Was bisher geschah

Ich bin der Advents- und Weihnachtszeit dieses Mal ziemlich überdrüssig. Bis kurz vor Heiligabend war es auf eine Weise ruhig, die mich misstrauisch werden ließ. Zu recht, wie sich zeigen sollte. Aber erstmal machte ich eine Anleihe beim Judentum.

Reibeplätzchen-Bäckerei: Auf dem Herd welche in der Pfanne und auf einem Teller, auf der kalten Herdplatte schräg gegenüber, fertige zum Abtropfen auf Zewa. Neben dem Herd auf der Mikrowelle ein Teller fertig angerichtet mit Latkes und Apfelmus, davor die fast leere Teigschüssel und ein Beistellteller mit Gabel und Pfannenwender.

Dort gibt es traditionell Latkes, also Reibeplätzchen, zum Festessen an Chanukkah. Die mag ich ausgesprochen gern, bin aber regelmäßig zu faul, die Küchenmaschine zum Reiben aufzubauen und zu viele Kalorien sind in den Puffern auch. Durch den jüdischen Kalender habe ich jetzt trotzdem einmal jährlich einen festen Termin, sie zu machen und gleich ein paar Portionen einzufrieren, die ich später im Toaster oder im Ofen wieder aufbacke. Man soll sich ja in andere Religionen nicht einmischen, aber Latkes im Dezember sind einfach super.

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Was bisher geschah

Seit dem 12. November weiß ich, dass der #NeoKater erblindet ist. Schon in der Woche davor waren dem Nachbarskind seine riesigen Pupillen aufgefallen, groß wie bei Sailor Moon. Da er in einem abgedunkelten Raum saß, hatte ich mir nichts dabei gedacht, doch schließlich fügten sich zunehmend mehr Puzzleteile ineinander und es wurde immer klarer. Dazu ging es dem #NeoKater richtig schlecht, er wurde regelrecht apathisch.

Der #NeoKater sitzt auf der Ablaufseite der Spüle.

Ich ging vom schlimmsten aus und nahm mir an jenem Samstag bewusst Zeit, mich damit auseinanderzusetzen und um dem #NeoKater Raum zu geben, zu Hause zu sterben, wenn es denn so sein sollte. Doch er fraß trotzdem gut und als die Situation am Sonntag Morgen unverändert war, fuhren wir zum Notdienst in die Tierklinik.

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Was bisher geschah

Vorgestern, am Samstag, hielt ich eine Gnadenhochzeit, 70 Jahre Ehe waren zu feiern. Bisweilen und nicht immer, wie ich beim Nachsehen feststellte, bringe ich bei Trauungen oder Ehejubiläen eine Predigtbeigabe mit, die zu dem Paar und seiner Geschichte passt. Ein Spieß, eine Familie von Gummitausendfüßlern, ein Kochlöffel und ein kleiner Teddy waren schon dabei. Dieses Mal wurde es ein Wirsing.

Ein kleiner Kopf Wirsing neben Altarblumen und brennender Altarkerze.

Nach Erntedank hatte ich den langen Schlauch an Gottesdiensten, Taufen und Beerdigungsvertretungen endlich hinter mich gebracht und alles geklärt, was zu klären war. Mein Kollege und ich machten außerdem aus, dass wir Taufen wenn möglich wieder auf den 2. Sonntag des Monats legen, um Gottesdienste und Tagesgeschäft besser planen zu können. Der große Schwung im Spätsommer kam durch den Nachholbedarf, der sub conditione coronae entstanden war. Über jede einzelne Taufe habe ich mich gefreut, doch war es zusammen mit allem Weiterem ziemlich viel. Mittlerweile bin ich wieder in ruhigerem Fahrwasser angelangt. Hinzu kam eine Beerdigungsflaute in den letzten Wochen, sodass ich wirklich durchatmen konnte.

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Was bisher geschah

Der Herbst ist da, nach einem heißen Sommer Knall auf Fall eingetroffen. Vor zehn Tagen holte ich zum ersten Mal wieder einen Blumenstrauß fürs Wohnzimmer und saß abends drinnen, die Balkontür verschlossen.

Drei Sonnenblumen (aber man sieht nur zwei) in der Tütenvase auf dem Wohnzimmertisch. Daneben farblich passend eine brennende, gelbe Stumpenkerze. Außerdem eine Box mit Papiertaschentüchern. Dahinter das Sofa und ein gerahmtes Foto des jungen Bob Dylan an der Wand.

Kurz zuvor hatten wir in Ostwestfalen noch zwei drückend heiße Tage, deren Abendstimmung draußen leider von einer ununterbrochen lautstark telefonierenden Nachbarin zerschossen wurde. Da das nicht das erste Mal war, formierte sich nicht nur bei mir mittlerweile entschiedener Widerstand.

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Was bisher geschah

Ich bin jetzt zertifizierte Trainerin für pädagogisches und therapeutisches Bogenschießen. In einer Langzeitfortbildung von vier Modulen, die sich über ein Schuljahr erstreckte, habe ich mich dafür qualifiziert. Ich lernte, Leuten das Schießen mit Recurve- oder Langbögen zu zeigen und sie dabei anzuleiten; auf die richtige Ausrüstung und das Einhalten der Sicherheitsregeln zu achten; wie man Kurse oder Seminare gestaltet und was sich dort an Gruppendynamik und individuellen Themen möglicherweise eröffnen könnte.

Vor Bäumen und Büschen ein rotes Warnschikd mit weißer Schrift und ein paar Graffitos: "Bogenschießanlage. Unbefugter Zutritt verboten. Lebensgefahr! Stadt Detmild. Der Bürgermeister

Im Kurs waren wir zu siebt und kamen aus sozialen, pädagogischen, psycho- und ergotherapeutischen sowie durch mich theologischen Arbeitsfeldern. Vor allem das therapeutische Bogenschießen meinte darum für jede:n etwas Anderes. So hatte ich angefangen, mich in den Bereich Meditation und geistliches Erleben einzuarbeiten, konnte aber darüber hinaus sehr von der interdisziplinären Zusammensetzung unseres Kurses profitieren.

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Was bisher geschah

Nun also Corona. Trotz bisher dreier Impfungen war irgendwann damit zu rechnen. Dass ich, die immer so streng und vorsichtig war, es außerdem schaffte, damit zu einer längeren Untersuchung in der Praxis meines Hausarztes und später im Seniorenkreis gewesen zu sein, fand ich dennoch super peinlich. Aber der Test, den ich am Vortag gemacht hatte, um in den folgenden 25 Stunden Konfi, Arzttermin und Altennachmittag guten Gewissens zu absolvieren, war negativ.

Das gerahmte schwarzweiß Foto vom jungen Bob Dylan, aufgehängt in der Ecke neben dem Wohnzimmerfenster (man sieht, es ist dunkel), davor ein Beistelltischchen, darauf eine Lampe, ein Olivenholzengel und eine gehäkelte Clitoris. Daneben, vermutlich auf einem anderen Tisch, eine Vase mit bunten Rosen und ein Stück der Couch.

Auch das minimale Kratzen im Hals kannte ich von der Klimaanlage im Auto seit ewig. Doch als meine Nase plötzlich richtig anfing zu laufen, wurde ich stutzig, maß Fieber und machte erneut zwei Tests. Beide färbten sich sofort tief violett, nur 28 Stunden, nachdem noch nichts sichtbar und spürbar war.

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