
Vor einem Monat bin ich als Zuschauerin (und Mitglied) auf dem Bundesparteitag der FDP in Berlin gewesen. Wolfgang Kubicki wurde dort zum Parteivorsitzenden gewählt. Doch bevor es so weit war, ließ sich Marie-Agnes Strack-Zimmermann zur Gegenkandidatin ausrufen. Ab da ging auf dem Parteitag die Post ab. Die Kandidatur von Strack-Zimmermann kam unerwartet, muss aber schon länger geplant gewesen sein, denn die Bewerbungsrede, die sie hielt, war lang und von vorne bis hinten durchkomponiert. Die feine englische Art war das nicht, aber die Parteistatuten geben dieses Vorgehen selbstverständlich her. Außerdem kamen so sämtliche Karten auf den Tisch. Im Saal kochte alles hoch, was sonst unter dem Deckel geblieben wäre. Dafür war es gut und wird, weil es offen ausgesprochen wurde, auch nicht einfach beiseite gewischt werden können.
Daran dachte ich, als ich letztes Wochenende mit zwei verschiedenen Socken zur hiesigen Kreissynode fuhr. Dort wurde der Sup. in seine zweite Amtszeit gewählt – ohne Gegenkandidat:in und abgesehen von einer zaghaften Nachfrage zur Jugendarbeit, ohne Aussprache. Man könnte fast sagen in aller Stille. Nach der Wahl fuhr ich wieder nach Hause. Ich habe ja kein Stimmrecht und hatte unter der Woche zwei Tage mit einer dicken Erkältung im Bett gelegen, deren Ausläufer ich noch in den Knochen spürte.
Ich vermute, dass ich mich auf dem ökumenischen CSD-Gottesdienst am Vorabend des Pride angesteckt habe. Der begann am nächsten Tag kirchlicherseits ebenfalls ein paar Stunden früher am Hauptbahnhof. Dort wurden Besucher:innen im letzten Jahr von einer Gruppe queerphober Evangelikaler in Empfang genommen, worauf eine Vikarin aus der Innenstadt beschloss, dieses Jahr eine Gegenaktion zu starten. Da war ich natürlich mit dabei. Tatsächlich gelang es, die Evangelikalen Richtung Stadt zu verscheuchen und sie schließlich während des Pride mit Bannern zu stören und zu verdecken, wofür wir viele positive Rückmeldungen bekamen.

Die Karten zwischen beruflich und privat mischen sich für mich an mehreren Stellen zunehmend neu. Angefangen damit, dass ich nach wie vor wirklich zufrieden in der Gemeinde bin, in der ich arbeite. Gestern hatten wir ein kleines, wohltemperiertes Gemeindefest, zu dem ich einen Salat mitbrachte. Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich dazu noch einmal freiwillig melden würde. Dienstlich hatte ich angeboten, zusammen mit einem Presbyter, einen Stand mit einem Seiffenring in Fischform anzubieten und natürlich kümmerte ich mich gemeinsam mit vielen anderen um den Gottesdienst, wobei das aber klar war. Auch anderswo machte ich neue Erfahrungen, lernte neue Menschen kennen und führte unerwartete Gespräche an unerwarteten Orten. Jedes Mal habe ich mich darüber gefreut, aber Zeit, den Supervisor anzurufen, wurde es schließlich auch. Zusammen mit dem, was an anderer Stelle schon vor meinem Urlaub schwelte, gab es genug zu besprechen.
Zu der Erkältung, die immer noch nicht richtig verschwunden ist und der Hitze, die ich nicht vertrage, kommt seit Wochen ein großer, roter Fleck, von dem ich dachte, dass er eine Allergie wäre. Heute habe ich das alles zusammen dem Hausarzt gezeigt und bin mit Borreliose, einem Antibiotikum und einem Krankenschein bis Sonntag wieder herausgekommen. Kein Wunder, dass ich mich so schlapp fühle. Den Blogpost hier veröffentliche ich trotzdem. Ich hatte ihn am Wochenende schon so gut wie fertig geschrieben.
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