
Gestern am späten Nachmittag schluckte ich die letzte Tablette des Antibiotikums. Ich hatte es eine Woche lang genommen. Nach einer Erkältung plagten mich eine Kehlkopfentzündung und eine Seitenstrangangina mit schlimmem Husten und Halsweh. Das muss zwar noch weiter ausheilen, aber die Halsschmerzen sind abgeklungen und der Husten sitzt locker. Entsprechend gut habe ich endlich wieder geschlafen, bis ich heute Morgen gegen sieben erwachte. Ich kochte Tee, den ich mir wie üblich ans Bett stellte und riss die Balkontür auf. Bereits gestern hatte ich Müesli in heißem Wasser eingeweicht und einen Sojaghurt mit Heidelbeeren angerührt. Beides musste ich nur noch miteinander vermischen.
Trotzdem frühstückte ich erst im Laufe des Vormittags. Den verbrachte ich zuerst damit, die Hütte klar Schiff zu machen. Spülmaschine und Katzenklo waren gestern schon dran; mein Bett würde ich morgen beziehen, passend zur Badewanne am Samstag, zum letzten Mal mit Thomas Gottschalk im Fernsehen hinterdrein. Zum Saugen und Wischen schickte ich Riff Raff los. Als ich meinen Part fertig hatte, verzog ich mich derweil ins Arbeitszimmer.
Ich las die Losungen und anschließend die Mail eines lieben Kollegen in Rente (83). Ich glaube, es gibt niemanden, der sich mit Liturgie so gut auskennt wie er. Darum hatte ich ihm eine Frage zur liturgischen Farbe rosa im Advent gestellt, die in der katholischen Kirche zu Gaudete am 3. Advent und bei den Evangelischen am 4. Advent dran ist. Er antwortete mir ausführlich und hängte gleich noch einen seiner Aufsätze über die O-Antiphonen an. Ich schrieb zurück und erkundigte mich dabei, ob ich Antwort und Aufsatz an zwei Leute weiterleiten darf, die sich auch für das Thema interessieren.

Ansonsten war am Schreibtisch nicht mehr viel zu tun. Ich hatte das krankheitsbedingt kleine Pensum der Woche bereits gestern Abend erledigt. Ein philosophisches Grundlagenwerk, vom Umfang her eine dicke Schwarte, erwies sich als leichter und schneller zu lesen, als ich erwartet hatte. Als ich deswegen anfangen wollte, den Leseplan für die nächste Woche zu erstellen und gerade den zugehörigen Bücherstapel für diesen Post fotografierte, eskalierte eine Situation im Haus. Die Polizei war da und es gab eine nachbarschaftliche Gesprächsrunde in meinem Wohnzimmer. Wir trafen Absprachen, wobei es meine Aufgabe war, eine bestimmte Mail zu schreiben. Als ich von Polizei bis Mail mit allem fertig war, schlug es halb vier und zweieinhalb Stunden waren um. Zwischendurch hatte ich noch die für Riff Raff hochgestellten Stühle und Hindernisse wieder zurückgestellt und eine weitere Kanne Tee gekocht. An den Leseplan war natürlich nicht mehr zu denken. Ihn zu erstellen hatte ich ohnehin eigentlich erst am Montag Morgen vor. Nachdem ich mich einigermaßen beruhigt hatte, bekam ich schließlich Hunger.
Es gab Schupfnudeln mit Sauerkraut, Rahm und Schinkenwürfeln, dazu einen gemischten Salat. Dadurch dass ich den Großteil des Mittagessens schon vorbereitet hatte, als ich die Küche gemacht habe, war der Rest jetzt schnell erledigt. Außerdem kochte ich mir eine frische Kanne Schwarztee mit Vanillearoma, den ich im Winter manchmal ganz gerne trinke. Mehr habe ich heute nicht auf der Liste. Eigentlich wäre am Spätnachmittag Bogenschießen gewesen, doch ich möchte mich diese Woche noch auskurieren und lieber zu Hause bleiben. Wobei ich mich im Moment ein bisschen wie Falschgeld fühle, weil die Ereignisse von heute Mittag immer noch in mir nachhallen.
Indem ich das schrieb, klopfte ein Nachbar an der Tür und schenkte mir Süßigkeiten, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Dabei sind Frieden und Sicherheit im Haus ja auch in meinem Interesse. Aber es stimmt schon: Mit Mitte 50 und als Biodeutsche habe ich gegenüber der Polizei ein anderes Standing. Richtig ist das nicht. Dafür habe ich jetzt 100 g Mandelsplitter inhaliert. Die ebenfalls überreichten Haribo-Kirschen wandern ungeöffnet in den Schrank. Mal sehen, wie lange. Für heute mache ich jedenfalls Feierabend. Außer dass ich gleich noch diesen Blogpost über meinen Tageslauf veröffentliche, den aufzuschreiben Frau Brüllen an jedem Fünften des Monats einlädt.
Entdecke mehr von Pressepfarrerin
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.