Urlaub um, dideldum

Zwei Wochen hatte ich Urlaub, sie sind wie im Flug vergangen. Die ersten drei Tage verbrachte ich damit, runterzukommen.

Neben meinem Sekretär (antik, Kiefer) mein privater Schreibtisch: Mit Kruzifix mit Corpus und Palmzweig, darüber, Macbook, Teetasse und -kanne und brennender Kerze. Außerdem eine Stiftebox von Schalke 04 und ein Foto der Enkelin, auf deren Lächeln ich fürs Foto ein großes rosa Herz geklebt habe, damit man sie nicht erkennt. Vor dem Tisch ein Stuhl, über dem eine graue Sweatshirtjacke mit Bob-Dylan-Rückenaufdruck hängt.

Wenigstens verlängerte ich meinen Bibliotheksausweis und las zwei Aufsätze, auf die ich mich schon länger gefreut hatte.

An meinem ersten offiziellen Urlaubstag hörte ich mir auf Radio 3 beim RBB den Großteil eines Abends mit Duke Ellington an. Zu Beginn den „Auftakt“ von Claus Fischer mit Schallplatten, anschließend den ersten Teil eines Konzertes mit Big Band und Orchester. Nicht nur mag ich den Duke und höre Claus gern beim Moderieren zu, ich musste auch mit meinen Urlaubsplanungen haushalten. Ich hatte mehr auf der Liste, als sinnvoll gewesen wäre, so auch ein Big-Band-Konzert hier vor Ort an meinem ersten Urlaubssamstag. Doch da wollte ich schon längst wieder in die Aktenordner vertieft sein. Dann zu einem Livekonzert dieser Größenordnung zu gehen, wäre mir zu laut gewesen. Durch die beiden Radiosendungen hatte ich eine schöne Alternative gefunden, sodass ich leichteren Herzens auf den Konzertbesuch verzichten konnte. Und je mehr ich mich entspannte, desto unwichtiger wurden auch all die Bücher und Texte, die ich unbedingt meinte durchackern zu müssen. Wenigstens las ich einiges quer; ein Buch stellte ich zum Nachschlagen ins Regal, eine Zeitschrift legte ich in die Aufsatzmappe für später.

Mit den Aktenordnern ging es in der ersten Woche am Donnerstag wieder los. Ich brauchte ein paar Tage, um in den Rhythmus zu kommen. Dann fand der erste Teil mit einem schrägen Finale sein Ende, das ich im Grunde aber so erwartet hatte. Der Zenit einer weiteren Aufgabe ist überschritten. Das machte die Angelegenheit erst einmal träge, weil ich mir selbst hinterherlief. Als ich doch noch einige Herausforderungen fand, legte sich das einigermaßen wieder. Trotzdem bleibt es jetzt noch länger und überwiegend Fleißarbeit, bis ich das nächste Kapitel aufschlagen kann.

Gleichzeitig vergammelte ich fast sämtliche Vormittage, um mich zu erholen. Auch kochte ich nur, wenn ich Lust hatte und ließ mir statt dessen etwas liefern. Das kostet zwar mittlerweile ein Vermögen, andererseits fliege ich dafür auch nicht in der Weltgeschichte herum.

Die Abende verbrachte ich ebenfalls meistens ruhig. Mittwochs ging ich zur Aquagymnastik und am zweiten Montag hatten wir Kreisparteitag. Im Gegensatz zur Situation in Bund und Ländern (ich hoffe, dass wir bald aus der Ampel aussteigen) war dort die Stimmung gut. Wir trafen einige Entscheidungen für die Kommunalwahl im nächsten Jahr. Dann kamen weitere TOPs. Interessant fand ich einen Antrag der Liberalen Schüler, dass wir uns dafür einsetzen sollten, dass Lehrbücher nur noch direkt von den Schulen genehmigt werden. Eine lebendige Diskussion folgte. Der Antrag wurde zwar knapp abgelehnt, aber in jeder Hinsicht genauso ernst genommen wie die Eingaben der Erwachsenen. Ich komme nicht dazu, mich öfter in der FDP zu engagieren, versuche aber zum Kreisparteitag und weiteren Terminen zu gehen, wenn ich es einrichten kann.

Am Freitag wurde ich mit den Aktenordnern für dieses Jahr fertig. Das ist nicht nur deswegen gut, weil es meinem Lebensrhythmus entspricht, auch im Urlaub ein „Wochenende“ zu haben, egal welche Aktivitäten ich mir vornehme. Ich war außerdem letzten Dienstag zu einer Untersuchung im Krankenhaus, wo sich mein körperliches Empfinden der letzten Monate auf den Röntgenbildern widerspiegelte: Die letzte OP hat nicht ausgereicht, um alles an Ort und Stelle zu halten. Am Montag, meinem ersten Arbeitstag, fuhr ich daher zu dem Professor, um die Einzelheiten einer weiteren Operation zu besprechen und den Termin festzulegen. Bis es so weit ist, dauert es zwar noch einige Wochen, aber die vergehen jetzt schnell. Die Reparatur von Pfeil und Bogen habe ich verschoben. Das hat für dieses Jahr keinen Zweck mehr.


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