Gebote im Herzen und Verantwortung im Kopf

Am Sonntag wurde ich in einem Festgottesdienst
in eine neue Gemeinde eingeführt
und das war meine Predigt.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

heute ist der Festtag der Confessio Augustana, des Augsburger Bekenntnisses, und dass ich ausgerechnet da eingeführt werde (und dann auch noch im Lutherjahr), erfüllt mich mit großer Freude, weil ich nämlich selbst Lutheranerin bin. In unserer Kirche geht das ja, es gibt Reformierte mit dem Heidelberger Katechismus, Unierte, die beides zu verbinden suchen, und eben Lutheraner.

Die haben sich 1530 diese Bekenntnisschrift gegeben, die heute im Übrigen für alle Evangelischen in Westfalen gilt. Melanchthon hat sie zusammen mit einigen Leuten für den Reichstag in Augsburg geschrieben, wo man unter der Aufsicht Kaiser Karls V. das evangelische Glaubensgut verteidigen und sich mit der katholischen Kirche aussöhnen wollte. Um „die Meinung eines jeden in Liebe und Güte zu hören, zu verstehen und zu erwägen“, so wurde es ganz diplomatisch für den Reichstag ausgeschrieben und von dort erhielt das Augsburger Bekenntnis seinen Namen.

Was ist nun die Aufgabe einer Bekenntnisschrift?

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Hitzefrei

Mitte Juli waren Frau Juna und ich beim House of One zu einem Symposium eingeladen. Vertreter*innen aus Judentum, Christentum und Islam diskutierten dort über Social Media.
Da war ein Imam, der uns die Achtsekunden-Predigten seines amerikanischen Kollegen zeigte, mit denen dieser die Jugend auf Snapchat erreicht. Und der uns erzählte, wie Muslime Bilder von Mekka im Social Web posten. Mekka, das nur von Muslimen besucht werden darf, öffnet sich so der Welt, erklärte er. Ich bekam richtig Gänsehaut, überhaupt habe ich den Tag sehr genossen. Die offenen Gespräche, das ehrliche Interesse aneinander und am Thema. Dann war noch eine Kollegin dabei und wir lernten eine Muslima kennen, die bei den Denkerinnen mitschreibt.
Noch Tage später war ich beflügelt und voller guter Gedanken. Einer davon lautet, wie wichtig es ist, dass sich ein islamisches Bürgertum entwickelt, das sich erkennbar einbringt. Ein weiterer ist die klassische Binsenweisheit, dass es vieles gibt, das uns verbindet: So ein interreligiöser Weiberzirkel (heute sagt man wohl eher Mädelsclub), der sich in der Mittagspause unterhält, das ist schon großartig.

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