
Zurück von der Kurzreise in die Bibliothek und zu Bob Dylan fühlte ich mich heute Morgen ziemlich schlapp. Also ließ ich es langsam angehen. Ich trank Tee im Bett und las schonmal zwei der sieben Aufsätze bzw. Texte, die die Professorin dem Handout für heute beigefügt hatte. Dazu frühstückte ich ein Butterbrot mit Geflügel-Lyoner. Anschließend hängte ich noch die Wäsche auf, die ich für heute Vormittag programmiert hatte. Das half, um in Schwung zu kommen.
Ich absolviere dieses Semester ein Kontaktstudium. Das darf man nach mindestens zehn Jahren Pfarrdienst beantragen (ich komme auf mehr als das Doppelte), um sich theologisch aufzufrischen und wie in meinem Fall, an einem Projekt aus zehn Aktenordnern weiterzuarbeiten. Das mache ich an vier Tagen die Woche, der fünfte, mittwochs, ist mein Vorlesungstag. Den nutze ich, um über den Tellerrand zu schauen und zwar aus einer Perspektive, für die ich im Alltag wenig Gelegenheit habe. Als lutherisch ordinierte Pfarrerin entschied ich mich für „Philipp Melanchthon. Der unterschätze Reformator“, also Kirchengeschichte.
Das war in jeder Hinsicht eine gute Wahl: Die Professorin hat (auch aufgrund ihrer Erfahrungen als Frau in der Wissenschaft) einen besonderen Blick dafür, wo und wie Melanchthon wirkungsgeschichtlich in den Hintergrund gestellt wurde, weil man(n) nicht am Thron Martin Luthers rütteln wollte. Glücklicherweise öffnet sich mittlerweile insgesamt ein historischer Zugang, der Verknüpfungen und unterschiedliche Begabungen und Aspekte herausarbeitet, statt alles auf eine Führungsfigur zuzuspitzen, auch wenn es diese mit Luther gleichwohl gab.
Melanchthon war demgegenüber theologisch feingeschliffener, dazu Wunderkind und Universalgelehrter: Latein, Griechisch (Deutsch sprechen und schreiben fand er doof), Theologie, Philosophie, Pädagogik, Astronomie, Mathematik – mit einem riesigen, bis heute nicht vollständig erschlossenem Gesamtwerk. Mit 12 Jahren ging Melanchthon an die Uni, mit 16 Jahren erhielt er den Magister, mit 21 Jahren die erste Professur als Gräzist. Seine Briefe sind mittlerweile editiert; es sind etwa 10.000 Stück. Die Griechische Grammatik, die er 1518 schrieb, erfuhr 47 Auflagen und war 200 Jahre im Gebrauch. Luther ließ Melanchthon bisweilen vom Schreibtisch in die Kneipe rufen, damit er einmal Pause macht und auf andere Gedanken kommt. Als das nichts nützte, suchte er ihm eine Frau, auf dass die Familie und das Herstellen derselben Melanchthon wenigstens ab und zu ablenkten.

In der Vorlesung heute war der junge Melanchthon dran, bis zum Jahr 1518, bevor er nach Wittenberg wechselte. Da war er 21 Jahre alt und hatte schon ein riesiges Netzwerk, inklusive Johannes Oecolampad und Erasmus von Rotterdam.
Die Professorin referiert anschaulich, verlangt von den Studierenden aber auch einiges, was ich angenehm finde. Da sie sich auf Material für ein Buch bezieht, an dem sie gerade arbeitet, das also noch nicht erschienen ist, muss trotz Handout in der Vorlesung mitgeschrieben werden. Das ist heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Dazu kommen begleitende Aufsätze und Texte, die man sich zusammen mit der Vorlage für den Tag im Moodle herunterladen kann. Die Vorlesung ist hybrid, mit Studierenden der KiHo Wuppertal und der Geschichte aus Köln, von denen nicht alle anreisen können. Ich nehme ebenfalls per Zoom teil. Das Bild von Cranach kam heute direkt zu Anfang dran, als es um den Umgang mit kunstgeschichtlichen Quellen ging.
Nach der Vorlesung aß ich zu Mittag. Den #DiätKater hatte ich schon in der Pause gefüttert. Für mich gab es Filet wie vom Hähnchen (Empfehlung!) aus dem Speisefön und Vollkornnudelsalat mit ordentlich Rohkost darin, den ich gestern Abend bereits angesetzt hatte. Beides war vegan. Anschließend legte ich mich mit einer frischen Kanne Tee aufs Bett. Später sichtete ich dann bei der dritten Kanne Tee die weiteren Texte, die die Professorin für heute hochgeladen hatte. Danach ruhte ich mich wieder aus.
Zwischendurch snackte ich eine Kaki, die ich gestern zusammen mit frischem Brot eingekauft hatte. Auch Nudelsalat und Aufschnitt waren noch ausreichend da, wurden aber mit fortschreitendem Tag weniger. Bevor ich abends zur Aquagymnastik fuhr, veröffentlichte ich schließlich diesen Post über meinen Tageslauf. Den aufzuschreiben lädt Frau Brüllen an jedem Fünften des Monats ein.
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