Ein Montag im August #WmdedgT

Als ich erwachte, war es fast 9 Uhr. Das erstaunte mich, denn ich hatte vor Mitternacht Licht ausgemacht und gestern Spätnachmittag ein Schläfchen gehalten. Trotzdem fühlte ich mich bleischwer und hatte wieder Kopfschmerzen, wie die letzten Tage schon. Doch ich rappelte mich auf, begann den Tag, kochte Tee und setzte mich mit einem Käsebrot und einem Mettwürstchen fürs Frühstück an den Schreibtisch. Aber so richtig geheuer war mir das nicht; der Rachen so kratzig, die Füße so kalt und immer noch der Kopf.

Die drei positiven Coronatests.

Also machte ich einen Coronatest und legte ihn irgendwo auf den Schreibtisch, wo ich ihn erstmal vergaß, weil sich eine Bestatterin meldete. Doch als er mir wieder ins Auge fiel, war er mit leichtem Strich positiv. Verdammte Axt. Beim zweiten Test war es sogar noch deutlicher. Das passte zwar zu meinem Krankheitsgefühl, trotzdem waren die Kits schon länger abgelaufen. Darum rief ich in der Apotheke an, hörte, dass sie frische Tests vorrätig hätten, stülpte mir eine Maske über, fuhr hin und brachte von dort gleich Nasenspray mit. Natürlich war auch der dritte Abstrich positiv.

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Der zweite Teil (möbliert)

Ich war noch nicht fertig. Wobei, jetzt bin ich fertig, genau genommen seit Montag Abend. Ich telefonierte noch mit Frau von Grün, um die Ereignisse zu schildern, danach war Schluss. Völlig überdreht und die Wechseljahre machten es nicht besser, statt dessen rappelte das System erst recht.

Die Sitzeckenseite meines Wohnzimmers. Man sieht die neue Couch und den sauberen Pöng nebst Hocker, wo hier und da die Kratzschutzfolie schimmert. Dazu die neuen Wolldecken und auf dem Pöng das Katzennest.

Also versuche ich runterzukommen, erfreue mich an den schönen Zimmern und vergesse tagsüber immer noch, mich während einer Pause einfach mal auf die Couch zu setzen. Ich hatte sie allerdings in den ersten Tagen mit Kratzschutzfolie und mittlerweile mit Alufolie abgedeckt. Langsam komme ich dahinter, dass das nicht nur den #DiätKater, sondern mich gleichermaßen fernhält. Aber ich weiß auch noch nicht, nach welchen Regeln ich es haben will, weil das Sofa so schön neu ist. Vielleicht sollte ich es unter Glas stellen, sodass wir es nur von außen bewundern.

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Keine Blumenpresse, Schrank und Sofa

„Das ist keine Blumenpresse, die wäre viel kleiner, etwa 30 cm x 30 cm“, erläuterte die freundliche Buchbinderin und zeigte die Umrisse mit den Händen. Ich hatte ihr mein Gesangbuch gebracht, das ich noch von meiner Mutter bekommen hatte; schwarzes Leder mit Goldschnitt und aufgeprägtem Namen.

Buchpresse in der Werkstatt.

Mittlerweile hatte sich der Einband abgetrennt; dazu lösten sich die Lesebändchen auf und ein paar Seiten waren verknickt. Also googelte ich nach einer Buchbinderin und brachte es dorthin. Dabei ist mein Gesangbuch nach bald 30 Jahren und obwohl ich es oft mehrfach die Woche in meinen Dienstrucksack pfeffere, abgesehen von den genannten Blessuren gut erhalten. Das liegt an dem Schuber, in den ich es immer stecke. Auch das erklärte mir die Buchbinderin, als sie das völlig zerfledderte Pappding sah und schlug vor, ihn gleich mit zu ersetzen.

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Ein Freitag im Juli #WmdedgT

Ich hatte mir den Wecker in der Nacht eine halbe Stunde später gestellt, denn ich schlief unruhig (Wechseljahre, diesdas), musste aber um 10 Uhr zu einer Sitzung in die Gemeinde. Zwar wurde ich wie fast immer vor dem Klingeln wach, doch die lange Anlaufphase, die ich morgens brauche, fiel deutlich kürzer aus.

