
Heute Abend beginnt die Karwoche und wie jedes Jahr habe ich vorher den Herrn abgeduscht und eingeölt. Nachdem es letztes Jahr schon gut funktioniert hat, erbat ich mir dieses Jahr wieder einen neuen Palmzweig von einem katholischen Kollegen. Ich muss nämlich am Sonntag selbst in die Bütt, erster Gottesdienst nach der Rückkehr von Kontaktstudium und OPs. Darum kann ich morgen keinen holen, mein Kollege hebt mir einen auf.
Gefastet habe ich dieses Jahr nicht. Wenn man krank ist, ist man dispensiert. Wobei ich die letzten Wochen gleichwohl als geistliche Übung betrachtet habe. Denn jeder Krankenhausaufenthalt ist immer auch eine Erinnerung daran, sterblich zu sein. Damit meine ich noch nicht einmal, dass bei jeder OP und jeder Narkose etwas schiefgehen kann. Es war vor allem die fortschreitende Hinfälligkeit, die mir vor Augen stand. Das Alter ist unumkehrbar, manche Krankheit ebenfalls, so wohl auch meine. Als Frau K. vor mittlerweile 14 Jahren ihre Lehre zur Gesundheits- und Krankenpflegerin anfing, erzählte sie mir irgendwann, dass jedes Gebrechen, das man nicht heilen, sondern nur noch lindern kann, im Grunde palliativ behandelt wird. Das hatten sie in der Krankenpflegeschule gelernt. Daran habe ich in den letzten Wochen oft gedacht. Und so, wie Sterblichkeit mehr ist als allein der Tod, ist es auch mit der Auferstehung: Nicht nur die eine große Herrlichkeit ist gemeint, sondern die Hoffnung und das Licht, die mich bei jedem einzelnen Schritt begleiten.
Es dabei ganz alltäglich langsam angehen zu lassen, war die richtige Entscheidung. Die erste Arbeitswoche fing zwar gemächlich an, aber zwei Beerdigungen, wenn auch erst nach Ostern, kamen trotzdem rein. Eine davon erreichte mich Freitag Abend, um kurz nach halb sechs, als ich gerade dachte, die Woche wäre geschafft. Auch meldeten sich am Anfang gleich mehrere Leute mit unterschiedlichen Anliegen.
Thomas Giegold fragte in einer Mail an die Mitglieder des UberBlogr Webrings, wie wir es mit unseren Hinterlassenschaften im Web halten und schlug eine Diskussion über #digitalesErbe vor. Selbst ging er in einem Blogpost mit guten Beispiel voran.
Bei mir ist es so, dass meine Unterlagen anlässlich der ganzen Operationen gerade alle aktualisiert und mit den Zuständigen besprochen sind. Dazu habe ich die Vorlagen der Malteser für eine Patienten- und Betreuungsverfügung sowie eine Vorsorgevollmacht genutzt. Diese ergänzte ich durch ein handschriftliches Testament und Informationen zu meinen Social-Media-Accounts:
Es gibt bei Apple einen „Zugriffsschlüssel für den Nachlasskontakt“, den ich heruntergeladen und bei dem ich meine Tochter Frau K. ebenso wie bei Facebook als Bevollmächtigte eingetragen habe. Dieser Nachlasscode und die wichtigsten Passwörter liegen (abgesehen vom Original bei mir) aber nicht ihr, sondern einer Freundin, die sich als Systemadministratorin und Userin damit auskennt, als einziger vollständig vor. Besprochen ist, dass sich Frau K. dort nicht nur die Zugangsdaten, sondern auch Unterstützung holen kann. Die Vollmacht zur Entscheidung aber bleibt bei meiner Tochter. Weitere Details, inklusive Kontaktdaten zu der Internet-Freundin, habe ich auf einer Extraseite aufgeschrieben, die meiner Patientenverfügung beiliegt.
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