Erst pink, dann lavendel

Fotocollage aus 9 Bildern. Bildbeschreibungen im Text mit fortlaufender Nummerierung.

Gestern war ich zu Barbie im Kino. Ich mochte den Film sehr. Er traf genau meinen Humor und meinen Wunsch, gut unterhalten zu werden. In der SZ war wohl naserümpfend zu lesen, der Film wäre in Wahrheit kapitalistisch. No shit, Sherlock. Dass Mattel etwas mit Kapitalismus zu tun haben könnte, dämmerte mir spätestens, als deren Emblem auf den Hoverboards bei Zurück in die Zukunft II prangte. Da war ich 19 Jahre alt. Aber vielleicht habe ich den Teaser der SZ auch nur falsch verstanden. Der Artikel selbst war nämlich hinter einer Paywall versteckt. Ach so.

Diese Woche ist bisher ziemlich ruhig, nächste Woche habe ich dafür mehr zu tun. Aber noch ist es nicht so weit. Ich blieb also in der Abteilung lieblicher Farben und machte mich auf zum größten Lavendelfeld Deutschlands. Bis Google es kürzlich auf der Startpage hatte, konnte ich ja nicht ahnen, dass das ausgerechnet im reformierten Lipperland liegt, direkt um die Ecke.

Ursprünglich hatte ich auf besseres Wetter gehofft, doch damit ist in nächster Zeit vermutlich kaum zu rechnen, jedenfalls nicht, solange der Lavendel noch blüht. Als es darum heute Morgen trocken war und die Wolkendecke immer wieder aufriss, machte ich mich mit dem Auto auf den Weg und war in einer halben Stunde da.

Die Manufaktur mit den Gärten und Lavendelfeldern dahinter liegt in einem Industriegebiet. Das fand ich erst merkwürdig. Doch qualmte oder sickerte nichts aus irgendwelchen Schloten oder Fabriken und die Firmen grenzten direkt ans Ländliche an. Man mag von Demeter halten, was man will, aber wenn Luft und Wasser nicht in Ordnung wären, würden sie dort auch nichts zertifizieren.

Vor dem Gebäude war ein violetter Teppich ausgerollt (1). Überhaupt wurde das ganze Corporate Design in lila gehalten, dazu viel weiß, viel Holz und natürlich Lavendelduft. Man betritt die Eingangshalle und es riecht sofort anthroposophisch, zumindest in meiner Wahrnehmung. Wobei die Räume sehr hoch und weit waren, man wurde weder theoretisch noch praktisch gelenkt, sondern es wirkte breiter gefächert.

Hinter dem Gebäude begann der „Botanische Duftgarten“ mit einer Treppe, daneben eine Eingangstafel (2). Obwohl man das Gelände nahezu vollständig überblicken konnte, war alles gut erkennbar ausgeschildert (3), sodass man immer wusste, zu welchem Feld oder Garten man unterwegs war. Auch die Pflanzen und Kräuter wurden erläutert und benannt. Ich fotografierte die Tafel der Iriswurzel (4). Wobei ich fast vermute, dass nahezu jedes bekannte Duft- und Heilkraut irgendwo auf der Anlage vertreten war. Buddha saß auch da, meditierend zwischen Lavendelsträuchern (5) und noch ein weiteres Mal auf einer Wiese.

Ich schritt die ausgeschilderten Pfade ab und kam an zwei großen Lavendelfeldern vorbei. Dadurch dass es eher kühl und windig war und ich nicht in der Badewanne lag (das musste ich mir zwischendurch klarmachen), duftete der Lavendel nur sehr leicht und unaufdringlich. Trotzdem umhüllte er mich zwischen den Windstößen immer wieder kurz. Die Natürlichkeit des Aromas, das eben nicht aus der Flasche kam, berührte mein Herz.

Und ein Schmetterling meinen Bauch. Von denen gab es im Schmetterlingsgarten tatsächlich jede Menge. Einer hatte ich sich kurz auf mich gesetzt, einen anderen fotografierte ich (6), während er auf der blühenden Rispe eines Sommerflieders saß. Zuhause googelte ich, was er oder sie denn für einer sei und sie erwies sich als Admiral, Vanessa atalanta. Ein Schmetterling, der Vanessa heißt. Was es im reformierten Lipperland alles gibt.

Nachdem ich meinen Rundgang vollendet hatte, erholte ich mich auf der Terrasse des zugehörigen Cafés, das, wie die ganze Anlage, über alle Generationen hinweg gut besucht war. Ich entschied mich für etwas Herzhaftes: Eine Gemüsequiche, ein Glas Linsensalat und eine Limonade mit Blutorange (7). Alles war sehr lecker und genau so zubereitet, wie ich es aus der Bio- oder Anthroszene erinnere. Für jede Linse 100 Karmapunkte, ich erkenne das am Geschmack.

Schließlich ging ich noch in den Shop (8) und machte reichlich Beute. Wieder zu Hause packte ich alles aus (9) und teilweise um, weil ich Frau K. einige Mitbringsel zuschicken wollte. Schön war’s und wie immer schreibe ich das freiwillig und ohne Auftrag.


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