Schinken und mehr

essen

Ich bin ein paar Tage in den Hegau gefahren. Frau K. samt eigener Familie wohnt dort zurzeit im Umfeld ihres Vaters. So konnte ich sie besuchen und bin als gute Schwiegermutter im Hotel abgestiegen, um den jungen Leuten und mir selbst nicht auf die Nerven zu fallen. Dass ich gern in Baden-Württemberg urlaube, passte dazu gut.

Das Hotel war ein riesengroßer Landgasthof, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1500 reichten. Heute ist es Unterkunft für Einzelgäste bis Großgruppen, für Feiern, Fortbildungen und Events, inklusive Streichelzoo, Kutschfahrten und Kinderspielangeboten.

Obwohl das unheimlich komplex wirkt, sind Gasthaus und Zimmer absolut urig: Vollgestopft mit allem möglichen Plunder, hängen alte Holzschlitten und Kessel von der Decke, stehen kleine Kutschen und Madonnenfiguren überall, wo Platz ist und wo keiner. Die hohe Kunst der absichtlichen Absichtslosigkeit. Zehn Jahre früher und ich hätte mich durch dieses gutbürgerliche Ambiente sehr beengt gefühlt (die Herkunft, die Ansprüche, der alte Zopf), doch darüber scheine ich einigermaßen hinaus zu sein, zumindest dieses Mal.

Jedenfalls hat’s mir gefallen, ich habe bestens geschlafen und gegessen. Es gab genau das, was man in einem Landgasthof erwartet, wegen des Herbstes mit Schwerpunkt auf Wildbret (aus den eigenen Gehegen) und trotz selbstgemachter Spätzle auch mit Pommes, also nichts mit Erbse hochkant, zum Glück. Und man kann sich tatsächlich in einen Schinken verlieben, auch das habe ich herausgefunden:

Ein Schwarzwälder Schinken im Ganzen, mit Rückenspeck, eingespannt auf einem Schinkenbrett; man konnte sich jeden Morgen beim Frühstück selbst abschneiden, so viel man wollte. Hirschschnitzel in Form rosé gebratener Medaillons in Specksauce mit Kirschen. Wurstsalat Straßburger Art, nämlich mit Wurst und Käse, wie auf der Karte erklärt wurde.

Penne mit Käsesahnesauce und Spinat. Das gehört bei Familie K. zum Familienessen, wobei sie mir zuliebe den Lachs weggelassen haben (igitt). Ich finde das ja grundsätzlich spannend, welche Gerichte sich bei jemandem zum Familienessen entwickeln: Geht schnell, passt immer, ordentlich gekocht, wären meine Kriterien dafür. Ich deckte den Tisch und bereitete den Gurken-Tomaten-Salat zu. Dass ich keinen Fisch mag, bedaure ich übrigens sehr, im Hotel hätte ich Forelle fangfrisch haben können.
Beim Einkaufen mit Frau K. nahm ich aus einem Hofladen Eierlikör für mich und Quittengelee für das Pfarrhousekeeping mit (beides selbstgemacht).

Die nächste warme Mahlzeit im Hotel war Ente in Orangensauce mit Cointreau; abends trank ich zwei Weizen von der Brauerei Hirsch, vorher nie gehört, lecker.

Auf der Rückfahrt im Zug bestellte ich mir Maultaschen, weil das passte und ich die schon immer mal probiert haben wollte. Wieder zu Hause gab es Tee und einen schnell zusammengebauten Wurstsalat, die haben mich im Hotel auf ein paar Ideen gebracht.