Weiterlesen „Florilegium“Und denke so: Wohlan, der Feind hat uns durch Gottes Zulassen Gift und tödliche Ansteckung hereingeschickt. So will ich zu Gott bitten, daß er uns gnädig sei und es abwehre. Danach will ich auch räuchern, die Luft reinigen helfen, Arznei geben und nehmen, Orte und Personen meiden, wenn man mich nicht braucht, damit ich mich selbst nicht vernachlässige und dazu durch mich vielleicht viele andere vergiftet und angesteckt werden und ihnen so durch meine Nachlässigkeit eine Ursache des Todes entsteht. Will mich allerdings mein Gott haben, so wird er mich wohl finden; so habe ich doch getan, was er mir zu tun gegeben hat, und bin weder an meinem eigenen noch an anderer Leute Tod schuldig. Wenn aber mein Nächster mich braucht, will ich weder Orte noch Personen meiden, sondern frei zu ihm gehen und helfen, wie oben gesagt ist. Sieh, das ist ein rechter, gottfürchtiger Glaube, der nicht tollkühn oder frech ist und auch Gott nicht versucht.
Martin Luther, Ob man vor dem Sterben fliehen möge (WA 23,338ff)
Monat: Oktober 2020
Was bisher geschah
Auf dem Wohnzimmertisch stehen Blumen,
das habe ich mir kurz nach dem Einzug so angewöhnt. Damals besorgte ich drei Pfingstrosen, weil ich nach dem ganzen Umzugsstress etwas Buntes brauchte. Über Google fand ich zu einer Friedhofsgärtnerei in der Nähe mit einer kleinen, feinen Schnittblumenauswahl. Seit dem gehe ich etwa alle drei Wochen dorthin und suche mir ein, zwei Blumen mit etwas grünem Chichi drumrum für meine Tütenvase aus. Das ist so schön, dass ich nicht weiß, ob ich mir das wieder abgewöhnen kann.
Vor allem jetzt, wo es mit draußen auf dem Balkon sitzen für dieses Jahr wohl vorbei ist. Das ist ja auch so ein Ereignis: Mein erster Balkon. Ich bin ganz zufrieden! Wichtig ist mir nach wie vor, dass ich die Wahl habe. Ums Haus herum sind genügend Wiesen, Bäume und Möglichkeiten, sodass ich mich ganz nach draußen setzen könnte, wenn ich wollte. Trotzdem ist der Balkon super. Das liegt daran, dass ich so ein Schisshase bin. Ich mochte die Terrasse am Pfarrhouse gern, doch wenn es im Spätsommer um 21 Uhr dunkel war, saß ich drin. Auf dem Balkon mit seiner leichten Höhe und dem Geländer davor fühle ich mich sicherer und habe bis weit in den Herbst hinein noch spät abends im Dunkeln draußen gesessen.