Was bisher geschah

Ich bin jetzt zertifizierte Trainerin für pädagogisches und therapeutisches Bogenschießen. In einer Langzeitfortbildung von vier Modulen, die sich über ein Schuljahr erstreckte, habe ich mich dafür qualifiziert. Ich lernte, Leuten das Schießen mit Recurve- oder Langbögen zu zeigen und sie dabei anzuleiten; auf die richtige Ausrüstung und das Einhalten der Sicherheitsregeln zu achten; wie man Kurse oder Seminare gestaltet und was sich dort an Gruppendynamik und individuellen Themen möglicherweise eröffnen könnte.

Vor Bäumen und Büschen ein rotes Warnschikd mit weißer Schrift und ein paar Graffitos: "Bogenschießanlage. Unbefugter Zutritt verboten. Lebensgefahr! Stadt Detmild. Der Bürgermeister

Im Kurs waren wir zu siebt und kamen aus sozialen, pädagogischen, psycho- und ergotherapeutischen sowie durch mich theologischen Arbeitsfeldern. Vor allem das therapeutische Bogenschießen meinte darum für jede:n etwas Anderes. So hatte ich angefangen, mich in den Bereich Meditation und geistliches Erleben einzuarbeiten, konnte aber darüber hinaus sehr von der interdisziplinären Zusammensetzung unseres Kurses profitieren.

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Was bisher geschah

Nun also Corona. Trotz bisher dreier Impfungen war irgendwann damit zu rechnen. Dass ich, die immer so streng und vorsichtig war, es außerdem schaffte, damit zu einer längeren Untersuchung in der Praxis meines Hausarztes und später im Seniorenkreis gewesen zu sein, fand ich dennoch super peinlich. Aber der Test, den ich am Vortag gemacht hatte, um in den folgenden 25 Stunden Konfi, Arzttermin und Altennachmittag guten Gewissens zu absolvieren, war negativ.

Das gerahmte schwarzweiß Foto vom jungen Bob Dylan, aufgehängt in der Ecke neben dem Wohnzimmerfenster (man sieht, es ist dunkel), davor ein Beistelltischchen, darauf eine Lampe, ein Olivenholzengel und eine gehäkelte Clitoris. Daneben, vermutlich auf einem anderen Tisch, eine Vase mit bunten Rosen und ein Stück der Couch.

Auch das minimale Kratzen im Hals kannte ich von der Klimaanlage im Auto seit ewig. Doch als meine Nase plötzlich richtig anfing zu laufen, wurde ich stutzig, maß Fieber und machte erneut zwei Tests. Beide färbten sich sofort tief violett, nur 28 Stunden, nachdem noch nichts sichtbar und spürbar war.

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Was bisher geschah

Nachdem ich im Januar von allem zu viel hatte, war der Urlaub Anfang Februar ziemlich träge und unspektakulär, ich war zu platt für irgendwas. Aber dass ich seit dem wieder jede Woche zur Wassergymnastik gehe, ist ein Segen. Außerdem begann ich wieder, täglich mein Arbeitspensum zu notieren und sprach an, was anzusprechen war, wenn ich damit auch noch nicht ganz fertig bin.

Und dann ist Krieg. Mir fällt nichts Kluges ein, was ich über die Ereignisse schreiben könnte, darum lasse ich es sein, ob vorerst oder grundsätzlich, weiß ich noch nicht. Statt dessen mache ich mit Corona weiter, was auch irgendwie merkwürdig ist. Ich gebe mir Mühe, ein anständiges Leben zu führen und habe ein schlechtes Gewissen.

Zu Covid gehört, dass es manche Entwicklungen beschleunigt. So rufen Obdachlose und Menschen in finanziellen Nöten jetzt mit dem Handy an, um ihre Anliegen zu schildern. Wie bei den Geflüchteten zeigt sich, dass das Smartphone mittlerweile zum Grundbedarf gehört und selbst in sehr prekären Lebensverhältnissen unverzichtbar ist, um das Leben zu organisieren.

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Was bisher geschah

Seit einigen Jahren zeigte sich, dass ich nicht mehr so gut höre. Auch als Diagnose war es irgendwann bekannt, aber ein Hörgerät stand noch nicht zur Debatte. Hinzu kam, dass ich Geräusche nicht gut filtern kann, was allerdings nicht am Ohr, sondern an den zuständigen Synapsen liegt.

