Herzblut

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Eigentlich wollte ich auf dem Rückweg vom Urlaub bei meinem Inker vorbeigefahren sein. Doch als ich auf dem gedanklichen Weg dorthin durch seine Internetseiten schmökerte, bestätigte sich, was ich schon länger vermutete: Dass er Nazimotive sticht und das gelinde gesagt auch nicht schlimm findet. Aber ich find’s schlimm und traurig bin ich auch. Im Gegensatz zu dem, was Friseure und Nagelstudios fabrizieren, wächst ein Tattoo nämlich nicht wieder raus. Deswegen ist es wichtig, dass nicht nur der Stil, sondern auch die Chemie mit dem Inker stimmt, zumindest ist das bei mir so. Ich habe darum einiges Herzblut vergossen, denn natürlich gehe ich zu dem nicht mehr hin und wie kann das überhaupt sein?!

Es gibt aber auch Tattoostudios, die „Herzblut“ heißen, allerdings keins, das heute auf der Tattoo Tattaa in Bielefeld war. Dorthin hatte ich einen Ausflug gemacht, um mich ein wenig umzusehen und ein paar neue Ideen zu sammeln. Das war ganz schön, aber leider zu voll; nicht nur weil so viele Leute da waren, sondern die Halle war zu klein, die Gänge zu schmal, der Eingang wie ein Nadelöhr. Mein Highlight war der Stand einer Masseurin, wo sich die Besucher und die von der Arbeit verspannten Inker_innen durchkneten lassen konnten. Ich buchte 20 Min. für meine verkrampften Schultern. Das war richtig gut, aber danach war ich fix und fertig und fuhr bald heim.

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Frau Junas Buch

Frau Juna im Museum zu besuchen, ist immer sehr schön. Es gibt Tee, dazu Schokolade und Frau Juna hat ganz warme Hände. Im Mai bin ich das letzte Mal dort gewesen. Kaum vorher hatte die Zeitung mit den großen Buchstaben verraten, dass Frau Juna an einem Buch schreibt. Sie selbst war da gerade in der Findungsphase: Was soll es werden, wie soll es werden und wird es überhaupt etwas werden?

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„Na ja“, sagte ich zu ihr. „Etwas werden sollte es auf jeden Fall. Das Erscheinungsdatum steht mittlerweile fest und sogar das Gewicht: 159 g.“
Ich reichte ihr mein iPad mini, auf dem ich die Seite mit den entsprechenden Informationen aufgerufen hatte. Frau Juna bekam tatsächlich einen leichten Grünstich um die Nase.

Doch genug aus dem Nähkästchen geplaudert. Das Buch ist da, sogar einen Monat eher als erwartet. Hier sind die Verlagsankündigung mit einem Video und die ersten Termine ihrer Lesungen. „Schonzeit vorbei. Über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus“ lautet der Titel. Ein wichtiges Thema, ein ernstes Thema, ein dringendes Thema, das gerade deswegen nicht einfach zu beschreiben war. Umso mehr freue ich mich, dass es gelungen ist, dass es etwas geworden ist oder wie Frau Juna selbst es sagt: „So, nu isses raus. Das Buch. Mein Buch.“ Masel tov, meine Liebe!

Brot und Salz

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Seit Donnerstag bin ich wieder im Dienst und hatte mit den Einschulungsgottesdiensten gleich gut zu tun, aber am Wochenende predigtfrei. Das verschaffte mir alles in allem einen langsamen Einstieg, plus Sonnenschein bei endlich angenehmen Temperaturen. So machte ich am Sonntag einen Ausflug zum Pökeltag auf Hof Haulle in Bad Sassendorf. Hildegard Mihm, die Fermentista, die ich aus dem Ruhrgebiet kannte, hatte mich auf die Idee gebracht, als sie ankündigte, dort mit einem Sauerkrautstand vertreten zu sein.

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I shall not be moved

Dieses Lied habe ich gefunden, als ich die #twomplet für heute vorbereitet habe. Es ist aus der CD „My Mother’s Hymn Book“, mit Liedern, die Johnny Cash als Kind von seiner Mutter lernte. Ein richtiger Ohrwurm.

Eat, pray, sleep, repeat

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Ich bin ein paar Tage weggefahren, was sehr schön und erholsam war. Donnerstag bis Montag verbrachte ich im Berneuchener Haus/Kloster Kirchberg. Seit 25 Jahren komme ich immer wieder dorthin, damals noch als Jungschwester. Die Berneuchener Bewegung ist auch später meine geistliche Heimat geblieben, über den Ort hinaus.

Abgesehen davon ist es auf dem Kirchberg wunderschön, ein freundliches Tagungshaus mit großartigem Essen. So konnte ich spüren, wie ich schrittweise zur Ruhe kam. Der Wetterumschwung, der mir am Freitag den Kreislauf völlig zerschoss und sich auch in den Tagen darauf immer wieder bemerkbar machte, hat dabei allerdings ziemlich nachgeholfen.

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Lesen und Essen

Eigentlich hatte ja alles im Frühjahr beim Grillen angefangen, gelb.jpgdoch dann war so viel zu tun, dass ich Wolf Lotters knallgelbes Buch „Innovation. Streitschrift für barrierefreies Denken“ erst jetzt beim Urlaubsfrühstück zu Ende las. Geschrieben hatte er es, um darüber nachzudenken, wie wir von der Industriegesellschaft und ihren Problemlösungs- und Organisationsstrategien zur Wissensgesellschaft gelangen. Natürlich nicht einfach so, sondern mit Absicht: „Jeder Fortschritt besteht aber in Verbesserungen und nicht allein im Anspruch darauf, etwas ‚anders‘ zu machen. Das ist kein Wert an sich.“ Wie Lotter sich das vorstellt, leitet er historisch, oft von verblüffenden Beispielen und im Einst-Jetzt-Schema, z.B. unterschiedlicher Innovatorentypen, ab. Auf die Idee, Differenzierung und Motivation anhand der Speisegewohnheiten von Veganern zu erklären, muss man erst einmal kommen. Dass Innovation keine Aufgabe der Jungen ist, sondern als Anspruch in jedem Alter und Erfahrungshintergrund gilt, traf bei mir einen wunden Punkt, um so mehr fühlte ich mich von Lotters Buch zum Denken eingeladen. Dabei fiel es mir beim Lesen zunehmend schwer, mich zu konzentrieren, immer wieder schweiften die Gedanken Richtung Kirche und Gemeindeaufbau ab, bis ich irgendwann verstand warum. Schon länger hatte ich mich gefragt, was es eigentlich bringt, diese ganzen Bücher zu betrachten, Diskussionen zu führen und Panels zu besuchen. Was bleibt hängen, wenn danach das Leben weitergeht? Die Antwort darauf konnte ich mir bei der Lektüre dieses Buches geben: Immer wieder verknüpfte ich Lotters Thesen mit meinem kirchlichen Erleben und Arbeiten. Ich habe lange kein Buch mehr gelesen, bei dem ich so wenig behalten und trotzdem so viel verstanden habe. Das hat mich gleich mehrere Schritte weitergebracht. Ich finde das super und die Kirche, nun ja…

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