Sommernachtstraum

Als Pfarrerin lebt man gelegentlich etwas zeitversetzt, Chormitglieder kennen das: Im Januar werden die Passions- und Ostergottesdienste geplant, im Sommer fängt man an, das Weihnachtsoratorium zu üben usw.
Folglich dachte ich mir nichts dabei, als ich irgendwann im August das Loriotsche Adventsgedicht bei YouTube fand, zig Mal anhörte (ja, ich mag es wirklich sehr) und beschloss, damit meine Adventsposts zu eröffnen.
Bis zwei Wochen vor D-Day das Unfassliche geschah: Einbettungsfunktion deaktiviert, Alternativen nicht aufzutreiben. Doch jetzt ist alles wieder gut:

Danke, lieber Herr Ballmann!

Wunschzettel

… der Frau Pfarrerin. In beliebiger Reihenfolge:

  1. Die Sommerzeit wird abgeschafft
  2. Jörg Schönenborn macht „Gender“ zur festen Kategorie seiner Wahlanalysen
  3. Ein „Tischlein, deck dich“ für Morgenmuffel (das Ei bitte 5 Min.)
  4. Allen KollegInnen, die … [zutreffendes nach Bedarf ergänzen], wächst ein Hörnchen auf der Stirn
  5. Nur mir nicht
  6. Mehr Gebet, es kann nicht schaden
  7. Die talarfarbene Pfarrkatze spart sich die Nachtkonzerte und kümmert sich statt dessen um die Wäsche
  8. CPM ohne Kalorien
  9. Der Buß- und Bettag wird wieder arbeitsfreier Feiertag
  10. Ich vergesse nicht, dass ich mich in diesem Fall freiwillig melden wollte, um einen Gottesdienst zu halten.

Und Sie so?

Bild: Unbekannt (1912)

Fritz the Genesis

Robert Crumb hat die Genesis gezeichnet. Robert… wer? Genesis… hä?
Also noch einmal: Der Erfinder von „Fritz the Cat“ hat das erste Buch der Bibel gezeichnet:
Bild für Bild, Vers für Vers.

Herausgekommen ist ein Comic der monumentalen Art, zumal sich Crumb die alten TV-Epen zum Vorbild nimmt: Gott, (natürlich) Vater, sieht aus wie eine Kreuzung von Mose und Neptun. Die Frauen haben noch richtige Waden und dass die Schöpfungsgeschichte näher an der Steinzeit als am 21. Jahrhundert liegt, ist ebenfalls gut getroffen.

Auch beim Text setzt Crumb auf die alte Schule: Das Original zitiert King James („now art thou cursed“), die deutsche Übersetzung übernimmt der vorrevidierte Luther („sintemal“) – von Crumb so aufgezeichnet, wie er es verstanden hat.

Weiterlesen „Fritz the Genesis“

Menschwerdung

Da geht man das ganze Jahr
mit etwas schwanger
und dann wird es ernst.
Altes bleibt zurück,
Neues wird geboren.

Das zu erwarten, heißt Advent.
Das geschehen zu lassen, heißt Weihnachten,
Fest der Menschwerdung:

Gott wird Mensch.
Er ruft uns,
ebenfalls Menschen zu werden:
Zulassen und lassen.

Weihnachten und Ostern,
der selbe Rhythmus.

Sei stille dem Herrn und warte auf ihn.

(Ps 37,7)