
Die letzte Woche zu Hause ist wie im Flug vergangen. Wirklich krank fühlte ich mich nicht, schon genesen aber auch nicht. Das führte zu zwei Kompromissen: So konnte ich meinen üblichen Wochenrhythmus in einer Schmalspurversion beibehalten, auf dass ich nicht völlig unvorbereitet in die nächste Woche starte und auf jeden Fall starten möchte. Gleichzeitig haben der Hausarzt und ich mit Blick auf mein Gesamttableau und meine Schmerzmittelschlechtverträglichkeit überlegt, dass ich mit Hausbesuchen und Beerdigungen erst nach Ostern wieder anfange. Beim Autofahren stecke ich mir so lange ein fluffiges Kissen ins Kreuz, das mir Frau K. einmal vor Jahren geschenkt hat und von dem ich mich nicht trennen kann.
Die letzten beiden Operationen zeitigen die erhofften Möglichkeiten nicht, verbessern mein Leben aber trotzdem deutlich, weil sie sehr viel mehr Ruhe in meine Eingeweide bringen. Ich überlege, das Ganze einmal ausführlicher aufzuschreiben, doch bisher steht mir der Sinn nicht danach. Jetzt geht es erstmal zurück in den Alltag und Stück für Stück zu dem, was sich auf der medizinischen Warteliste sonst noch angesammelt hat.
Zwischen Ostern und Pfingsten werden zwei Frauen aus meinem digitalen Freundes- und Bekanntenkreis als Prädikantinnen eingeführt, also zu Laienpredigerinnen ordiniert, wie man früher sagte. Beide Male bin ich eingeladen mitzufeiern und freue mich schon sehr darauf, auch weil ich dort weitere Leute treffe. Es ist eben nicht nur Internet und nicht nur Alltag und nicht nur Gesundheitskram.

Aufregend, für mich jedenfalls, ist außerdem, dass ich zwischen den beiden OPs mein Girokonto gewechselt habe. Als Kirchenbeamtin, die in Vorleistung gehen muss, hatte ich wie üblich vor dem Krankenhaus wegen der Rechnungen Bescheid sagen wollen. Man kriegt alles erstattet, aber zwischen Ausgaben und Rückzahlung dauert es meist ein paar Wochen. Ich nahm online Kontakt auf, da ich telefonisch nicht durchkam und das nach den problemlosen Absprachen bei den letzten OPs ohnehin für eine Formsache hielt. Doch die Bankerin ließ mich derartig auflaufen, dass ich nach über 20 Jahren Volksbank wirklich bedient war. Als ich schließlich fragte, wie das denn andere in meiner Situation machen, wurde schulterzuckend mit „ich weiß nicht“ geantwortet. Aber für „ich weiß nicht“ bezahle ich erst recht keine Bankgebühren. Mittlerweile bin ich bei einer neuen Bank, mit fünf Finanzierungsvorschlägen für alle Fälle, falls doch ein paar Wochen mehr als erwartet zu überbrücken sein sollten. Außerdem habe ich mich für ein Institut entschieden, das bundesweit und nicht aus lauter Regionaleinheiten wie die Volksbanken besteht, sodass ich einen persönlichen Termin machen kann, ohne dafür durch halb Westfalen reisen zu müssen. Genauer wird es nicht, das Thema ist ja im Internet durchaus umstritten und ich bin gegenüber Ethikbanken skeptisch. Die neue Filiale liegt nur ein paar Meter von einer Ramenbar entfernt und bisher sind alle sehr freundlich. Es ist aber auch noch keine große Rechnung eingetrudelt.
Heute kam Frau K. wie ausgemacht wieder zu Besuch. Aus der Reihe ihrer Leibspeisen hatte ich Tortellini mit Schinken-Sahnesauce gekocht, dazu gab es Gurkensalat. Nach einer kleinen Siesta fuhren wir in den Tierpark auf etwas Bewegung und frische Luft. Hinterher gab es dort für beide einen Tee und für mich ein Eis. Anschließend brachte Frau K. mich wieder nach Hause, kam aber nur noch kurz mit rein. Mittlerweile ging es auf halb sieben und sie musste noch zurück ins Ruhrgebiet. Gerade erhielt ich Nachricht, dass sie gut zu Hause angekommen ist. Dann kann ich jetzt auch zum gemütlichen Teil des Abends übergehen.
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