Blütenlese

Rückenansicht von Benedikt im Mittelgang der Kirche Il Gesù, wie er die Kuppel fotografiert.

Genau heute vor sechs Jahren stand ich mit Benedikt in Rom in Il Gesù, der Mutterkirche der Jesuiten. In dieser Kirche befindet sich das lapislazuli-goldene Grabmal des Ordensgründers, des Heiligen Ignatius von Loyola, das im Grunde eine Art riesige Spieluhr ist und an seinen Seiten in weißem Marmor den Kampf gegen die Häresie der Reformation und der Lutherübersetzung zeigt. Der Trauerzug von Papst Franziskus, ebenfalls Jesuit, führte heute Mittag an ihr vorbei.

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Franziskus

Wenn der Superintendent sein Jahresdienstgespräch hatte, kam der Präses zum Termin in den Kirchenkreis. Dafür reichte es nicht, dass die Sekretärin wie sonst auch belegte Brötchen oder Teilchen vom Bäcker auf dem vorhandenen Geschirr servierte. Statt dessen wurden zwei belegte Brötchen, eins mit Wurst, eins mit Käse, bei einem Caterer bestellt. Er brachte das Backwerk in Hälften geteilt und mit etwas Salat dekoriert auf einem silbernen Tablett. Eine Stunde später traf der Präses ein, wie üblich mit Chauffeur. Der wartete auf dem Parkplatz hinter der Superintendentur und bekam nicht mal einen Kaffee angeboten.

Ein paar Jahre später wurde Franziskus Papst und scherte sich erstmal gar nichts um den ganzen Firlefanz, der offenkundig auch mit hohen geistlichen Ämtern einhergeht. Er schlief weiter im Gästehaus Santa Marta statt im Apostolischen Palast und traf lieber Geflüchtete und Gefangene als Großkopferte aus Politik und Kirche. Nach einiger Zeit schwappte das Vorbild Franziskus‘ sogar auf die evangelische Kirche über. Landauf, landab wurde bekräftigt, wie sehr man gerade im Protestantismus die Tugenden der Bescheidenheit und Barmherzigkeit pflegte und dem Papst daher nur beipflichten könnte. Für mich klang das eher, als wären da einige völlig unerwartet aus sichrem Schlaf geweckt worden. Ausgerechnet vom Vatikan.

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Karfreitag

Der Altar mit verhüllten Abendmahlsgeräten. Schwarzweiß Foto.

„Was heute wohl los gewesen wäre, wenn 400 Passagiere eines Kreuzfahrtschiffes im Mittelmeer ertrunken wären? Reporter würden aus allen Häfen des Mittelmeers live berichten, wir würden eine Sondersendung nach der anderen sehen, Europa würde Aufklärung fordern und Rechenschaft für die Verantwortlichen. Ertrunken sind bis zu 400 Flüchtlinge. Es war für die meisten von uns ein ganz normaler Tag.“ So schreibt der deutsch-ägyptische Journalist Karim El-Gawhary. Das Mittelmeer ist ein gut bewachtes Massengrab und jeder weiß es. 

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Ein Samstag im April #WmdedgT

Ich habe predigtfreies Wochenende! Das ist auch dringend nötig. Nachdem die Nebenwirkungen weg sind, die mir die letzten zwei Wochen schwer gemacht haben, bin ich ziemlich erholungsbedürftig. Ich erwachte gegen halb sechs aus unruhigem Schlaf, fand das aber nicht schlimm, ich habe ja zwei Tage frei. Ich blieb liegen, bis es kurz vor acht war. Dann stand ich auf, kochte Tee, zog die Rollos hoch und machte die Balkontür auf.

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