Irgendwo ist nirgendwo

Kürzlich hatte ich über Trauungen gebloggt und was mir da so auffällt.vytsxdcorlk5taswi0p1bq_thumb_985 Das ist gut angekommen, darum mache ich mit dem Thema Amtshandlungen noch ein bisschen weiter. Diesesmal schaue ich mir die Bestattungen an. Das passt auch gut zur kirchlichen Jahreszeit, denn am Wochenende ist Ewigkeitssonntag, da gedenkt man in der evangelischen Kirche der Verstorbenen.

Wobei eine wachsende Zahl von Leuten meint, dass es für das Gedenken, Erinnern oder Trauern unwichtig wäre, wo der Verstorbene läge. „Ich trage ihn in meinem Herzen“, wird dann gerne gesagt. Nur, in vielen Fällen funktioniert das nicht, jedenfalls nicht ausschließlich. Friedhöfe und Bestattungsunternehmen rücken daher, soweit ich das überblicken kann, möglichst von gänzlich anonymen Beerdigungen ab und bieten sogenannte „teilanonyme Bestattungen“ an. Bei denen ist zumindest das Gräberfeld, oft eine Rasenfläche, überschaubar einzugrenzen oder an einer oder mehreren Stellen sind die Namen der Toten verzeichnet.

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Bräute heute

Antje Schrupp machte kürzlich auf einen Kommentar von Charlotte Haunhorst aufmerksam, in dem sie die Rückschrittlichkeit heutiger Brautpaare bei der Gestaltung ihrer Hochzeit hinterfragt. Märchenhochzeit, Brautübergabe und der Ehemann als Held und Beschützer. Die Kaltmamsell begründet dies schon länger mit speziellen Brauthormonen, die sie bei manchen Frauen vermutet: „Anders lassen sich eine ganze Reihe von Erscheinungen in der Frauenwelt nicht erklären.“

Wenn ich mir die letzten 20 Jahre ansehe, habe ich privat und beruflich ähnliche Erfahrungen gemacht. Zunehmend sehe ich mich in Traugesprächen mit einer übereifrigen Braut konfrontiert, die mir sagen möchte, was ich laut ihrem Drehbuch zu machen habe. Die Vorlage für den Plot haben sie und ihr Verlobter kaum selbst erstellt. Der Großteil ist bei Hollywood abgeschrieben und den Rest besorgen die Freundinnen der Braut, die ihr eintrichtern, man müsste das alles so machen, was die Frau unter riesigen Erfolgsdruck setzt.

Das Traugespräch fängt daher häufig damit an, dass ich versuche, den Druck der Braut aufzulösen. Meist indem ich die Frage beantworte, was man alles nicht tun muss, obwohl es die Freundinnen gesagt haben. Wenn wir diesen Teil hinter uns haben, fällt der Braut regelmäßig ein Stein vom Herzen und das Paar beginnt zu formulieren, was es wirklich möchte. Dann wird das Gespräch richtig schön und die Trauung folglich auch.

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Hitzefrei

Mitte Juli waren Frau Juna und ich beim House of One zu einem Symposium eingeladen. Vertreter*innen aus Judentum, Christentum und Islam diskutierten dort über Social Media.
Da war ein Imam, der uns die Achtsekunden-Predigten seines amerikanischen Kollegen zeigte, mit denen dieser die Jugend auf Snapchat erreicht. Und der uns erzählte, wie Muslime Bilder von Mekka im Social Web posten. Mekka, das nur von Muslimen besucht werden darf, öffnet sich so der Welt, erklärte er. Ich bekam richtig Gänsehaut, überhaupt habe ich den Tag sehr genossen. Die offenen Gespräche, das ehrliche Interesse aneinander und am Thema. Dann war noch eine Kollegin dabei und wir lernten eine Muslima kennen, die bei den Denkerinnen mitschreibt.
Noch Tage später war ich beflügelt und voller guter Gedanken. Einer davon lautet, wie wichtig es ist, dass sich ein islamisches Bürgertum entwickelt, das sich erkennbar einbringt. Ein weiterer ist die klassische Binsenweisheit, dass es vieles gibt, das uns verbindet: So ein interreligiöser Weiberzirkel (heute sagt man wohl eher Mädelsclub), der sich in der Mittagspause unterhält, das ist schon großartig.

