Florilegium

Letztes und vorletztes Jahr war ich zu Advent und Weihnachten als Gemeindepfarrerin ohne Internet und Telefon, Vodafone hatte das damals verbockt und dafür schließlich die fristlose Kündigung bekommen. Ich will’s nicht beschreien, aber mit der Telekom sieht es bisher wesentlich besser aus. Das darf so bleiben, so insgesamt, aber auch für die gesammelten Links:

Nächstes Jahr feiern, bedenken, haareraufen wir 50 Jahre 1968-er Bewegung. Da können wir langsam anfangen uns warmzulaufen. Zuerst mit dem Gedenken an Petra Kelly und Gerd Bastian, deren Tod mittlerweile auch schon 25 Jahre her ist. Ulrike Winkelmann erinnert im Deutschlandfunk daran. Und falls jemand vergessen haben sollte (oder gar nicht wusste), was für ein zweifelhafter Held Che Guevara war, hilft ihm Peter Gaupp in der NZZ auf die Sprünge.

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Jetzt hauen alle ihr Resümee zum Reformationsjubiläum raus. Ich nicht, keine Lust. Es ist ja alles gesagt, mittlerweile sogar von jedem. Außerdem geht mir diese versnobte Larmoyanz auf den Wecker, als wären es tatsächlich die Kulturangebote, die in der Lutherdekade zu kurz gekommen wären. Darum hier lieber die Links, die ich besonders mochte. Das hebt die Stimmung und spiegelt meinen Punkt:

Einen großartigen Text schrieb Hanna Jacobs über das „betuliche Frauenbild der alten Reformatoren“, das bis heute wirkt.

Philipp Greifenstein zieht in der Eule Bilanz zum Reformationsjubiläum, wie gewohnt aus linker Perspektive, mit vielen weiteren Links, dezent bösartig und sehr klug.

Klug ist auch, was Schibulska in ihrem Blog historisch entfaltete: „Jede Epoche bekommt das Reformationsfest, das sie verdient.“ Wie wahr.

Mir selbst lag das Thema Luther und der Antisemitismus besonders am Herzen. Rafael Korenzecher hat die Judenfeindlichkeit der evangelischen Kirche von ihrer Gründung an bis heute aufgereiht.

Hannes Leitlein bekommt eine Ahnung, was jenseits dünkeliger Klagegesänge beim Reformationsjubiläum zu entdecken gewesen wäre.

Der Film über Katharina Luther steht noch bis zum 4. November 2017 in der ARD-Mediathek.

Auch Gotthilf Fischer mit seinen Chören kann man gar nicht genug für sein Lutherlied (Auszug) danken. Volksmusik nannte man das früher.

Und weil es mich so berührt hat, noch einmal das in sich gekrümmte Herz.

Update vom 30.10.2017: Offenbar liegen die Texte von Hanna Jacobs und Hannes Leitlein hinter einer Paywall, was mir nicht klar war. Ich bedanke mich daher für den Hinweis von Frank H.-G., denn ich möchte hier (künftig) keine Artikel verlinken, die man nicht frei lesen kann.

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Nach einer heftigen Woche und einem schönen Erntedank-Gottesdienst sitze ich völlig KO in der Stube, höre Thomas Gottschalks großartige Radioshow und sortiere meine Links:

Der katholische Pastoraltheologe Richard Hartmann denkt darüber nach, wie die Digitalisierung das Amtsverständnis verändert: „Wenn Ämter nicht mehr direktiv die Kommunikation gestalten und bestimmen können, wenn in dieser Gesellschaft Amtsträger nicht mehr automatisch Leitungsvollmacht haben. In dieser offenen Diskursgesellschaft ist die Freiheit, auch die Freiheit des Gottesvolkes, ganz anders als früher.“
Das gilt auch für die evangelische Kirche. Gelobt sei Gott!

Die Kollegin Ploetzlichpfarrerin erzählt, wie ihr Leben und Sterben im Pfarrberuf begegnen: Herbstzeitlose.

Dem Wiederaufbau der Garnisonkirche in Potsdam kann man per Webcam zugucken.

Ein archäologisches Forschungsteam der Universität Stockholm stellte fest, dass der Wikingerführer aus Birka (mit Langschwert und Streitaxt beerdigt), den man immer für einen Mann gehalten hatte, in Wirklichkeit eine Frau war. Hier der vollständige Artikel über die Untersuchung und ihr Ergebnis: A female Viking warrior confirmed by genomics.

Margrith Bigler-Eggenberger wurde 1972 die erste Bundesrichterin in der Schweiz. Ihr Einsatzgebiet war das Familienrecht, wenn auch nicht ganz freiwillig: „Ich musste dorthin gehen, wo Frauen hingehören…“

Der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann über Rechtspopulismus: „Alle politischen Botschaften stellen Vereinfachungen dar. Niemand im politischen Spektrum kann für sich die Behauptung aufstellen, allen Schwierigkeiten und Unübersichtlichkeiten bei den grossen gesellschaftlichen Themen gerecht zu werden.“

Bob Blume zur Dropboxisierung des Lehrernachwuchses, also was passiert, wenn man das mit dem Internet und den Arbeitsblättern nicht zu Ende denkt.

Der ehrenwerte Herr MiM, Vater von Drillingen, über das Trösten: „Trösten ist der Väter Pflicht.“

Zum Schluss kommt wieder Musik: In sechs Schritten zum Hören von Obertönen. Wunderschön und wirklich lehrreich. Seit dem höre ich die Obertöne, die die Kirchenglocken nebenan hervorbringen, aber auch die des Staubsaugers. Nun ja.

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Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch Links mit Texten oder Sachen sammeln würde, die mich beschäftigen. Allerdings kamen dabei bisher überwiegend tagespolitische Zeitungsartikel zusammen. Das finde ich nicht nur zu eintönig, sondern es würde mich in der Häufung vermutlich noch reaktionärer erscheinen lassen, als ich tatsächlich bin. Ich sammelte und sortierte also etwas länger, bis sich diese Mischung zusammenfand:

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