Was bisher geschah

Vorletzte Woche Freitag haben wir Olaf beerdigt, an einem warmen Sommertag. Wir waren eine kleine Schar: Der engste Familienkreis, der eigentlich keine Familie ist, sein Hausarzt, den ich von früher kannte, einige seiner Freunde, auch aus der Amateurfunkszene (mein Bruder war einer der schnellsten Highspeed Morser der Welt) und Leute aus der ehemaligen Belegschaft.

Die Innenstadt von Plettenberg mit der Christuskirche vom Hestenberg (Café Haltepunkt) aus fotografiert.

Die Urne wurde von unserem früheren Nachbarsjungen getragen, der völlig unerwartet in den vergangenen Jahren zu einem großen, charmanten Mann von Anfang 50 geworden war. Die Kollegin aus der örtlichen Kirchengemeinde hielt eine kurze, berührende Ansprache; Xavier Naidoo, Schandmaul und die Toten Hosen besorgten die Musik.

Anschließend kehrten wir im engsten Kreis in ein Café ein, das sich in einem früheren Stationsgebäude an einer stillgelegten Bahnstrecke befand und in meiner Jugendzeit ein SGV-Heim war. Später gingen wir dann noch am tatsächlichen Bahnhof in eine Pizzeria. Auf dem Weg dazwischen trafen wir meine Nenntante, seit ihrer gemeinsamen Schulzeit die beste Freundin meiner seligen Mutter. Sie ist mittlerweile ein bisschen verwirrt, konnte sich aber schnell an mich erinnern. Am frühen Abend fuhren Frau K. und ich mit dem Zug wieder heim.

Käsekuchen mit Gabel und Serviette, ein Krombacher Radler, etwas Tischdeko und ein Stück Neffe im Hintergrund.

Einen Strauß der Iris, die ich wie bei meinen Eltern für den Blumenschmuck in der Kapelle bestellt hatte, gab mir der diensthabende Bestatter für zu Hause mit. Mittlerweile ist er verblüht, steht aber weiterhin bei mir im Wohnzimmer. Ich bringe es noch nicht über mich, ihn wegzuwerfen.

Seit der neuen Woche nach der Beerdigung arbeite ich wieder regulär. Der Alltag und die Tagesstruktur tun mir gut. Durch die Sommerferien und weil mein Kollege Mitte September in Rente geht, habe ich konzeptionell einiges am Schreibtisch zu machen. Das kommt mir zusätzlich zupass.

Die fünf Wochen bis zur Beerdigung sind schon arg lang gewesen. Aber als wir die Nachricht erhielten, war nicht absehbar, wieviel Zeit wir brauchen würden, um die Bestattung und uns miteinander zu organisieren. Das Erbe habe ich mittlerweile ausgeschlagen. Es ist ohnehin nichts mehr da, was hinsichtlich der Familiengeschichte tragischer ist, als es in der Kürze der Worte klingt. Ich bat den Supervisor um einen Telefontermin, wo ich viel erzählte und ein bemerkenswertes Resümee erhielt.

Ein Strauß weißpinker Iris in einer Glasvase auf einem Beistelltisch mit Lämpchen, Kerze (aus) und Olivenholzengel.

Dann haben sie beim Amtsgericht noch das Taschenmesser eingesackt, das ich immer im Rucksack trug. Es war ein Survivalmesser von Smith & Wesson und superscharf. Dass man es als Einhandmesser gar nicht einfach so dabei haben darf, erfuhr ich erst, als es der Wachschutz am Eingang behalten wollte. Ich hätte es zwar innerhalb von zwei Wochen abschließbar verpackt wieder abholen können, doch mir fehlte der Nerv.

Dafür ist positiv zu vermerken, dass mein Blutbild völlig in Ordnung ist. Das Herzklopfen, das mich unlängst zum Notdienst führte, war tatsächlich Teil der Trauerreaktion, verstärkt durch die Wechseljahre. Der Östrogenwert ist jetzt fast auf null. Den Hormonstatus hatte der Hausarzt nämlich gleich mit abgefragt. Dass die Haare dünner werden und nicht wiederkommen, scheint also doch nicht an Corona, sondern am Alter zu liegen und dass ich nicht mehr so viel Alkohol vertrage, ebenfalls.

Neo traditionel Tattoo auf meinem linken Oberam, das unbefleckte Herz Mariens: Ein rotes Herz, von 'weißen' (grauschattierten) Rosenblüten umkränzt, mit der Flamme der Gottesliebe und von einem Schwert durchbohrt.

Diverse Getränke, die ich nur ab und zu mochte, goss ich darum weg, meine Ginvorräte habe ich verschenkt. Außerdem bin ich zu Leichtbier gewechselt. Das schmeckt zwar nicht ganz so vollmundig, eben weil es nicht so gehaltvoll ist, aber es ist lecker und abendfüllend, ohne dass man auf der Hälfte der Strecke irgendwie umsteigen müsste. Das Einzige, was mich nervt, ist, dass ich jetzt nichts mehr „ansparen“ kann. Also vorher und nachher solide, aber im Urlaub dafür umso gelassener. Wobei ich vielleicht auch einfach etwas zu streng bin. Aber mir haben die Beschwerden in der letzten Zeit wirklich gelangt und das eine oder andere Kilo hat sich auch verabschiedet. Darum bleibt jetzt erstmal alles, wie es gerade ist.

Zu meiner Rückkehr in den Alltag gehörte auch ein Tattootermin letzte Woche, am bisher wohl heißesten und schwülsten Tage des Jahres. Es wurde das unbefleckte Herz Mariens (Lk 2,35) auf meinem linken Oberarm und mein siebtes Tattoo. Ich war sechs Stunden im Studio; drei fürs Zeichnen und Anpassen, drei fürs Stechen. Die Inkerin und ich sind mittlerweile ganz gut aufeinander eingespielt, wir schrieben uns anschließend sogar noch ein bisschen auf Instagram. Aber nach dem Termin waren wir beide erstmal gar gekocht. Wie empfindlich mein Oberarm auf die Prozedur reagierte, hat mich außerdem verblüfft. Schließlich ist da eine Menge Fleisch und an der Stelle wird ja auch geimpft. Die Sitzung war zwar nicht so intensiv wie bei den Innenseiten der Unterame, aber in den Tagen danach zog es vernehmlich bis in den Schultergürtel, auch wenn das Tattoo bisher problemlos heilt. Herr ExTuss schickte mir unerwartet ein passendes Lied dazu:


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