Sharepic zum Konzert in dunkel türkis und im Pop Style (keine Ahnung, wie das richtig heißt, eine Mischung aus Comic und Graffiti).
© Philharmoniker

Kaum hatte ich meine Mails gecheckt und ein paar Minuten im Internet gelesen, ging es auch schon weiter, waschen, anziehen, fertig machen. Zwischendurch frühstückte ich ein halbes Brötchen mit Kasseler Aufschnitt und ein paar Schlucke Tee. Dann fuhr ich los.

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Ein Mittwoch im Juni #WmdedgT

Der Morgen begann nach langem Schlaf mit einer Kanne schwarzem Tee, Kytta und Tannolact sowie dem Wechsel vom Bett ins Arbeitszimmer. Verschiedene Sachen waren zu erledigen oder weiterzumachen: Die nächste Mahnwache vor der Synagoge und der ökumenische Queergottesdienst zum CSD mussten auf Instagram und Facebook angekündigt werden.

Foto des Lernschwimmbeckens. Im Vordergrund an einem Ständer, dick wie ein kleiner Laternenpfahl und auch recht hoch, eine Art Mobile aus großen, bunten Trichtern. (Es ist jetzt ausgeschaltet, in Betrieb kippen sich die Trichter reihum Wasser weiter und irgendwann aus.)

Ich las den Predigttext für Sonntag sowie die Verse und das Evangelium drumherum erneut, um ihn weiter im Hinterkopf zu bebrüten (und morgen das Ergebnis dieser Gedankengänge aufzuschreiben). Dazu kamen das übliche Gewurschtel, ein Butterbrot mit Zwiebelsalami und eine unerwartete Mail. Deren Inhalt sorgte dafür, dass ich meine Arbeit unterbrach und kurz wegfuhr, um mir etwas anzusehen. Vorher fütterte ich noch den #DiätKater.

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Die Farben, der Alltag, die Narben

Dass ich das Chamäleon fotografiert habe, ist mittlerweile über einen Monat her. Da war ich zum ersten Mal in diesem Jahr und nach allem, was los war, auf dem Bogenparcours. Anfänglich nur auf dem unteren, kleinen Teil, um langsam in die Gänge zu kommen. Letzte Woche ging ich dann erstmals wieder auf die Anhöhe, aber mein Knie fand, das war noch keine gute Idee.

Kopf und Oberkörper des bunten Gummichamäleons auf dem Parcours. Da wo ich die Ohren vermuten würde, steckt ein Pfeil und lehnt meine Bogenspitze. Man sieht mit Mühe noch zwei weitere Pfeile, eher unter dem Gummitier.

Das Bogenschießen nutze ich nicht nur, um mich zu bewegen, sondern auch um mich zu sortieren. Ein buntes Chamäleon, das in allen Farben gleichzeitig leuchtet, statt sich je nach Umfeld für eine zu entscheiden, spiegelt meine Gemütsverfassung ziemlich genau wider: Unsortiert, unfertig, unklar, auch wenn die Farben eigentlich ganz schön sind. Obwohl äußerlich alles ist wie bisher und es hinter den Kulissen sogar aufwärts geht, habe ich doch ein neues Level freigeschaltet. Außerdem hat mich der Alltag wieder.

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Ein Sonntag im Mai #WmdedgT

Ich habe predigtfreies Wochenende. Das hatte ich mir wegen der Konfirmationen letzten Sonntag schon im Herbst so eingerichtet, als von Wiedereingliederung noch keine Rede war.

Vom Balkon die Fassade hoch fotografiert. Warmes Licht scheint durch große Kassettenfenster. Man sieht, dass die Fassade irgendwie historisch ist, aber viel mehr erkennt man nicht. (Es ist eine Mischung aus Jugendstil und Neobarock.)

Ich schlief also aus und vergammelte den Vormittag. Zwischendurch kochte ich mir eine Kanne Tee. Außerdem waren noch die Beckenbodenübungen dran, für die ich ein Gerät habe, das mir die Arbeit vorerst abnimmt.

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