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Alter, die hat mir das privat geschickt

Snapchat ist ja im Augenblick das große Thema. aUtmrYLX.jpg-largeDabei wirkt es auf mich, als könnten die Meisten gar nichts damit anfangen. Sie adden sich gegenseitig, um die App beim gemeinsamen Ausprobieren zu verstehen, schicken sich aber eigentlich nur Selfies mit lustigen Masken.
Zugegeben bin ich anfänglich auch nicht viel weiter gekommen. Ich hatte noch nicht einmal die Filter für die Masken gefunden, dachte aber, irgendwer wird irgendwann schon etwas Vernünftiges sagen, das weiterhilft. Doch nichts geschah, jedenfalls nicht in meinem Umfeld. Da wandte ich mich schließlich an diejenigen, die sich mit Snapchat wirklich auskennen: Die Konfirmandinnen und Konfirmanden.

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Zurück vom barcamp.ruhr

Im letzten Fastenpost war zu lesen, dass ich von Samstag auf Sonntag zum barcamp.ruhr nach Essen gefahren bin.
Das Unperfekthaus, wo das Ganze stattfand, ist eine großartige Location. Lecker Essen, super Hotel, tolle Räume. Diese Kombination aus unspießig, interessant, gemütlich und trotzdem zweckmäßig habe ich so noch nie gesehen.

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Auch das BarCamp hat mir ausnehmend gut gefallen. Es waren ziemlich viele Leute da, am Samstag etwa 170, aus meiner kirchlichen Perspektive sehr interdisziplinär: Aus der freien Wirtschaft, meist aus Marketing oder PR, Journalist*innen und Menschen aus sozialen Berufen. Ich habe das sehr genossen, denn seit ich wieder in einer Kirchengemeinde arbeite, fehlt mir der Austausch mit anderen PRlern, vor allem solchen, die nicht aus dem Non-Profit kommen.

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#twomplet goes #loccweb15

Seit Januar 2014 wird auf Twitter ein ökumenisches Nachtgebet gehalten: Die #twomplet. Das ist ein Kunstwort aus Twitter und Komplet, dem Nachtgebet der Kirche. Gegründet wurde die #twomplet von Benedikt Heider. Er war damals noch Abiturient und hat erst jetzt ein Studium der katholischen Theologie angefangen. Hier der Tweet, mit dem die #twomplet begann:

Über 1000 Leute folgen der #twomplet mittlerweile, über zwanzig von ihnen wechseln sich jeden Abend um 21 Uhr mit dem Vorbeten ab. Die #twomplet wurde schon auf der Deutschen Bischofskonferenz und der Ordenskonferenz vorgestellt. Auch die evangelischen Kirchen kriegen langsam mit, dass da was läuft. Nachdem sie im Juli 2014 auf dem Internettag der Bayrischen Landeskirche vorgestellt wurde, ist die #twomplet nun bei einer Tagung zu Glauben und Social Media in der Ev. Akademie Loccum zu Gast, vorgestellt von Benedikt Heider und mir. Und zum Angucken der zweite „Gründungstweet“:

Das Material zu unserem Vortrag in Loccum findet sich hier:

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Halloween

„Halloween ist nichts Anderes als eine Werbekampagne für den Reformationstag!“ 15-gembr-ref-1
Diesen Satz habe ich oft gesagt und damit meist mehr oder weniger leise Zweifel bei meinen Gesprächspartnern ausgelöst. Ja, es ist schon richtig: Halloween ist für viele ein sehr befremdliches Fest und es lässt sich nicht mehr aufhalten. Wie soll das auch gehen, den Kindern Kürbisse, Süßigkeiten und gruselige Verkleidungen zu verbieten? Da hilft nur noch, sich zurückzulehnen und ein berühmtes Volkslied zu singen: „Lass doch der Jugend ihren Lauf.“
Doch wenn wir fertig sind mit Singen, können wir trotzdem überlegen, was jetzt zu tun ist.

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