Die zwei Wochen Urlaub Anfang November waren dringend nötig. Ich vergammelte sie nahezu vollständig im Bett, immerhin las ich ein gutes Buch dabei und fing in der zweiten Woche selbst wieder an zu schreiben.

Eine Ausnahme machte ich für Marie-Agnes Strack-Zimmermann, die zu einem Vortrag nach Bielefeld gekommen war und eine weitere für den #NeoKater, der zur Hundefriseurin musste. Die bürstete fast eine ganze weitere Katze aus ihm heraus, was der #NeoKater zugedröhnt und darum in stoischer Genervtheit über sich ergehen ließ.
Dass ich dank der Wechseljahre noch einmal weniger Alkohol vertrage als vor einem halben Jahr (ich hatte mein Pensum offenbar lange nicht ausgeschöpft), während der Zyklus nach 195 Tagen, also nach genau sechseinhalb Monaten, trotzdem wieder auf 1 sprang, gehörte zu den Possen, die ich außerdem noch mitnahm.

Am vorletzten Urlaubstag, einem Sonntag, besuchte ich Frau K. anlässlich ihres Geburtstages. Zuerst tranken wir bei ihr zu Hause Tee und aßen Kuchen. Dann fuhren wir nach Bochum, parkten traditionell in der immer selben Seitenstraße nahe dem Schauspielhaus, gingen zur Currywurstbude von Dönninghaus und fuhren anschließend zu einer Stippvisite bei Frau von Grün. Am Abend bot mir Frau K. an, mich mit dem Auto nach Hause zu bringen und kehrte nach einem weiteren gemeinsamen Tee wieder ins Ruhrgebiet zurück. Was für ein schöner Tag!
Am Montag folgten schließlich die üblichen Vorbereitungen zum Urlaubsende und am Dienstag ging es wieder los, dem furchtbaren Verlauf des Jahres entsprechend mit allerlei Zwischenstopp- bis Schlusspunktterminen. Wenigstens das.

Den Anfang machte ich mit dem Besuch im Krankenhaus bei dem Professor. Dort erfuhr ich die letzten Untersuchungsergebnisse samt der daraus resultierenden Operationsmethode, inklusive Termin und Modalitäten. Das war gleichzeitig auch der offizielle Startschuss für die dienstliche Übergabe, mit der ich schon vor dem Urlaub langsam angefangen hatte. Insbesondere die Konfirmandenarbeit mit Freizeit und Schlusskurve sowie der Predigtplan fürs erste Quartal waren zu regeln, was gut klappte und mir eine Menge Lob einbrachte.
Als nächstes stand der Ewigkeitssonntag an. Ich hatte selbst Gottesdienst und ließ meinen Bruder darin ebenfalls verlesen, hatte ihn aber in das Namenspäckchen des Lektors gesteckt, mit dem ich mich abwechselte. Es war trotzdem schwer.

Dann musste ich im Dezember noch zum Jahresdienstgespräch beim Sup. Ich fühlte mich in meinen Kompetenzen und Interessen gesehen und bekam wieder viel Lob. Ich erwiderte meinerseits, dass ich mich nach wie vor wohl in der Gemeinde fühle. Auch im K+F läuft es gut, seit der Head und ich im Sommer meinen Arbeitsbereich neu strukturiert haben. Das Gespräch verlief also erfreulich, aufgrund schlechter Erfahrungen stresste es mich aber trotzdem. Ein Kollege, der mich früher jahrelang drangsalierte, ist jetzt gestorben, das gehört gedanklich in diese Reihe.
Schließlich standen noch die Impfungen gegen Grippe und Corona und die Vorbereitungen der Gottesdienste im Advent bis nach dem Jahreswechsel an. Mittlerweile ist alles fertig, seit gestern sind auch die Abkündigungen da, weil die Gemeindesekretärin bis zum Ende der Weihnachtsferien Urlaub hat. In Absprache mit dem Presbyterium brauchte ich für Christvesper und -mette nur eine Predigt zu schreiben, da es bei den jeweiligen Gottesdienstbesuchern kaum Schnittmengen gibt. Lady Glem war so freundlich, meine Ansprache Korrektur zu lesen, was mir eine gute Prise Gelassenheit verschaffte.

Denn die Tage bis Weihnachten sind ohnehin immer recht spannungsreich: Die Vorbereitungen auf die Großgottesdienste, die Beerdigungen um die Feiertage herum, dazu fängt irgendwer immer an zu spinnen. Bisher hielt sich das in diesem Advent in erfreulichen Grenzen. Dafür ist mir die Lunte kurz. Ich habe zwar keine Angst vor der OP, aber mein Spannungslevel ist insgesamt viel höher als sonst, schnell geht mir die Geduld oder einfach nur die Puste aus, was auch an diesem fucking Jahr liegt.
Und immer noch haben wir keinen Frieden. In der Ukraine nicht und in Israel nicht. Letzte Woche bin ich zur Mahnwache an der Synagoge gewesen, in der halben Stunde vor dem G-ttesdienst.
Heute Abend kommt „Der kleine Lord“ im Fernsehen. Dass Stallmeister Wilkens im wirklichen Leben Captain Picard ist, kann man ja nicht oft genug betonen, die Meisten erkennen ihn sonst nicht. Ich gucke den Film jedes Jahr so richtig wie früher im Hauptabendprogramm. Meist kehrt ab da Ruhe ein.
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