Politik zum Hinhören

Als Liberale im Internet nehme ich Politik oft wie in der Diaspora wahr: Die digitale Kirche und die Bubbles drumherum sind linksgrün und statt dass wie früher ein breites Meinungsspektrum in meiner über Jahre sorgfältig kuratierten Twitter-Timeline durcheinanderschwirrt, befinde ich mich auf Bluesky in einem nahezu völlig und auf Mastodon absolut linksgrünen Umfeld. Die Liberalen und Konservativen hingegen sind trotz der bekannten Schwierigkeiten überwiegend auf X geblieben.

Titelbild des Hörbuchs von Wolfgang Schäuble mit einem Porträtfoto von ihm.
© der Hörverlag

Die Woche nach der Europawahl las ich darum meistens dort mit. Ich konnte die Larmoyanz auf den anderen beiden Plattformen nicht ertragen. Dass man die Grünen zu den eigentlichen Wahlsiegern erklärte – den Unwissenden fehlte nur die richtige Referenzgröße – fand ich noch putzig. Aber als ein Repost vorbeikam, dass die CDU im Gegensatz zu den Blauroten das viel schlimmere Problem wäre, dachte ich, mein Schwein pfeift. Nun wähle ich die Union nicht, schon seit Ewigkeiten nicht mehr, aber ich käme nicht auf die Idee, sie aus dem demokratischen Spektrum herauszusortieren. Im Gegenteil bin ich froh, dass sie noch einigermaßen Zugang zu Leuten findet, die für andere Parteien längst verloren sind.

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Ein Mittwoch im Juni #WmdedgT

Der Morgen begann nach langem Schlaf mit einer Kanne schwarzem Tee, Kytta und Tannolact sowie dem Wechsel vom Bett ins Arbeitszimmer. Verschiedene Sachen waren zu erledigen oder weiterzumachen: Die nächste Mahnwache vor der Synagoge und der ökumenische Queergottesdienst zum CSD mussten auf Instagram und Facebook angekündigt werden.

Foto des Lernschwimmbeckens. Im Vordergrund an einem Ständer, dick wie ein kleiner Laternenpfahl und auch recht hoch, eine Art Mobile aus großen, bunten Trichtern. (Es ist jetzt ausgeschaltet, in Betrieb kippen sich die Trichter reihum Wasser weiter und irgendwann aus.)

Ich las den Predigttext für Sonntag sowie die Verse und das Evangelium drumherum erneut, um ihn weiter im Hinterkopf zu bebrüten (und morgen das Ergebnis dieser Gedankengänge aufzuschreiben). Dazu kamen das übliche Gewurschtel, ein Butterbrot mit Zwiebelsalami und eine unerwartete Mail. Deren Inhalt sorgte dafür, dass ich meine Arbeit unterbrach und kurz wegfuhr, um mir etwas anzusehen. Vorher fütterte ich noch den #DiätKater.

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Die Farben, der Alltag, die Narben

Dass ich das Chamäleon fotografiert habe, ist mittlerweile über einen Monat her. Da war ich zum ersten Mal in diesem Jahr und nach allem, was los war, auf dem Bogenparcours. Anfänglich nur auf dem unteren, kleinen Teil, um langsam in die Gänge zu kommen. Letzte Woche ging ich dann erstmals wieder auf die Anhöhe, aber mein Knie fand, das war noch keine gute Idee.

Kopf und Oberkörper des bunten Gummichamäleons auf dem Parcours. Da wo ich die Ohren vermuten würde, steckt ein Pfeil und lehnt meine Bogenspitze. Man sieht mit Mühe noch zwei weitere Pfeile, eher unter dem Gummitier.

Das Bogenschießen nutze ich nicht nur, um mich zu bewegen, sondern auch um mich zu sortieren. Ein buntes Chamäleon, das in allen Farben gleichzeitig leuchtet, statt sich je nach Umfeld für eine zu entscheiden, spiegelt meine Gemütsverfassung ziemlich genau wider: Unsortiert, unfertig, unklar, auch wenn die Farben eigentlich ganz schön sind. Obwohl äußerlich alles ist wie bisher und es hinter den Kulissen sogar aufwärts geht, habe ich doch ein neues Level freigeschaltet. Außerdem hat mich der Alltag wieder.

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