Laetare

Der Auflauf in der Aluschale auf einem Holzbrett. Darunter eine altrosa Stoffserviette, daneben eine brennende rosa Stumpemkerze. Links dahinter eine Topfpetersilie und rechts der Fastenkalender, ein Motiv mit Meereswellen und zartem Rosa (Morgenrot).

Halbzeit und dieses Jahr auch Beginn der Sommerzeit, dafür stand der Sonntag Laetare. Früher trug er die liturgische Farbe Rosa, weil ab dem Bergfest in das Violett der Passion das erste Licht der Auferstehung scheint. Ich bin ganz gut in die Sommerzeit hineingekommen. Das lag daran, dass die Müdigkeit und der tiefe Schlaf, mit denen das Fasten sonst bei mir beginnt, mich erst jetzt ereilten. Möge beides möglichst lange anhalten, bevor der falsche Rhythmus die Nächte doch wieder versaut. Dabei sollte die Scheiß Zeitumstellung schon seit vier Jahren abgeschafft sein.

Aufgrund der Nebenwirkungen reduzierte der Hausarzt die Dosis des neuen Medikamentes um die Hälfte. Der Preis bleibt trotzdem derselbe. Noch weiß ich nicht, ob Krankenkasse und Beihilfe die Behandlung übernehmen, könnte sie mir aber leisten. Gesundheit sollte kein Luxus sein. Das habe ich in den letzten anderthalb Jahren aus komfortabler Perspektive oft gedacht. Eine neue Klobrille, weil ich die bisherige mit Sitzbädern und medizinischem Huckeduck regelrecht durchgenudelt habe, bekam ich heute außerdem. Man kann den Deckel jetzt abnehmen und den Toilettensitz von oben festziehen, wenn er locker geworden ist. Das hätte ich letztes Jahr um diese Zeit sehr gut gebrauchen können. Wobei ich bis eben gar nicht wusste, dass es so etwas gibt. Selbstständigkeit von alten und kranken Menschen, wenn es keiner sieht oder sehen soll. It’s a thing.

Als echten Luxus empfinde ich hingegen den neuen Fernseher, der am Mittwoch geliefert wurde. Den vorherigen stellte ich wie üblich an den Weg neben dem Haus, wo er ruckzuck mitgenommen wurde. Zehn Jahre stand er bei mir im Wohnzimmer, nachdem der #NeoKater meinen Röhrenfernseher runtergeschmissen hatte. Man konnte ihn nicht mehr aufrüsten. Kabelfernsehen buche ich aber trotzdem nicht dazu, es lohnt sich einfach nicht.

Der eingeschaltete neue Fernseher auf der dafür vorgesehenen Kommode. Davor steht der alte Fernseher, etwas kleiner und fertig zum Abtransport: Die Fernbedienungen in einem Gefrierbeutel mit Krepp oben an der Ecke festgeklebt, ebenso das Stromkabel. Außerdem habe ich ein Blatt ausgedruckt und drangeklebt mit folgendem Text: "Zu verschenken! Funktioniert tadellos, kann aber außer YouTube, Prime, Netflix und ein paar Radiosendern kein Internet."

Als Sonntagsspeise suchte ich mir einen Nudelauflauf mit Hähnchendöner, Zwiebeln und Champignons aus, der den schönen Namen „Pasta Big Daddy Hassan“ trug. Ich aß den ganzen Tag daran. Er schmeckte großartig und blieb problemlos drin.

Allgemein werden gerade fünf Jahre Corona diskutiert. Ich möchte mich nicht versündigen, doch für mich hat diese Zeit trotz einiger Hänger mehr Vor- als Nachteile gebracht. Ich konnte in Ruhe in der hiesigen Stadt von vorne anfangen und endlich einmal herausfinden, wie introvertiert ich wirklich bin. Paradoxerweise gehe ich seit dem viel lieber raus, weil ich jetzt weiß, was mein persönliches Quantum ist und was zuviel. Auch bin ich seit den Hygienemaßnahmen nicht mehr erkältet gewesen. Damit hatte ich jedes Jahr schlimme Last, auf Viren folgten Bakterien und umgekehrt. Das ständige Desinfizieren der Hände, je nach Situation eine Maske und das Anmotzen von Leuten, die versuchen, mir verrotzt auf die Pelle zu rücken, behalte ich darum weiterhin bei.

Diese Woche fing die Aquagymnastik wieder an; zwischen den Kursen und während der Schulferien ist immer Pause. Zum Friedensgebet in der Gemeinde gehe ich bis Ostern weiter. Das hat sich in dieser Fastenzeit so ergeben und bereichert mir sehr. Normalerweise nehme ich dort nur teil, wenn Presbyteriumssitzung ist, sonst ist mir das mit dem Hallenbad hinterher zu knapp. Aber diesen Mittwoch bin ich wieder hin. Nächstes Mal ist ohnehin Sitzung, danach sind bereits Osterferien. Und morgen ist auch schon die fünfte Woche um.

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. Joh 12,24

Oculi ReminiscereInvocavitEsto mihi


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