
Ich mag die Tagundnachtgleiche gern. Ich finde sie so biorhythmisch. Einmal bin ich im Frühjahr währenddessen umgezogen und hatte in der neuen Wohnung die Lampen und Rollos noch nicht montiert. Das war super. Ich wurde morgens vom Sonnenaufgang geweckt, arbeitete in der neuen Wohnung, solange es hell war und machte während der Dämmerung Feierabend. Dann saß ich noch eine Zeitlang bei Kerzenschein, fand aber bei dem spärlichen Licht wie von allein ins Bett. Das Auspacken und Hin- und Herschleppen der Umzugskisten hat sicher auch seinen Teil dazu beigetragen.
Insgesamt komme ich abends besser runter, wenn es früher dunkel wird und morgens entspannter in die Gänge, wenn es nicht sofort hell ist. Deswegen konnte ich kürzlich in Bonn mit geöffneten Vorhängen schlafen. Da war die Tagundnachtgleiche gerade drei Tage her. Mittlerweile ist es schon anderthalb Stunden länger dunkel als hell. Das ist nur noch ein kleines bisschen nah dran, aber immerhin. So oder so mag ich es, wenn es im Herbst ruhiger wird.
Was via Tageszeiten gelingt, galt für den Dienst leider nicht. Als ich aus dem Urlaub zurückkam, war gleich Halligalli. Normalerweise kümmere ich mich am ersten Arbeitsmorgen um meine Mails und fahre irgendwann in der Mittagszeit ins Gemeindebüro, um meine Post zu sichten. Diesesmal war es halb fünf nachmittags, als ich mit den Mails durch war. Mittlerweile bin ich seit zwei Wochen wieder zurück. Mit etwas Glück habe ich das Schlimmste hinter mir. Zurzeit sitze ich am Predigtplan und der Jahresplanung für das erste Halbjahr 2027. Das ist deswegen tricky, weil ich mein Gemeindepensum herunterkürzen muss. Erstens habe ich ohnehin zu viel und zweitens soll ich künftig mehr in der Kommunikation machen. Ich hatte meinen Stellenanteil dort nicht ausgeschöpft, sondern in die Gemeinde gesteckt. Bisher klappt die Umschichtung ganz gut, aber einen dummen Spruch habe ich mir gefangen. An anderer Stelle sprach ich kürzlich ein Machtwort. Ich hoffe, dass es hier ohne geht.

Einen Diensttermin in der Stadt nutzte ich, um mir in der Apotheke gegenüber gleich eine Grippe- und Coronaimpfung zu holen. Beim Hausarzt ist das immer mega umständlich, weil ich privat mit Beihilfe meine Impfdosis zuerst auf Rezept bekomme, dann in der Apotheke besorgen und schließlich zum Termin mitbringen muss. Die Gyn wiederum regelt das mit dem Rezept und dem Impfstoff selbst, ich hätte also keine Rennerei. Aber bei ihr gibt es nur gegen Grippe, nicht gegen Corona. In der Apotheke brauchte ich bloß einen Termin. Dann waren noch ein paar Formulare auszufüllen, ich ging (privat mit Beihilfe) in Vorkasse und bekam als Quittung die Rezepte mit nach Hause. Da die Impfungen an unterschiedlichen Stellen abgerechnet werden, musste ich sie getrennt bezahlen. Trotzdem geschah alles in einem Rutsch in einer sehr freundlichen Apotheke, in der neben Deutsch auch durchgehend Türkisch oder Arabisch gesprochen wurde. Mit kurzer Wartezeit davor und etwas Beobachtungszeit danach war nach einer halben Stunde alles erledigt.
Außerdem habe ich endlich die Nachbarin in ihrer neuen Wohnung besucht und die Nachbarkatze wiedergesehen! Nur der Nachbar war leider unterwegs. Es ist über 20 Jahre her, dass ich jemanden, den ich mag, besuchte, der in der selben Stadt wohnt wie ich. Auch Capri Sonne hatte ich seit Ewigkeiten nicht mehr getrunken. Bei der Nachbarin gab’s welche mit Kirschgeschmack. Wenn schon, denn schon, blies ich das Trinkpäckchen anschließend auf und wollte es mit einem Tritt platzen lassen. Aber das klappte nicht. Im Internet, wo ich später mein peinlich berührtes Leid klagte, erfuhr ich, dass das mit dem heutigen Material niemand mehr hinkriegt. Das war früher definitiv besser.
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