Licht der Hoffnung #RememberTogether

Eine selbst gebastelte Laterne mit der Flagge Israels als Motiv. Gehalten von einer Frauenhand mit langen pinken Fingernägeln, der Ringfinger aber in golden. Sie trägt außerdem ein Israel-T-Sgirt unter der Jacke und eine braune Hose. Ich habe den Kopf bewusst nicht fotografiert. Im Hintergrund verschwommen zwei weitere Teilnehmer und die Kante der Straßenbahnhaltestelle gegenüber der Synagoge.

Als sie sieht, dass ich ihre Laterne fotografieren möchte, dreht sie sich zu mir. Sie lächelt, post ein bisschen. Wir kommen kurz ins Gespräch. Auf der zweiten Mahnwache hat sie ihren Freund kennengelernt, einen Israeli. Er kann heute bei der Kundgebung nicht dabei sein, weil er arbeiten muss.

Vor zwei Jahren, am 7. Oktober 2023, griff die Hamas Israel an und tötete in einem Pogrom etwa 1.200 Menschen. Dazu verschleppte sie 251 Personen nach Gaza, von denen immer noch 47 Menschen als Geiseln gehalten werden. Nur 22 von ihnen sollen noch am Leben sein. Wenn man auf die gelbe Schleife oben in der Seitenleiste meines Blogs klickt, kann man sehen, wie lange die israelischen Geiseln bereits in Gaza gefangen gehalten werden. Jede Sekunde wird gezählt, jede Sekunde zählt.

Seit zwei Jahren gehe ich zu den Mahnwachen an der hiesigen Synagoge, die erst wöchentlich, dann monatlich vor dem G-ttesdienst zu Beginn des Schabbats stattfinden. Ich möchte, dass die Gemeinde sieht, dass sie nicht alleine steht. Der lange Arm des Massakers reicht durch Antisemitismus, Häme und Verschwisterung mit den Tätern bis hierher. Heute Abend, am zweiten Jahrestag des Terroranschlags, haben wir uns vor der Synagoge zu einer Kundgebung versammelt. In den Reden wird daran erinnert, dass die Mahnwachen in den ersten Wochen auch dazu dienten, dass die Gemeindeglieder durch die Menge hindurch unerkannt zum G-ttesdienst in die Synagoge gehen konnten. Seit dem Krieg, der auf das Pogrom folgte, verzichtet die jüdische Gemeinde auf ihren Absender, wenn sie ihre Mitglieder anschreibt. Sie wollen die Leute nicht in Gefahr bringen, indem sie sie möglicherweise als Juden erkennbar machen.

Chajm veröffentlichte gestern in seinem Blog einen Essay, in dem er die Ursachen für die heutigen antisemitischen und antizionistischen Narrative beschreibt und deren Konsequenzen schildert. Ich bewundere die Sachlichkeit, mit der Chajm diesen langen Text zu Wege bringt, während ich inwendig aufbegehre. Er sollte das nicht schreiben müssen:

Die Geiseln, die Hamas in den Gaza-Streifen verschleppt hatte – darunter Kinder, Frauen, ältere Menschen –, wurden kaum zum Kristallisationspunkt internationaler Empörung. Während bei anderen Konflikten jede Geiselnahme zu globalem Aufschrei führt, blieben gelbe Schleifen und Solidaritätsaktionen weitgehend aus. Manche progressive Kreise relativierten und entsorgten Plakate, die an die Geiseln erinnerten und erinnern. Die Botschaft war klar: Selbst als unmittelbare, unschuldige Opfer zählten Israelis nicht – oder nicht genug.

Auf schwarzem Untergrund steht dick mit weißer Schrift: 7. Oktober 2023, darunter dünner und kleiner #RememberTogether. Danach kommt mittig eine gelbe Schleife. Ich sah dieses Bild heute im Internet häufig, auch als Anzeige geschaltet.

Kurz nach dem Pogrom versuchte ich herauszufinden, wohin ich für die während des Anschlags vergewaltigten, israelischen Frauen spenden kann. Bei Keren Hayesod fand ich Maslan und beteilige mich seit dem dort:

Maslan ist ein Projekt für Frauen, die am 7. Oktober Opfer sexueller Gewalt durch Hamas-Terroristen geworden sind. Keren Hayesod unterstützt die therapeutische und medizinische Arbeit von Maslan. […] Ein individuell gestalteter Therapieplan und langfristige Betreuung durch speziell geschulte Fallmanagerinnen sowie zahlreiche therapeutische Zusatzangebote stehen im Zentrum dieses Projekts.

Keren Hayesod
Frankfurter Sparkasse
IBAN: DE84 5005 0201 0200 5454 50
BIC: HELADEF1822
Verwendungszweck: Maslan

Die junge Frau ist mit ihrem Freund letztes Jahr nach Tel Aviv geflogen, damit sie seine Eltern kennenlernt. Danach hat er ihr einen Heiratsantrag gemacht. Sie zeigt mir den Verlobungsring an ihrer Laternenhand. „Auch deswegen bin ich heute hier“, sagt sie. „Weil ich hoffe, dass aus all dem irgendwo wieder etwas Gutes wird.“ Ich hoffe mit ihr.


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