Laetare

Der Auflauf in der Aluschale auf einem Holzbrett. Darunter eine altrosa Stoffserviette, daneben eine brennende rosa Stumpemkerze. Links dahinter eine Topfpetersilie und rechts der Fastenkalender, ein Motiv mit Meereswellen und zartem Rosa (Morgenrot).

Halbzeit und dieses Jahr auch Beginn der Sommerzeit, dafür stand der Sonntag Laetare. Früher trug er die liturgische Farbe Rosa, weil ab dem Bergfest in das Violett der Passion das erste Licht der Auferstehung scheint. Ich bin ganz gut in die Sommerzeit hineingekommen. Das lag daran, dass die Müdigkeit und der tiefe Schlaf, mit denen das Fasten sonst bei mir beginnt, mich erst jetzt ereilten. Möge beides möglichst lange anhalten, bevor der falsche Rhythmus die Nächte doch wieder versaut. Dabei sollte die Scheiß Zeitumstellung schon seit vier Jahren abgeschafft sein.

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Reminiscere

Vor mir auf dem Tisch ein ovaler Teller mit Emblem: Hofbräu am Alten Rathaus Bielefeld. Darauf zwei Scheiben Schweinebraten, drei Stück geröstete, krosse Schwarte, zwei Knödel auf Sauerkraut. Dahinter auf dem Tisch der Fastenkalender, am Sonntag Reminiscere aufgeschlagen und fürs Foto mitgeschleppt; ein Schälchen Krautsalat aus gehobeltem Kraut; ein Glas Assamtee; ein Bierhumpen mit Servietten und Besteck. Im Hintergrund der Blick ins Lokal: Leute an Tischen.

Der Sonntag begann mit Gottesdienst und Kirchkaffee, wo ich zwei Gläser Milch trank und den Kuchen wegließ. Danach brachte ich meine Sachen nach Hause und fuhr in die Stadt zum Hofbräuhaus im Ratskeller, um die Sonntagsspeise einzunehmen. Es gab Krustenbraten mit zweifach Kraut, dazu ein Glas Assamtee. Das bestelle ich dort auch ohne Fastenzeit nach der Kirche öfter. Allerdings ist die Portion Krautsalat seit Jahresanfang kleiner, um Geld zu sparen, wie die Bedienung zugab. Speckwürfel sind auch keine mehr drauf, weil das dem Ostwestfalen nicht schmeckt. Schade.

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Invocavit

Das Spaghettieis mit den runden Waffeln zum Abdecken oben drauf auf meinem Wohnzimmertisch, mit einem Teelöffel, einem Buch, dem Fastenkalender und einer Vase mit Tulpen drumherum. Im Hintergrund mein Sekretär und das Kruzifix an der Wand.

Der erste Passionssonntag begann als predigtfreier Wochenanfang, begleitet von der Frage: Was soll ich essen? Weil jeder Sonntag ein kleines Osterfest ist, ist da nämlich Fastenpause. Zwar bleibe ich beim Verzicht, gestehe mir aber eine maßvolle Ausnahme zu, solange sie nicht Alkohol oder Pommes enthält. Passend zum Sonnenschein, während ich gleichzeitig zu faul war, irgendwo einzukehren, entschied ich mich für ein Spaghettieis mit Sahne als erstem Eis des Jahres aus der Eisdiele.

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