Essensmäßig war der April ein turbulenter Monat. Ich war viel unterwegs und hatte eine Menge Stress. In solchen Phasen habe ich oft nicht den Nerv, ordentlich zu kochen. Bin ich in der Stadt, kehre ich häufig gleich irgendwo ein. So bekomme ich eine Pause und kriege etwas Vernünftiges in den Magen.
Meine „fernköstliche Phase“ hält nach wie vor an. Das ist mir sehr recht, denn es passt gut zur wärmeren Jahreshälfte. Außerdem kommt darin viel Gemüse vor. Dabei handelt es sich bisher um Sorten, die ich einzeln gekauft und geschnibbelt habe.
Zack, schon ist der nächste Monat um. Los ging es mit einer „fernköstlichen Phase“: Dazu kochte ich Rezepte asiatisch-amerikanischer TikToks nach, die lecker aussahen und schnell gingen. Wobei alles, was scharf war, möglichst weitgehend besänftigt wurde. Reiskuchen mit Chilipaste und Sahne aus Korea waren dabei, eine Hühnersuppe ohne Wasser aus dem kantonesischen China und der pan-asiatisch bekannte Reisbrei Congee mit den ebenso weitverbreiteten asiatischen Donuts, die auf Mandarin Youtiao heißen. Ich fand ein Rezept, wo sie im Airfryer statt in Fett ausgebacken wurden.
Morgen gibt es noch einmal Ossobuco mit Nudeln und Apfelkompott. Sauerkraut mit Schupfnudeln habe ich auch noch eingefroren, dann ist der Monat um. Mit der Beinscheibe weihte ich den neuen Römertopf ein, nachdem ich den vorherigen geschrottet hatte. Mein Highlight diesen Monat war aber das Paradeiskraut. Für die Serviettenknödel bestellte ich extra Knödelbrot, weil man das in Ostwestfalen nicht im Laden kaufen kann. Ich entschied mich für 750 g, das reicht für die nächsten nülfzig Jahre.
Obwohl ich Weihnachten für mich bin und nicht feiere, haben sich auf meinem Speiseplan einige Sitten und Gebräuche entwicket. Den Anfang machte wie üblich eine Anleihe beim Judentum. Gemäß der dortigen Tradition nahm ich Chanukka zum Anlass für Reibeplätzchen und Berliner Ballen: Latkes und Sufganiyot. So habe ich für Reibekuchen einmal im Jahr einen festen Termin. Auf der letzten Mahnwache an der Synagoge erfuhren wir außerdem, dass Schwibbögen jüdischen Ursprungs sind. Die Christen hatten sie von der Chanukkia „abgekupfert“, weil sie auch so einen schönen Kerzenleuchter im Fenster stehen haben wollten. Ich habe trotzdem keinen.
Das Problem mit Reibeplätzchen ist ja, dass sie in Öl ausgebacken werden. Das hat nicht nur unzählige Kalorien, sondern es ist auch nicht sonderlich bekömmlich, jedenfalls nicht für mich. Also habe ich versucht, sie im Airfryer zuzubereiten. Das klappte prima und schmeckte tatsächlich! Der einzige Kunstgriff ist, dass man den Kartoffelteig in einem Tuch auspressen muss, damit die Reibekuchen außen knusprig und innen durchgegart sind, statt zu Püree oder Briketts zu werden. Das ganze Rezept geht so:
Als ich ein Kind war, gab es samstags manchmal Kartoffelsuppe und zwar von Pfanni. Meine Mutter schnitt dazu Fleischwurst und Zwiebeln in dünne Scheiben, die sie anbriet und untermischte. Nun wäre mir heute eine Päckchensuppe aus Kartoffelflocken zum Mittagessen fremd; Pfanni führt sie auch gar nicht mehr. Gleichwohl würde ich die Kartoffelsuppe meiner Kindheit gerne ab und zu essen. Also experimentierte ich ein bisschen herum, traf die Geschmacksrichtung so in etwa, die hellgrüne Farbe dafür schon ziemlich genau. Aber irgendetwas fehlte. Bis ich es fand, ohne dass ich mich erinnere, wie das geschah: Das größte Geheimnis dieser Suppe ist Selleriesalz. Ich hätte bis dahin gar nicht gedacht, dass das Zeug überhaupt für irgendetwas gut ist. Mittlerweile habe ich die Suppe aber ein paar Mal nachgekocht und immer schmeckte sie so, wie damals™ die Kartoffelsuppe von Pfanni, nur eben ohne Pfanni. Hier ist das Rezept: