
An jedem Fünften im Monat lädt Frau Brüllen unter dem Motto „Was machst du eigentlich den ganzen Tag?“ zum gemeinsamen Tagebuchbloggen ein. Die Links zu den Posts, die dabei herauskommen, sammelt sie in einer Liste. Im September läutete ich in meinem Beitrag ein predigtfreies Wochenende ein, obwohl da die Jubelkonfirmationen stattfanden. Wir hatten im Presbyterium bei der Jahresplanung überlegt, dass es uns lieber wäre, wenn ich dann frei nehme und dafür während meines Urlaubs zum Erntedankfest „einfliege“. Und das war heute.
Eine Viertelstunde vor dem Weckerklingeln um sieben wurde ich wach. Bei Gottesdiensten genügt es als Pfarrerin nicht, pünktlich zu erscheinen. Sondern man muss auch bereits präsent und sortiert sein und für die Abläufe vor dem Start genügend Ruhe haben. Sich den Wecker auf drei Stunden vor Gottesdienst-Beginn zu stellen, ist bei größeren Anlässen wie diesem darum üblich. Bei ganz großen Festen, wie der Konfirmation der Jugendlichen, sind es bei mir sogar vier.
Schon gestern hatte ich den Anrufbeantworter wieder auf Aufnahme geschaltet und meine Mails gecheckt, falls sich in der Zwischenzeit etwas geändert haben sollte. Außerdem beteiligte ich mich mit einer großen Tasche an den Erntegaben, mit denen der Altarraum geschmückt wurde. Ich brachte sie bereits am Samstag hin, um nach zwei Wochen Urlaub wieder in touch zu kommen. Die Küsterin hatte den Termin für die Abgabe in der Gemeinde schon länger bekannt gegeben. Wenn das Erntedankfest vorbei ist, werden die gesammelten Lebensmittel an den Bielefelder Tisch gespendet, die hiesige Tafel.
Heute wollte ich statt der regulären halben Stunde mindestens eine dreiviertel Stunde vorher da sein. Das Erntedankfest ist bei uns ein Familiengottesdienst mit den beiden Kindergärten der Gemeinde, anschließendem Mittagessen und einigen Aktionen, also fast ein kleines Gemeindefest. Das Gleichnis vom Senfkorn (Mt 13,31-32) war dieses Jahr das Motto. Leider erfuhr ich am Samstag, dass nur ein Kindergarten und dessen Familien mit dabei sein würden. In dem anderen ist Corona ausgebrochen. In freiwilliger Quarantäne nahm darum von dort niemand teil.

Nach dem Gottesdienst gab es den in der Gemeinde traditionellen veganen Gemüseeintopf, dazu Brot und Bockwürstchen halal. Daneben standen noch Kohlrabi- und Möhrenschnitze und einige Mitbringsel der Kindergarten-Eltern zum Snacken. Alle sind zum Gottesdienst eingeladen, aber die nicht-gläubigen sowie die muslimischen Familien aus der nunmehr einen KiTa kommen, wenn überhaupt, erst zum Mittagessen. Trotzdem sollten sie sich willkommen fühlen. Und weil wir aus organisatorischen Gründen nicht mehr als einen Wursttopf aufsetzen konnten, gab es halal gleich für alle. Die letzten Jahre saßen wir draußen auf dem Kirchplatz. Doch dafür war es dieses Mal zu kalt, sodass wir in den großen Gemeindesaal gingen. Als ich eintraf, waren schon mehrere Ehrenamtliche zusammen mit der Küsterin in Kirche und Gemeindehaus aktiv. Die Tische gestellt hatten sie bereits gestern.
Abgesehen von der fehlenden KiTa verlief das Fest fröhlich. Im Gottesdienst gab es einige Pannen, die wir aber ausbügeln konnten. Ich hatte extra morgens in die Mails geguckt, doch dass Outlook mich auf dem iPad ausgeloggt hatte, hatte ich nicht gesehen. Die eine Mail, die wirklich wichtig gewesen wäre, fand ich erst am Mittag auf dem Macbook, als ich gegen eins wieder zu Hause war. Ein paar Leute waren für Aufräumarbeiten noch zurückgeblieben, aber das würde nicht mehr lange dauern. Die Gemeinde ist herzlich, doch für westfälische Verhältnisse und als Innenstadtgemeinde mittlerweile recht klein. Sie hat ein gutes Gespür für das, was sie noch stemmen kann.
Sobald ich ausgepackt hatte, setzte ich mich noch einmal an den Schreibtisch. Ich habe nach meinem Urlaub etwas vor, sodass ich erst über Weihnachten wieder in der Gemeinde sein werde. Darum hatte ich im Vorfeld schon die Abläufe für Heiligabend und Silvester geplant und an Posaunen und Orgel gemailt, weil die Zuständigen an Erntedank da sein würden. Sie waren mit meinen Vorschlägen einverstanden. So konnte ich die Mails an das Gemeindebüro schicken, die ich mit allen Abläufen und Liedblättern schon vorbereitet hatte. Danach machte ich mir noch ein paar Notizen für das nächste Fest. Schließlich stellte ich den Anrufbeantworter wieder auf Ansage um und kehrte in den Urlaub zurück.
Der Nachmittag ist schnell erzählt: Ich fuhr eine Stunde ins Schwimmbad, um runterzukommen. Anschließend machte ich es mir gemütlich. Zwischendurch fütterte ich den #DiätKater und aß den Rest Erdbeermüesli aus dem Kühlschrank. Zum Abendessen gab es Maggisalat von gestern, dazu ein Würstchen mit dem Senf, den ich vorhin in der Gemeinde selbst angerührt habe. Später mache ich mir noch ein Weizen auf. Erntedank gehört zu meinen liebsten Festen im Kirchenjahr. Es war ein schöner, ereignisreicher und wuseliger Tag. Die Zeit ist wie im Flug vergangen.
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