
Mittlerweile beerdige ich seit 25 Jahren, aber erst diesen April bin ich zum ersten Mal auf dem Friedhof gegendert worden. Oben ein Foto, das ich darum vom Türschild der Sakristei des Waldfriedhofs in Sennestadt gemacht habe. Eigentlich wollte ich nach Studiensemester und OPs ganz in Ruhe wieder einsteigen. Statt dessen bin ich jetzt bei Beerdigung Nr. 5/6 in Folge angelangt, dazu die verrücktesten Termine, digital und analog. Nach 18 Tagen Dienst am Stück konnte ich durch den Feiertag gestern endlich ein verlängertes Wochenende einläuten. Um ein Telefonat, das von Donnerstag noch nachdieselte, kam ich trotzdem nicht herum. Heute herrscht bislang Ruhe. Ich hoffe, dass das so bleibt und räume erstmal das Internet auf:
Als das aktuelle Evangelische Gesangbuch (EG) eingeführt wurde und das Ev. Kirchengesangbuch (EKG) ablöste, hielt Claus Fischer anlässlich der Einführung am 1. Advent 1995 eine Predigt im Konvent der Ev. Jungbruderschaft St. Michael und ließ uns Lied 19, „O komm, o komm, du Morgenstern“, singen. So zumindest verwahre ich es in meinen Erinnerungen. Jetzt ist ein neues Gesangbuch in Arbeit. Das ist auch gut und richtig so. 30 Jahre sind eine Generation, da verändert sich viel. Gerade das moderne und das Neue geistliche Liedgut (NGL) benötigen eine Auffrischung. Was dieser lustige Kreis auf dem Einband des Prototyps soll, wo wir mit Kreuz, Christusmonogramm (XP) und Fisch seit Jahrtausenden über etablierte Symbole verfügen, begreife ich trotzdem nicht. Wichtig ist mir außerdem, dass die althergebrachten Choräle weiterhin gewürdigt und erhalten werden. Zwei Links aus dem Diskussionsreigen finde ich darum beachtenswert: Die vorläufige Liederliste des neuen Gesangbuchs und eine kritische Sichtung von Susanne Westenfelder, leider mittlerweile hinter einer Paywall.
Das Nuf war an Karfreitag im Konzert. Gegeben wurde Brahms Requiem.
Chajm schreibt in Antisemitismus-P-rn, dass er von dem ständig durchs Internet gereichten Antisemitismus die Nase voll hat und warum die vermeintlich guten Absichten dahinter es nicht besser machen:
»Wenn wir es nicht zeigen, leugnen die Leute, dass es passiert.«
Ach, die Leute. Die gleichen Leute, die auch ohne Bild wissen, dass es Antisemitismus gibt, die aber trotzdem wegschauen, wenn es nicht in ihr Weltbild passt. Ein Foto ändert daran nichts. Im Gegenteil: Es gibt den Betrachtern das Gefühl, schon etwas getan zu haben – nämlich: empört zu sein. Empörung ist der billigste Luxus unserer Zeit. Ein Like, ein Teilen, ein »Das darf nicht sein!« und schon fühlt man sich als Held. Dabei hat man nur die Reichweite der Täter vergrößert.
Li Laoshi (Lehrer Li) unterhält einen Account auf TikTok. Dort übersetzt er nicht nur chinesische Schriftzeichen auf Tattoos ins Deutsche, was ziemlich komisch ist. Er erläutert auch, warum er plant, nach China zurückzukehren. Deswegen hat er kürzlich eine Reise dorthin gemacht und seine Eindrücke in mehreren Clips festgehalten, wie dem vom Taxi ohne Fahrer. Das Land der Ingenieure und Denker sind eben schon lange nicht mehr wir.
Am 18. März war das zehnjährige Gedenken an Guido Westerwelle (1961-2016). Hier noch einmal sein flammendes Plädoyer für die Freiheit:
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