Was bisher geschah

Ich hatte mir immer vorgenommen, wenn ich alt werde, gesprächsbereit gegenüber Jüngeren zu bleiben. Als ich jung erwachsen war, war das bei den Älteren häufig nicht so. Wobei es auch großartige Ausnahmen gab, an die ich mich bis heute erinnere. Doch die Meisten empfand ich als engstirnig und kaum zum Austausch bereit. Das würde ich später anders machen, so wie die erinnerten Vorbilder aus früherer Zeit. Ich würde zwar meine eigene Meinung haben, bestimmt auch mal daneben liegen, aber offen und zugwandt bleiben, damit es die jungen Leute ebenfalls sind. Aber was soll ich sagen? They don’t give a fuck, wie das heutzutage heißt.
Immerhin haben sie noch soviel Respekt, dass sie mich (wie in einem Fall) sicherheitshalber nahezu anschreien, wenn sie finden, dass ich falsch liege. Gleichzeitig bin ich ihnen aber schon so egal, dass sie meine Bestürzung darüber nicht mehr mitkriegen, weil sie sich bereits abgewandt haben.
In theoretischen Diskursen, in die ich persönlich gar nicht einbezogen bin, zeigt sich das außerdem: Ich bin jetzt in einem Alter, dessen Abstand zur erwachsenen Jugend so groß ist, dass sie zunehmend wie selbstverständlich davon ausgeht, dass ich von ihren Anliegen keine Ahnung habe. In mehreren Vorträgen und Büchern junger Autorinnen ist mir das aufgefallen.
Ich habe darum im vergangenen Jahr viel nachgedacht, um zu begreifen, was gerade in der Welt und in meinem Kopf geschieht. Seit einigen Wochen zeigt sich das Ergebnis: Soweit es mich betrifft, ist es OK.

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