles platziert habe. Und zwar auf dem Balkon in der Morgensonne mit verschwommenem Blick ins Grüne.

„Das Christentum ist nach wie vor der Chamäleon-Glaube, der es schon immer war, wie alle erfolgreichen Weltreligionen“, lautet das Resümee von Diarmaid MacCulloch am Ende seines Buches. 752 Seiten hat er sich Zeit genommen, um „Niedriger als die Engel. Eine Sexualgeschichte des Christentums“ zu schreiben. Norbert Juraschitz und Thomas Stauder haben das Werk aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Es ist aufgeteilt in fünf Kapitel plus farbige Abbildungen und Anhänge.

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