
Seit drei Wochen bin ich wieder im Dienst und gleich vor lauter Kopfschütteln kurz vor einem Schleudertrauma. Ich erspare mir die Details, viele Details, sehr viele Details. Dass die Kirche immer weiter schrumpft, hat nicht nur mit der gesellschaftlichen Entwicklung zu tun, ein großer Teil der Probleme ist hausgemacht. Ich werde mich nie daran gewöhnen.
Immerhin wurde ich in meinen Arbeitsbereichen vermisst und habe mich meinerseits gefreut, wieder zurück zu sein. An Palmarum hielt ich den ersten Gottesdienst, an Karfreitag nahm ich bei unserer Prädikantin teil und an Ostersonntag war ich wieder dran. An Quasimodogeniti fuhr ich ins Badische, weil Johanna eingeführt wurde. Heute musste ich selbst wieder in die Bütt. Nächste Woche feiern wir Konfirmation. Hinzu kommen jede Menge Beerdigungen. Vier von fünfen habe ich noch offen. Das hätte ich mir zum Einstieg entspannter gewünscht.
Am Mittwoch fing die nächste Runde Wassergymnastik an. Beim Bogenschießen bin ich Donnerstag auch zum ersten Mal wieder gewesen. Das Training findet in der Sommerzeit zwei Mal wöchentlich draußen auf einem Rasen-Schießplatz neben Vereinsheim und -halle statt. Genau so einen Ort habe ich gesucht. Gut zehn Minuten Fahrtzeit und geschossen wird auf Scheiben. Im Gegensatz dazu ist der 3D-Parcours eine halbe Stunde entfernt und fehlgeleitete Pfeile verschwinden gern auf Nimmerwiedersehen im Unterholz. Darum zusätzlich auf ebener Fläche zu üben, ist schon super. Für außerhalb der Trainingszeiten habe ich jetzt einen Schlüssel.

Gesundheitlich geht es zwar aufwärts, aber ich habe immer noch eine lange Liste. Der Bluterguss unter der Operationsnarbe ist noch nicht ganz weg und macht sich am Ende des Arbeitstages ganz gerne bemerkbar. Dafür hat mir der Professor gesagt, dass wir die Narbenkorrektur mit der Darmspiegelung verbinden können. Letztere ist die obligatorische ab 50 Jahren, die ich wegen der ganzen OPs mehrfach verschoben hatte. So schlage ich im nächsten Januar zwei Fliegen mit einer Klappe und bin für dieses Jahr erstmal fertig.
Den Euroschlüssel für öffentliche Behindertentoiletten habe ich mittlerweile erhalten. Zuständig dafür ist der CBF Darmstadt mit Methoden, die genau den Respekt vor Menschen mit Einschränkungen vermissen lassen, den sie vorgeblich einfordern. Das erste Attest wurde nicht akzeptiert, weil der Professor versäumt hatte, das Wort „Behindertentoilette“ zu vermerken: „Ihrem Arzt muss bewusst sein, dass er Ihnen erlaubt Behindertentoiletten (nicht ‚öffentliche Toiletten‘) zu benutzen“ (Originalzitat). Spezialist für Koloproktologie, Beckenböden und Inkontinenz zu sein, reichte für den Bewusstseinsgrad offenbar nicht aus und meine Diagnose ebenfalls nicht. Ein freundliches Anschreiben mit einem Flyer, der die wichtigsten politischen Punkte und Unterstützungsangebote zusammenfasst und den man im Wartezimmer auslegen könnte, wäre den Anliegen des Vereins sicher dienlicher und dem Umgang mit Betroffenen und Ärzten angemessener. Passend zum Schlüssel gibt es einen WC-Finder als App und ein Handbuch, das vom Format an das Kirchentagsprogramm erinnert. Darin sind die entsprechenden Behindertentoiletten in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgelistet.

In der Nacht von Donnerstag auf Freitag habe ich elf Stunden geschlafen. Das ist mir seit Ewigkeiten nicht mehr passiert. Vor zwei Wochen gastierte Till Brönner mit seiner Tour „Italia“ in der hiesigen Stadt. Ich hatte eine Karte und war begeistert. Ich wusste gar nicht, dass er auch singt. Besonders mochte ich aber die Stücke, bei denen er mit der Trompete im Bebop-Style richtig loslegte.
Gestern fuhr ich zum Kirschblütenfest der AWO neben dem Langen Kampe mit seinen 240 japanischen Kirschblütenbäumen. Beim Fest war die halbe Kirchengemeinde da, denn sie liegt in diesem Bezirk. Ich aß mein erstes Eis im Hörnchen dieses Jahr vom Eiswagen, der im Innenhof der AWO stand.
Die jesidische Nachbarin brachte mir vorgestern Tulpen mit, weil sie gesehen hatte, dass die Hälfte der Blumen in meiner Vase schon verblüht war. Sie verriet mir, dass sie heute Abend eine kleine Katze bekommen, die aus ihrem Wurf verstoßen wurde. Sobald sie da ist, kriege ich eine SMS und darf rüber, um sie zu begrüßen.
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