Kurz vor Feierabend

Gelobt sei Gott, 
der Vater unseres Herrn Jesus Christus, 
der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat 
zu einer lebendigen Hoffnung 
durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.

1. Petr 1,3

Die Feiertage sind rum, die Ferien auch. Zwar geht Ostern nach dem Kirchenkalender bis Pfingsten, doch der Alltag hat uns trotzdem wieder. Die Ostereier sind fast alle aufgegessen und so mancher Schokoladen-Osterhase verschwindet heimlich hinten im Schrank, wo ihn jemand beim Kuchenbacken vielleicht in den nächsten Wochen wiederfindet. 

Steckerlfisch

Auch für die Jünger sind die Feiertage um, die Arbeit ruft. Petrus, Thomas, Nathanael; Jakobus und Johannes Zebedäus sowie zwei weitere Jünger gehen fischen, denn damit verdienen sie ihren Lebensunterhalt (Joh 21,1-14). 

Ich stelle mir ihre Stimmung ziemlich mau vor. In Israel sind um diese Jahreszeit die Tage ebenfalls kühl und die Nächte frisch. Gefischt wurde nachts bis zum Morgengrauen, aber sie haben nichts gefangen und wo Jesus geblieben ist, weiß man auch nicht. 

Also zurück an Land, um Feierabend zu machen. Doch da steht plötzlich einer und schickt sie nochmal raus. Und es klappt! Jetzt sind die Netze zum Bersten voll. Den Jüngern geht ein Licht auf: Der Mann am Ufer ist Jesus. Dem zarten Johannes genügt, das einfach zu auszusprechen. Petrus, schon immer etwas temperamentvoller, springt vor Freude aus dem Boot in den See. 

Wir dümpeln in unserem Alltag dahin und Jesus steht am Ufer und sieht uns zu. Manchmal erkennen wir ihn, wenn er zu uns spricht. Meistens ändert sich dann irgendetwas. Leere Netze werden voll, neue Hoffnung wird spürbar und die Laune bessert sich. So ist es zumindest bei den Jüngern gewesen. Für uns gilt das, glaube ich, ebenfalls.

Die Jünger gehen nun ein zweites Mal an Land, dieses Mal mit vollen Netzen. 153 Fische, der Evangelist Johannes hat mitgezählt. Jesus schlägt vor, gleich am Ufer ein Feuer anzuzünden und gemeinsam zu essen. Keiner der Männer wagt, etwas dazu zu sagen, selbst der bärbeißige Petrus nicht. Sie wissen nun sicher, dass es Jesus ist. Erkennen, wie er mit dem Essen hantiert und das mit den Tischgebeten macht. Die Jünger überkommt eine Art heilige Scheu; uns soll die Situation an das Heilige Abendmahl erinnern. Gesegnetes Essen am Rande des Alltags, Jesus mitten unter uns.

Bronzener Türklinkenfisch

Für die Jünger ist es das dritte Mal, dass ihnen der auferstandene Jesus erschienen ist. Wir können Jesus manchmal spüren, aber leibhaftig gesehen haben wir ihn noch nicht. Doch wir können uns an dieser Geschichte orientieren:

So ist es gut, zum Alltag zurückzukehren und zu arbeiten. Jesus macht den Jüngern keinen Vorwurf. Aber dazu gehört trotzdem, die Hoffnung nicht aufzugeben und offen dafür zu bleiben, dass etwas geschehen könnte, das wir in unserem Trott nicht erwartet hätten.

Dann wird es Zeit innezuhalten. Das geschieht bei jedem auf andere Weise. Mancher ist eher zurückhaltend, wie der Jünger Johannes, den Jesus liebhatte. Eine Andere macht ihrem Herzen lauthals Luft, wie Petrus es vermutlich getan hätte. Und dann raus aus dem Getümmel, zurück an den Rand.

Miteinander beten und essen. Gemeinsam, nicht allein, wie bei der Arbeit auch. Dann rückt Jesus einem wie von selbst wieder näher. Doch wenn das Mahl genossen und das Feuer heruntergebrannt ist, entfernt er sich auch wieder. Den Jüngern ist er so bereits drei Mal erschienen, war da und dann wieder weg, zumindest haben sie das so empfunden. Und wir kennen das auch.

Nicht mit eigenen Augen haben wir deinen Sohn gesehen,
Gott, und unsere Hände haben ihn nicht berührt. 
Doch sein Wort und sein Mahl hast du uns
als Unterpfand seiner Gegenwart gegeben. 
So stärke uns das Vertrauen,
dass du ihn auferweckt hast in dein Leben. 
Sende uns Geist von seinem Geist, 
damit wir Christus folgen auf dem Weg
ins Leben für immer und ewig. Amen.

Die Fürsorge Gottes sei um uns. 
Die Güte Christi bestimme unseren Alltag. 
Der Heilige Geist führe uns auf dem rechten Weg. Amen.

Meditation für die hiesige Offene Kirche zum Mitnehmen.
Die Bilder fotografierte BP: Oben Steckerlfische und unten die Türklinke der St.-Ulrich-Kirche in München-Laim.
Gebet und Segen von hier.