
Am Montag hat der DeLorean die Winterreifen bekommen. Von Dienstag auf Mittwoch bin ich, allerdings mit dem Zug, nach Düsseldorf zu Bob Dylan gefahren.
Das Konzert war großartig und anders als in den letzten Jahren: Die Theaterscheinwerfer mit dem goldenen Schimmer sind weg. Statt dessen gab es hellblaue Vorhänge. Das Publikum saß nicht mehr im Dunkeln, sondern für alle war Licht an, wenn auch gedimmt. Die Handys wurden wie üblich am Eingang in spezielle Taschen eingeschlossen. Der Sound ist schlanker geworden, zwei Gitarristen umrahmten die Band und lockerten mit jazzigen Solos den Blues auf. Keine Steel-Gitarre mehr. Die Anordnung war ebenfalls anders: Links Bob Dylan am E-Piano und bei zwei Liedern mit Mundharmonika, das Schlagzeug rechts und Bassist Tony Garnier als mehr oder weniger heimlicher Bandleader in der Mitte. Mit seinem schwarzen Gaucho-Hut sieht er für mich immer aus wie Lee Van Cleef. Bob hatte den ganzen Abend die Kapuze seines Hoodies auf. Das Bellen der letzten Jahre ist einem leisen, zarten Gesang gewichen, der ihm sehr gut steht. Highlight des Abends war „Tangled Up in Blue“, regelrecht sphärisch interpretiert und wie so oft bei Dylan nicht durch die Melodie, sondern durch die Textzeilen zu erkennen. Insgesamt war es ein gelungenes Konzert von gut anderthalb Stunden.
Trotzdem frage ich mich, wie ein 85-Jähriger diese jährlichen Welttourneen noch schafft. Ich war jedenfalls nach anstrengender Anreise mit Zugausfällen und meiner ersten Fahrt im Uber froh, als ich um kurz vor zehn zurück auf dem Zimmer war. Und wo ich schon dabei bin: Die anlässlich der Menopause verschriebenen Hormone sind nicht nur für den Hotelschlaf ein Segen. Die Rückkehr zur Normalzeit ist es auch. Am nächsten Morgen gab es ein feines Frühstück, das ich zusammen mit zwei Damen verbrachte, die ebenfalls zum Konzert angereist waren. Dann fuhr ich wieder nach Hause. Den Rest des Tages hatte ich noch frei. Einziger Wermutstropfen war, dass ich ungeplant, aber nicht unerwartet allein zum Konzert musste. Dass ich die Karte nicht mehr loswurde, war dabei meine kleinste Sorge.

Am Donnerstag und Freitag war nicht mehr viel zu tun. Ich hatte ja im Frühjahr so viele Beerdigungen auf einmal. Wie unser Multimediaredakteur damals schon vermutete, macht sich das jetzt statistisch bezahlt. Meine sonstigen Aufgaben waren auch erledigt und ein neues Fass wollte ich nicht mehr aufmachen. Jetzt habe ich bis Donnerstag vor dem Ewigkeitssonntag Urlaub, fast drei Wochen. Nachdem es bei meiner Rückkehr vor Erntedank sofort richtig Action gab, war ich diesmal schlauer: Die Predigt ist bereits fertig.
Gestern Abend fuhr ich in die Rudolf-Oetker-Halle zum Oratorium „Le Laudi di San Francesco d’Assisi“ von Hermann Suter. Ich kannte das bisher nicht und wurde im Gottesdienst und beim Kirchkaffee letzten Sonntag darauf aufmerksam. Der Lektor singt im Oratorienchor und machte eine Abkündigung in eigener Sache, andere wollten ebenfalls hin. Da habe ich mir auch eine Karte geholt und bin mitgegangen. Das war schon ein bombastisches Werk.
Entdecke mehr von Pressepfarrerin
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.