Mit dicker Backe

Mein Krankenbett mit zerwühlter Bettdecke, im Hintergrund das geöffnete Fenster mit Sicherheitsbalkongitter und dem schemenhaften Blick auf den Teutoburger Wald. (Aus meiner Reihe: Geöffnetes Fenster am Morgen.)

Kürzlich sollte ich im Internet aus einer Einsamkeit gerettet werden, die ich gar nicht empfinde. Das gab hinter den Kulissen einen größeren Aufriss, zumindest bis ich meine vermeintliche Rettungsbedürftigkeit verstanden hatte. Außerdem sollte ich einsehen, dass es als unhöflich gilt, darauf hinzuweisen, dass Nazivergleiche in nahezu allen Fällen kompletter Mist sind. Das hat mir ebenfalls nicht eingeleuchtet. Manchmal wundert man sich, wenn es endet, wo es endet.

Das hatte ich auch schon gedacht, als mir vor einem Jahr um diese Zeit eine langjährige analoge Freundin abhanden kam. Aber nachdem sie es bei drei Operationen, davon eine mit drei Monaten Bettruhe, nicht einmal herschaffte, selbst als ich sie darum gebeten hatte und sie mir dann noch die Worte im Mund rumgedrehte, war dort eben auch Schluss. Man kann nicht alles mit Verpeiltheit erklären.

Was das Krankenhaus betrifft, liegen mittlerweile fünf Operationen in fünfeinhalb Jahren hinter mir. Erst an der Brust, dann unabhängig davon vier Mal Koloproktologie; die letzen beiden wie angekündigt Mitte Februar und Mitte März. Seit Freitag bin ich wieder zu Hause, mit einem 7 cm langen, geklebtem Schnitt auf der linken Pobacke. Weil der Professor vor den OPs meinte, dass natürlich „alles kein Problem“ sei, habe ich mich damit zwei Tage nach dem letzten Eingriff selbst mit dem Auto nach Hause gefahren. Wie so eine Anfängerin.

Ein Schrottcontainer mit Metallabfällen eines Krankenhauses. Zuvörderst sichtbar ein Rollstuhl.

Mit der Narkose hatte ich im Februar wieder kein Glück, dafür aber im März und dann waren sie auch noch freundlich, was leider ebenfalls selten ist. Ich weiß nicht, woran es liegt, aber ich habe selten so eine Ansammlung von Sozialkatastrophen wie in der Anästhesie erlebt. Der Professor konnte seinerseits die letzte OP nicht durchführen, weil er seinem Fachgebiet entsprechend flachlag. Statt dessen übernahm der Oberarzt, der sich als Großneffe von Rudolf Bultmann entpuppte. Das hat man ja auch nicht alle Tage.

Die böse Krankenschwester zeigte sich durchgehend von ihrer warmherzigsten Seite. Außerdem hatte ich im Februar und im März wieder zwei sehr nette Bettnachbarinnen. Mit der ersten tauschte ich Tipps im Umgang mit unseren recht ähnlichen Beschwerden aus. Die zweite wurde in der Koloproktologie mit heftiger Lungenentzündung und gluckerndem Sauerstoffanschluss zwischengeparkt. Wir vereinbarten, was gesundheitsbedingte Körpergeräusche betrifft, dass wir damit quitt sind. Außerdem hatte ich letzte Woche meinen Fotoapparat mitgenommen. Dadurch ging der Tag nach der OP schnell herum und Bewegung sowie ein paar schöne Fotos bekam ich auch. Nur die erste Nacht zu Hause war doof. Durch eine Wechselwirkung hatte ich zu hohen Blutdruck und schlief entsprechend schlecht. Den Besuch von Frau K. verschoben wir darum aufs nächste Wochenende, was ihr aufgrund von Spät- und Nachtdiensten ebenfalls besser passt.

Diese Woche bin ich noch krank geschrieben und pflege meine weiterhin recht empfindliche Backe. Duschen durfte ich am Tag nach der letzten OP nach drei Wochen endlich wieder, wenn auch nur kurz. Schwimmen und Bogenschießen warten aber zwei weitere Wochen. Hinters Steuer setze ich mich frühstens am Donnerstag wieder, wenn ich zur Kontrolle zum Hausarzt muss. Bis alles verheilt ist und sich hoffentlich weiter eingespielt hat, wird es etwas länger dauern.


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