
Am Sonntag Abend ist Dieter Nuhr in der hiesigen Stadt aufgetreten. Ich hatte eine Karte, schon lange gekauft, aber ich bin nicht hin. Ich kam mit seinem Spruch im Juni über Femizide und dessen Täter-Opfer-Umkehr nicht klar und mit Nuhrs fehlender Einsicht auch nicht: „Zur Sicherheit wäre es nicht schlecht, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr vielleicht einfach erstmal kennenlernt.“
Einen Monat ließ ich mir Zeit, um darüber nachzudenken. Denn ich mag Dieter Nuhr und dass eine Pointe missglückt oder einem nicht gefällt, kann immer passieren. Doch dieses Mal war es mir zu viel. Also schrieb ich ihm am 20. Juli einen Brief, in dem ich meine Ansicht darlegte und schickte ihm mein Ticket zurück. Das bürgerliche Lager ist nach meinem Eindruck mit Humor nicht so zimperlich wie die woke Seite. Das heißt aber nicht, dass man sich deswegen alles rausnehmen kann, als Mann gegenüber Frauen nicht und auch nicht, wenn man sonst gut gelitten ist. Ich wollte, dass Nuhr das von einer Frau aus dem eigenen Lager liest. Geantwortet haben er oder seine Agentur nicht.
Passend dazu kam Mitte Juli die Dokumentation „Was haben wir gelacht“ ins Kino, die den misogynen Sexismus in der Fernsehunterhaltung der 90er Jahre zeigt und von Bettina Böttinger, Gaby Köster, Maren Kroymann, Esther Schweins und Hella von Sinnen kommentieren lässt. Dem Film wurde vorgeworfen, dass er nicht genügend berücksichtigt, dass damals andere Zeiten herrschten, obwohl im Ablauf mehrfach darauf hingewiesen wurde. Außerdem würde das Hintereinandersetzen der vielen Szenen eine Dichte konstruieren, die es so nicht gegeben hätte. Das mag für die Fernsehunterhaltung zutreffen, aber wenn man bedenkt, an wievielen anderen Stellen in Rundfunk, TV und Zeitungen Frauen außerdem Sexismus und Misogynie ausgesetzt waren (und sind), rechnet es sich eben doch. Abgesehen davon macht die Häufung die einzelnen Szenen nicht weniger ekelig.
Was Dieter Nuhr betrifft, war ich nicht auf Rage Bait aus, deswegen erzähle ich es erst jetzt, nachdem der Auftritt vorüber ist. Auch kann es sein, wenn es eine nächste oder übernächste Tour gibt, dass ich es dann noch einmal versuche. Aber dieses Mal eben nicht.
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Ihrer Nuhr-Aktion kann ich nur Beifall spenden.