Der Sex des Chamäleons

Die beiden Exemplare nebeneinander. Links steht es aufrecht, rechts liegt es, am Kopf erhöht. Daneben rechts steht ein kleines Gummi-Chamäleon mit orangenen Füßen und Rändern. So wie die Tischdecke orange ist, auf der ich das Alles platziert habe. Und zwar auf dem Balkon in der Morgensonne mit verschwommenem Blick ins Grüne.

„Das Christentum ist nach wie vor der Chamäleon-Glaube, der es schon immer war, wie alle erfolgreichen Weltreligionen“, lautet das Resümee von Diarmaid MacCulloch am Ende seines Buches. 752 Seiten hat er sich Zeit genommen, um „Niedriger als die Engel. Eine Sexualgeschichte des Christentums“ zu schreiben. Norbert Juraschitz und Thomas Stauder haben das Werk aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt. Es ist aufgeteilt in fünf Kapitel plus farbige Abbildungen und Anhänge.

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Effingers

Blick auf das gewollte Chaos auf meinem Wohnzimmertisch: Ein Strauß rosa Tulpen und Rosen in einer braungeriffelten Glasvase, links daneben eine noch nicht angezündete rosa Stumpenkerte, ein Duftstein und meine Brille. Davor das aufgeklappte Taschenbuch mit Titel und Rüclen nach oben. Rechts daneben eine Postkarte von Wandklex mit roten Rosen, die ich als Lesezeichen benutzt habe. Unter dem Buch guckt man iPad mini hervor, in einer zugeklappten, schwarzen Hülle.

Was für ein großartiges Buch! Vor drei Tagen habe ich es zugeklappt und es hat mich immer noch nicht verlassen: Effingers von Gabriele Tergit. Von 1931 bis 1951 geschrieben und dann von vielen nicht gemocht erfuhr Effingers 2019 bei Schöffling eine Neuauflage, ein Jahr später als Taschenbuch bei btb und sucht man es via Hashtag, findet man es seit 2025 auch im Amerikanischen Englisch. Ich bleibe bei der deutschen Ausgabe. 878 Seiten plus Nachwort von Nicole Henneberg plus Stammbaum. Denn Effingers ist eine Familiensaga, eine jüdische noch dazu.

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Energie und Entsetzen

Über einen Teil der Tischplatte mit den Comics drauf fotografiert. Man sieht an die 22 Stück, also etwa die Hälfte. In der Mitte des Tisches sieht man längs an der Ritze, dass der Tisch aus mehreren Elementen zusammengeschoben ist.

Heute endet im Historischen Museum Bielefeld die Sonderausstellung „BildSprache – Jüdische Kultur und jüdische Geschichte in Graphic Novels“, die dort im Rahmen der hiesigen jüdischen Kulturtage gezeigt wurde. Ich bin direkt zu Anfang hin und war entzückt über diese klitzekleine und doch großartige Ausstellung. Sie bestand nämlich „nur“ aus einer Informationstafel, ein paar Plakaten mit Titelbildern, zwei Sesseln mit Stehlampe zum Lesen – tatsächlich erlaubt – und einem großen Tisch mit gut 40 Comics, will sagen, Graphic Novels. So einfach kann es sein.

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Frauen, Menschen, Politik

Vor mir auf dem Balkontisch: Das Macbook mit den Titelbildern von Alexander und Martenstein. Davor, halb auf der Tastatur, das Printbuch von Lust. Daneben die Maus und eine Tasse Tee mit dem verlorenen Sohn von Rembrandt drauf. Hinten links sieht man ein Stückchen Petroleumlampe.

Einen Film, zwei Hörbücher und einen Comic habe ich diesmal vorzuweisen – alle richtig großartig! Dabei kommt der Film ganz unaufgeregt daher. „Bei uns heißt sie Hanka“ ist eine Dokumentation über sorbisches Leben in Ostdeutschland. Grit Lemke, die in diesem Film Regie führte, ist selbst Sorbin und weibliche Regisseurinnen gibt es auch noch nicht so viele.

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Kopfsachen

Das iPad auf meinem Balkontisch, im Hintergrund ein großer, rosa blühender Strauch. Auf dem iPad die Kacheln der Hörbücher von Merkel, Plass und Rowohlt sowie des eBooks von Martenstein. Auf der Tastatur die drei Dylan-CDs. Zu den Filmen gibt es keine Bilder, aber ich habe unter den Titeln die Trailer verlinkt.

Als Frank McCourt von seiner Erstkommunion wieder daheim war, kotzte er vor lauter Aufregung die Eucharistie in den Hinterhof. Ich dachte Freitag Abend daran, als ich mich, von den Nebenwirkungen des neuen Medikaments geschüttelt, von Harry Rowohlt selig mit einer seiner Bühnenlesungen in den Schlaf labern ließ. Ich hatte die Mahnwache eher verlassen und es gerade den halben Kilometer von der Synagoge bis zu der Bordsteinkante geschafft, an der mein Auto stand. Dass Rowohlt McCourts „Die Asche meiner Mutter“ aus dem Englischen übersetzt hatte, fiel mir kurz vor dem Einschlafen außerdem noch ein. Was einem alles so durch den Kopf gehen kann.

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Die aus’m Osten

Das Hörbuch auf meinem iPad, die DVD-Hülle von Bettina Wegner und das Buch "Abgehauen" auf meinem Wihnzimmertisch zwischen Herbstblumen und brennender Stumpenkerze.

Wenn man einen richtig großen Preis verliehen bekommt, geschieht das in der Regel nicht plötzlich und unerwartet, sondern es wird vorher nachgehorcht, ob man ihn auch annehmen würde. Manfred Krug beschreibt das sowohl im zweiten als auch im neu herausgegebenem dritten Band seiner Tagebücher „Ich beginne wieder von vorn. Tagebücher 2000-2001“; in der Audiovariante wieder bestens vorgelesen von seinem Sohn Daniel Krug.

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