Das Hörgerät mit schwarzem Deckel, transparentem Corpus und einer kleinen Reihe dunkelblauer Buchstaben und Ziffern darauf als "Nummernschild".

Letztes Jahr wurde mein Hörvermögen schließlich so viel schlechter, dass ich im Herbst einen Termin bei einer HNO machte. Dieser verlief ausgesprochen schrecklich: Da der Hörtest durch zu viel richtiges Raten und ein im Standardverfahren fehlendes Tool teilweise auf der Grenze lang, nahm mich die Ärztin nicht ernst und ließ mich wie eine Schülerin abblitzen („Dann müssen Sie sich halt weiter nach hinten setzen.“), ohne auch nur einmal nach meinen Beschwerden zu fragen. Ich sollte in zwei Jahren wieder kommen oder wenn ich nicht mehr zurecht käme. Letzteres hatte ich seit der Terminvereinbarung der jeweiligen MFA bei jedem Untersuchungsschritt geantwortet, wenn ich sagen sollte, was mein Anliegen wäre. Dann von einer Ärztin so behandelt zu werden, war ein Scheißgefühl.

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Was bisher geschah

Eigentlich hätte ich am 3. Advent Gottesdienst gehabt, dachte ich zumindest. Aber da gibt es in der Gemeinde später am Tag Adventsmusik, der Gottesdienst morgens fällt aus. Statt also die Predigt zu schreiben, sitze ich am helllichten (naja) Donnerstag Nachmittag bei Tee, Schokolade und Kerzenschein im Wohnzimmer. Johann Sebastian Bach adventskantatet leise im Hintergrund, während ich blogge.

Teekanne und -tasse, ein Schälchen mit Schoki, zwei Kerzen, ein Engel auf einen kleinen Stein gemalt und das Macbook vor mir auf dem Tisch. (Angeschnitten.)

Nach Michaeli wechselte ich in eine neue Gemeinde, die zum „Bible Belt“ der hiesigen Innenstadt gehört. Ich hätte sie mir darum nie und nimmer selbst ausgesucht, die theologischen Differenzen sind einfach zu groß. Aber ich muss zugeben, dass es sich bisher gut anlässt. Die Zusammenarbeit mit dem Kollegen ist unkompliziert und warmherzig. Dienstgespräch (vorerst auf Zoom) alle drei Wochen, kaum länger als eine Dreiviertelstunde und möglichst nicht vor zehn, genau nach meinem Geschmack. Alle Leute, mit denen ich bisher zu tun hatte, sind freundlich und offen. Nur zur letzten Presbyteriumssitzung bin ich nicht gegangen. Ich fand eine physische Sitzung mit Punsch und Keksen einfach nicht angemessen.

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Was bisher geschah

Ich hatte mir immer vorgenommen, wenn ich alt werde, gesprächsbereit gegenüber Jüngeren zu bleiben. Als ich jung erwachsen war, war das bei den Älteren häufig nicht so. Wobei es auch großartige Ausnahmen gab, an die ich mich bis heute erinnere. Doch die Meisten empfand ich als engstirnig und kaum zum Austausch bereit. Das würde ich später anders machen, so wie die erinnerten Vorbilder aus früherer Zeit. Ich würde zwar meine eigene Meinung haben, bestimmt auch mal daneben liegen, aber offen und zugwandt bleiben, damit es die jungen Leute ebenfalls sind. Aber was soll ich sagen? They don’t give a fuck, wie das heutzutage heißt.
Immerhin haben sie noch soviel Respekt, dass sie mich (wie in einem Fall) sicherheitshalber nahezu anschreien, wenn sie finden, dass ich falsch liege. Gleichzeitig bin ich ihnen aber schon so egal, dass sie meine Bestürzung darüber nicht mehr mitkriegen, weil sie sich bereits abgewandt haben.
In theoretischen Diskursen, in die ich persönlich gar nicht einbezogen bin, zeigt sich das außerdem: Ich bin jetzt in einem Alter, dessen Abstand zur erwachsenen Jugend so groß ist, dass sie zunehmend wie selbstverständlich davon ausgeht, dass ich von ihren Anliegen keine Ahnung habe. In mehreren Vorträgen und Büchern junger Autorinnen ist mir das aufgefallen.
Ich habe darum im vergangenen Jahr viel nachgedacht, um zu begreifen, was gerade in der Welt und in meinem Kopf geschieht. Seit einigen Wochen zeigt sich das Ergebnis: Soweit es mich betrifft, ist es OK.

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