Alle fünf

Tattoo über der Operationsnarbe: Ein schwarzweißer Dolch. In der Mitte der Klinge ist eine Scheitellinie, die Richtung Spitze nicht ganz eben ist, weil da die Narbe ist. Um den Dolch herumgeschlungen in die Pink Ribbon, die pinke Schleife gegen Brustkrebs.
Tattoo über der Operationsnarbe

Mammographie fünf von fünf liegt hinter mir. Heute Mittag war es so weit. Ich musste los, als Donald Trump seine Rede in der Knesset begann. Den ganzen Morgen hatte ich vor dem Fernseher Richtung Israel geschaut. Auch jetzt sitze ich davor, während ich schreibe. Was Trump genau gesagt hat, suche ich mir später raus.

In der Radiologie wurde es noch einmal spannend. Rechts hatte sich das Gewebe überlappt, eine weitere Aufnahme aus mehreren Perspektiven und in mehreren Schichten musste her. Erst dann herrschte Klarheit: Alles OK. Später guckt trotzdem mindestens eine weitere Mediziner:in die Bilder an. Das Mehraugenprinzip ist bei möglichen Krebsdiagnosen immer üblich.

Formal galt meine Diagnose als gutartig. Zwar wurden erste Krebszellen gefunden (CLIS) und ein Viertel des linken Brustgewebes entfernt, was man der Brust nicht ansieht. In den Drüsenläppchen ploppen diese Krebszellen aber nur in der Hälfte der Fälle auf, um wirklich loszulegen. Trotzdem waren sie da und sind von allen Ärztinnen und Ärzten sehr ernst genommen worden. Ich kann mich daher nicht von dem Gedanken freimachen, dass die Bewertung als gutartig nur dazu dient, die Statistik aufzuhübschen und Geld zu sparen. Eine schnellere Corona-Impfung, als nach der Operation im November 2020 die Pandemie-Jahre folgten, bekam ich damit zum Beispiel nicht.

Zur Mammographie muss ich erst im regulären Turnus in zwei Jahren wieder. Die letzten fünf Mal ging ich jährlich hin. Bereits nach drei Jahren hätte man wieder in den Zweijahresrhythmus wechseln können, da „gutartig“. Doch davon wollte meine Gynäkologin nichts wissen. Beim jährlichen Ultraschall wird es außerdem bleiben.

In dem Zusammenhang ist mir wichtig, dass der eigentliche Krebsherd von etwa 1 cm Größe weder mit bloßem Auge zu erkennen noch irgendwie zu ertasten war. Um ihn zu entdecken, brauchte es die Mammographie. Nach der Operation wurde das entfernte Gewebe in der Pathologie eingefärbt und für die weitere Diagnostik unters Mikroskop gelegt, sonst sähe man dort ebenfalls nichts. Als einer der Ärzte vor fünf Jahren mitkriegte, dass ich blogge, bat er mich daher, den Frauen zu sagen, wie wichtig die Mammographie ab 50 Jahren ist, weil die Früherkennung wirklich ganz früh und darum sehr rechtzeitig sein kann. So wie bei mir.

#Pinktober: Der Oktober ist international dem Kampf gegen Brustkrebs gewidmet.


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