Oculi

An diesem Sonntag gab es wieder ein Stück Kuchen, um genau zu sein, eine Mohn-Stracciatella-Sahne-Schnitte. So viel süßes Backwerk wie in den letzten beiden Wochen esse ich sonst in einem halben Jahr nicht. Denn auch wenn ich sonntags eine maßvolle Ausnahme vom Fasten mache, bleiben Alkohol und Pommes tabu.

Das Stück Kuchen, der Fastenkalender steht mit auf dem Teller, sodass es fast aussieht wie ein Bild. Denn auf dem Kalender sind Frauenhände mit rot lackierten Nägeln abgebildet, die ein Brot brechen. Daneben ein Teller mit irgendwas drauf. Man erkennt es nicht.

Ich bediene mich statt dessen aus der zweiten oder dritten Reihe meiner kulinarischen Gelüste. Die Frage des Tages im Fastenkalender „Welcher Versuchung will ich widerstehen?“ wäre damit beantwortet.

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Reminiscere

Der Tag im Allgemeinen und der Sonntag im liturgischen Besonderen beginnen bereits an ihrem Vorabend (Gen 1,5b). Das machte ich mir in einer großzügigen Auslegung zu Nutze und nahm die Sonntagsspeise schon am Samstag Nachmittag ein. Da fand nämlich der liberale Kreisparteitag statt, auf dem es Butterkuchen gab; der Kreisvorsitzende ging durch die Reihen, um die erste Runde persönlich auszuteilen. Insgesamt aß ich zwei kleine Stücke.

Ein Stückchen Butterkuchen auf einer Papierserviette. Links daneben Papiere und Kuli mit FDP-Emblemen. Rechts daneben eine Tasse Tee ohne Untertasse (gab keine). Dahinter der Fastenkalender von 7 Wochen Ohne.

Inhaltlich waren alle möglichen Wahlen dran. Eigentlich interessant wäre ein recht kritischer „Religionsantrag“ der JuLis gewesen, auf den ich eine Erwiderung vorbereitet hatte. Aber weil es durch die ganze Wählerei schon auf den Abend zuging, wurden dieser und noch einige andere TOPs auf einen Sonderparteitag verschoben. Ich bin gespannt, wann der sein soll. Mein Script ist jedenfalls abgespeichert.

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Invocavit

Der erste Fastensonntag begann damit, dass ich die Sonntagsspeise auf Montag verlegt habe. Da war eigentlich ein Klausurvormittag vom Referat für Kommunikation und Fundraising geplant mit anschließendem Essengehen. Ich komme durch Corona noch seltener raus als ohnehin schon, darum wollte ich mit dem Termin für die Sonntagsspeise nicht an der falschen Stelle kleinlich sein.

Die beschriebene Sonntagsspeise am Montag mit dem Fastenkalender, der darum auch am 07. März aufgeschlagen ist.

Doch dann mussten wir die Klausur wegen einer Quarantäne kurzfristig verschieben, sodass ich mir statt dessen etwas Leckeres von einer recht neuen Pizzeria hier nach Hause liefern ließ: Drei Drumsticks mit Aioli, dazu vegane Pizzabrötchen mit einer Füllung aus Möhren und getrockneten Tomaten und einem Blumenkohl-Basilikum-Dip. Klingt abgedreht, schmeckte aber himmlisch.

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Esto mihi

Fastenzeit. Nachdem das Fasten im vorletzten Jahr wegen des Umzugs ausfiel und nach einer light Version im letzten Jahr wegen Corona, startete ich dieses Jahr wieder mit dem vollen Programm: Verzicht auf Alkohol, Fastfood, Süß- und Salzigkeiten bei einer moderaten Ausnahme jeden Sonntag.

Das Hungertuch, aufgehängt im Altarraum, dahinter drei sehr bunte Fenster.

Während im Februar langsam Vorfreude in mir aufstieg und ich anfing zu planen und meine Rezepte zu sortieren, war ich, als es Aschermittwoch zum Schwur kam, trotzdem ziemlich pissig:

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Was bisher geschah

Nachdem ich im Januar von allem zu viel hatte, war der Urlaub Anfang Februar ziemlich träge und unspektakulär, ich war zu platt für irgendwas. Aber dass ich seit dem wieder jede Woche zur Wassergymnastik gehe, ist ein Segen. Außerdem begann ich wieder, täglich mein Arbeitspensum zu notieren und sprach an, was anzusprechen war, wenn ich damit auch noch nicht ganz fertig bin.

Und dann ist Krieg. Mir fällt nichts Kluges ein, was ich über die Ereignisse schreiben könnte, darum lasse ich es sein, ob vorerst oder grundsätzlich, weiß ich noch nicht. Statt dessen mache ich mit Corona weiter, was auch irgendwie merkwürdig ist. Ich gebe mir Mühe, ein anständiges Leben zu führen und habe ein schlechtes Gewissen.

Zu Covid gehört, dass es manche Entwicklungen beschleunigt. So rufen Obdachlose und Menschen in finanziellen Nöten jetzt mit dem Handy an, um ihre Anliegen zu schildern. Wie bei den Geflüchteten zeigt sich, dass das Smartphone mittlerweile zum Grundbedarf gehört und selbst in sehr prekären Lebensverhältnissen unverzichtbar ist, um das Leben zu organisieren.

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Was bisher geschah

Seit einigen Jahren zeigte sich, dass ich nicht mehr so gut höre. Auch als Diagnose war es irgendwann bekannt, aber ein Hörgerät stand noch nicht zur Debatte. Hinzu kam, dass ich Geräusche nicht gut filtern kann, was allerdings nicht am Ohr, sondern an den zuständigen Synapsen liegt.

Das Hörgerät mit schwarzem Deckel, transparentem Corpus und einer kleinen Reihe dunkelblauer Buchstaben und Ziffern darauf als "Nummernschild".

Letztes Jahr wurde mein Hörvermögen schließlich so viel schlechter, dass ich im Herbst einen Termin bei einer HNO machte. Dieser verlief ausgesprochen schrecklich: Da der Hörtest durch zu viel richtiges Raten und ein im Standardverfahren fehlendes Tool teilweise auf der Grenze lang, nahm mich die Ärztin nicht ernst und ließ mich wie eine Schülerin abblitzen („Dann müssen Sie sich halt weiter nach hinten setzen.“), ohne auch nur einmal nach meinen Beschwerden zu fragen. Ich sollte in zwei Jahren wieder kommen oder wenn ich nicht mehr zurecht käme. Letzteres hatte ich seit der Terminvereinbarung der jeweiligen MFA bei jedem Untersuchungsschritt geantwortet, wenn ich sagen sollte, was mein Anliegen wäre. Dann von einer Ärztin so behandelt zu werden, war ein Scheißgefühl.

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