Oculi

Auf dem gedeckten Tisch im Gemeindehaus vor mir mein Teller mit Bratwurst, Senf, Tzatziki, kleinen Salatportionen und einer Ecke Toast. Dahinter der wieder fürs Foto mitgeschleppte Fastenkalender. Daneben die Gummibärchen, die ich in den orangenen Plastikbecher vom Spaghettieis an Invokavit umgefüllt habe, um sie anbieten zu können.

Auf den Sonntag hatte ich schon die ganze Woche davor hingegiggelt. In der Gemeinde fand da nämlich der Abendgottesdienst mit Lobpreis statt und einem eingeladenen Prediger mit Vornamen Edwin. Ich dachte sofort an Adrian Plass‘ Tagebuch eines frommen Chaoten und nahm Gummibärchen für die Predigt mit.

Tatsächlich ging es so weiter, dass der hiesige Edwin auswendig aus dem Tagebuch zitierte, bis wir Tränen lachten. Die Presbyteriumsvorsitzende erzählte dann noch, dass es eine Hörbuchfassung mit Markus Maria Profitlich gibt. Ich kaufte sie direkt, als ich nach der Kirche wieder zu Hause war. Als Sonntagsspeise aß ich im Gottesdienst fünf Plass’sche Gummibärchen. Anschließend wurde fürs gemeinsame Abendessen angegrillt mit Würstchen, Halloumi, Salaten und ebenfalls wie beim frommen Chaoten: Tzatziki. Am Mittwoch fuhr ich wieder zum Friedensgebet und am Freitag zur Mahnwache vor der Synagoge. Die Wahl unserer künftigen Präses, Dr. Adelheid Ruck-Schröder, gucke ich mir gleich im Livestream an.

Der #DiätKater auf sitzt auf einem creme-rosa Kunststofffell. Hinter ihm ein rosa Fotorollo mit weißer Kirschblüte. Das Ganze sieht genau so kitschig aus, wie es sich anhört.

Den Gelenken geht es langsam besser. Insgesamt stimmt die eingeschlagene Richtung, wenn auch mit heftigen Nebenwirkungen. Im April kommen noch weitere Arzttermine und die Vorsorge, aber beim Hausarzt melde ich mich am Montag schon. Das kann so nicht bleiben. Das Fasten läuft weiterhin gut und auf den ersten Blick fast wie nebenher. Doch wenn man bedenkt, dass die ganze Person und nicht nur ihr Speiseplan gemeint ist, ist es eine sehr intensive Zeit. Auch dienstlich bewegt sich gerade einiges. Mitte der Woche rief ich den Supervisor an.

Für den #DiätKater wurde Oculi seinerseits eine echte Passionswoche: Sein Fell war so weit nachgewachsen, dass er wieder mehrmals täglich in die Wohnung spuckte, weil er mit den ganzen verschluckten Haaren nicht mehr hinterherkam. Darum musste er am Donnerstag zum Bürsten und Scheren bei der Hundefriseurin. Das behagte ihm überhaupt nicht, trotz obligatorischem Abschlussbild vor dem Fotorollo. Wir sind also beide froh, dass die vierte Woche um ist.

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. Lk 9,62

ReminiscereInvocavitEsto mihi


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