Blütenlese

Rückenansicht von Benedikt im Mittelgang der Kirche Il Gesù, wie er die Kuppel fotografiert.

Genau heute vor sechs Jahren stand ich mit Benedikt in Rom in Il Gesù, der Mutterkirche der Jesuiten. In dieser Kirche befindet sich das lapislazuli-goldene Grabmal des Ordensgründers, des Heiligen Ignatius von Loyola, das im Grunde eine Art riesige Spieluhr ist und an seinen Seiten in weißem Marmor den Kampf gegen die Häresie der Reformation und der Lutherübersetzung zeigt. Der Trauerzug von Papst Franziskus, ebenfalls Jesuit, führte heute Mittag an ihr vorbei.

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Gesammeltes

Das Bethaus mit einem verdorrtem Bambusstrauch davor.

Die ältere Nachbarin hatte den Bus verpasst. Ich nahm sie mit dem Auto mit, Richtung Dorf. Als wir durch eine Gasse mit einer Fachwerkhaus-Reihe fuhren, zeigte sie auf das Eckhaus und dann nach vorn: „Das war einmal eine Judenkirche und die Treppe dort heißt Judentreppe.“ Ich fragte nach und die Nachbarin erzählte, was sie dazu wusste. Der Begriff Synagoge kam ihr nicht über die Lippen, für so ein schweres Wort war der alte, ostwestfälische Schnabel nicht gewachsen. Aber die Augen blitzten und sie freute sich, dass sie der zugezogenen „Frau Pastor“ (!) etwas Interessantes zeigen konnte, was die noch nicht wusste.

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Gedanken zum Jahresende

Einfach mal wegen diesem Foto fünf Minuten heulen. (c @liberation.fr)

ana_nym (@ananym.bsky.social) 2024-12-20T12:09:17.748Z

Während ich im Krankenhaus lag, hat Frau K. hier eine Nacht wegen des #DiätKaters eingehütet, weil die Katzendame schon im Urlaub war. Da ich über kein Kabelfernsehen mehr verfüge und mein Fernseher fürs Spiegeln zu alt ist, bot ich zum abendlichen Zeitvertreib meine DVDs an oder wahlweise einen Film bei Prime auszuleihen.

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Lauter Lieblingslieder

Uwe Ebbinghaus schreibt in der FAZ anlässlich einer Netflix-Doku über die Nacht, in der „We are the World“ aufgenommen wurde. Wunderbarer Longread, einschließlich der Geschichte, wie Bob Dylan dank Stevie Wonder zu seinen Liedversen kam. Man kann diese Sequenz auf You Tube finden, aber es ist zum Angucken nicht so schön wie das Ständchen, das die gesamte Truppe zum Schluss spontan Harry Belafonte brachte. Wikipedia listet auf, wer alles dabei war, wer was sang und wer im Chor mitmachte.

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Punk-Gebet

„[D]as kirchen- und religionskritische „Punk-Gebet“, das die Frauenband Pussy Riot am 21. Februar 2012 in der Moskauer Erlöserkathedrale verrichtete – ist wiederholt im Licht der jurodstvo-Tradition gedeutet worden. Begünstigt wurde diese Deutung dadurch, dass die Frontfrau der Band, Nadežda Tolokonnikova, den „Punk-Auftritt“ als jurodstvo bezeichnete und ihre Gruppe in die Tradition der jurodivye stellte. In der Tat berichten die historischen und hagiographischen Dokumente oft von Störaktionen, die jurodivye in der Kirche begangen haben, um die Gläubigen aufzurütteln und die Missstände in Kirche und Gesellschaft zu entlarven. Diese Störaktionen ähneln dem „Punk-Gebet“ von Pussy Riot sowohl in phänomenologischer als auch in teleologischer Hinsicht […].“

Christian Münch: Das Jurodstvo im russischen Kulturkontext. Ein deutungsgeschichtlicher Überblick, in: Stefan Reichelt (Hg.), Narren in Christo. Über das Unorthodoxe in der Orthodoxie, Leipzig 2020, S. 47. [Ergebnisse der Fachtagung 2016 des Arbeitskreises „Kirche im Osten“. ]