Das hätte ich nie gedacht, dass mir mal ein ganzer Asterix gewidmet wird. Aber nun ist es doch so gekommen. Schön ist er geworden und lustig dazu. Schon klar, natürlich nicht so wie die ersten zwei dutzend Bände, aber von den neueren auf jeden Fall einer der richtig guten. Nur dass männliche Wildschweine Keiler, nicht Eber heißen, hätte ich anzumerken. So viel Jägerlatein sollte man können. Ansonsten lehne ich mich glücklich zurück: „Die weiße Iris“ – alles erreicht im Leben.

Auch Birgit Schönau scheint das mit den Keilern nicht gewusst zu haben. Dafür kennt sie sich mit dem Tiber in Rom umso besser aus, sodass sie ein ganzes Buch über ihn schrieb. Darin kommt über die Jahrhunderte hinweg alles vor, was man als Fluss so mitmacht:
Zu- und Abwässer, Krieg und Frieden, Essen und Trinken, Leben und Tod. Trotzdem ist es kein reißerisches Buch, im Gegenteil liest es sich langsam. Das liegt einerseits an Schönaus ruhiger Erzählweise, andererseits weil das Thema einlädt, manches zusätzlich genauer nachzuschlagen: Was macht nochmal ein Satyr? Welche Arie aus Tosca? Ich hatte mir „Die Geheimnisse des Tibers“ als Urlaubslektüre ausgesucht und konnte damit prima runterkommen. Was nicht heißt, dass es nicht streckenweise wirklich komisch war, besonders wenn die Geschichte selbst dafür sorgt:
„Tatsächlich galten die Carceri Nuove weithin als Modellgefängnis. Sie bestanden aus vier Stockwerken plus Erdgeschoss und zwei Höfen sowie drei Kapellen. Für Frauen, Geistliche und Juden gab es Sonderzellen, ebenso für Häftlinge mit Hautkrankheiten.“
S. 191.
Da ich als Frau und Geistliche zwei der vier Zielgruppen abdecke (von einer Hautkrankheit wüsste ich nichts), erlaube ich mir diesen Humor. Gleichwohl schicke ich eine Entschuldigung oder zumindest diese Erläuterung direkt hinterher, damit ich nicht missverstanden werde.
Dass wir in Deutschland als Nicht-Juden und Juden sowohl getrennt als auch miteinander auf Juden, die von außen kommen, ziemlich merkwürdig wirken, glaube ich darum sofort. Unsere Normalität ist, dass es keine Normalität gibt, außer den Inseln, die wir errichten, die früher oder später wieder vergehen, sodass wir wieder neue bauen, bis zum nächsten Mal. So würde ich es beschreiben, soweit ich das aus der Perspektive einer Christin beurteilen kann.
Der Begriff „Judenfetisch“, mit dem Deborah Feldmann ihr Buch betitelte, das sie auch selbst als Hörbuch einlas, taugt daher durchaus als Überschrift über das Ganze. Darunter geht es dann auf jüdischen Wegen von Insel zu Insel weiter. Das war recht kurzweilig, weil sich Feldmann verschiedene Leute und Situationen aus den jüdischen Communities vorknöpft, um zu beschreiben und zu deuten, wie sie diese wahrnimmt. Mich erinnerte das an den harten Kern, der am Ende einer Party in der Küche übrig bleibt und die Geschehnisse des Abends analysiert. Bei einem Treffen mit einer Freundin geht sowas ebenfalls prima. Aber möchte ich das, was da besprochen wurde und in dem durchaus eine Menge Wahres stecken mag, am nächsten Tag in der Zeitung oder am übernächsten sogar in einem Buch lesen? Und wenn ja, mit welcher Absicht auf beiden Seiten, der jüdischen Autorin und der christlichen Leserin, ich bleibe bei letzter: Was sollte mir das Anhören dieses Buches bringen über den Boulevard hinaus? Das Gefühl, irgendwie in einem schrägen Theaterstück gelandet zu sein, überkommt mich persönlich immer, wenn ich in irgendwelche „Dialogsituationen“ gerate. Aber was macht man jetzt damit?
Wie Feldmann außerdem über die Probleme schreibt, die Traditionsabriss, Konversion und Spätberufene mit sich bringen können, verletzt mein Schamgefühl, hier traue ich mir als Pfarrerin und praktizierende Christin eine Meinung zu. Das bedeutet nicht, dass Feldmann nicht zu recht an einigen Stellen den Finger in die Wunde legt, aber wieder fehlt mir der Sinn ihrer Darstellung über die Pointen hinaus. Auch beim zweiten Hören konnte ich ihn nicht finden. Chajm hat sich die Details des Buches aus jüdischer Perspektive genauer angesehen, das würde ich noch empfehlen. Ich selbst bin mittlerweile beim Schulterzucken angekommen, irgendwann ist die Party eben auch in der Küche oder beim Zuhören auf dem iPad vorbei. Für einen Klatschroman war es aber doch zu dicht.
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