
In den sieben Jahren ohne Handy wurde das iPad mini zu meinem Hauptgerät. Erst vor acht Jahren hatte ich mir wieder ein iPhone für unterwegs angeschafft, irgendwann ein Macbook Air sowie ein iPad Pro zum Arbeiten und für alles Mögliche, aber das iPad mini ist zu Hause mein bevorzugtes Endgerät geblieben. Es erfüllt mehrere Funktionen: Ich gehe von da aus in die sozialen Medien und nahezu in alle weiteren Apps, die ich nutze. Wenn ich schnell meine dienstlichen Mails und Accounts checken möchte, mache ich das ebenfalls dort und wechsele nicht eigens das Gerät oder gehe ins Arbeitszimmer. Weil das iPad mini klein und handlich ist, verwende ich es außerdem als E-Book- und Feedreader sowie zum Podcast hören und als Wecker.
Seit einem halben Jahr stieß ich damit allerdings an sämtliche Grenzen, denn das Bisherige hatte nur 64 GB. Also schaffte ich notgedrungen ein neues mit 256 GB an, inklusive Wi-Fi und Cellular – wer weiß, ob ich nicht doch bei Bedarf eine SIM-Karte reinstecken möchte. Obwohl mittlerweile altgediente Nerd, ist das Auspacken und Einrichten eines neuen Gerätes immer noch ein Fest. Letzten Freitag war es so weit. Ich habe es nicht bereut.
Was Zoom betrifft, war ich unlängst ein bisschen geschockt. Ich unterhielt mich dort in einem Videocall über irgendeine Sache und es dauerte hinterher gerade eine halbe Stunde, bis ich die passenden TikToks dazu bekam. Das war schon gruselig. Gleichzeitig kann man dem Lauf eines Themas durch das eigene digitale Umfeld immer weniger trauen. Es scheint, als würden die Algorithmen alles zu einer großen Masse verrühren und nach dem Zufallsprinzip wieder ausspucken. Mir ist es so mit einem Kochrezept gegangen, das in meinen Bubbles an mehreren Stellen auftauchte, ohne dass der Ausgangspunkt noch zu erkennen gewesen wäre. Das finde ich deswegen schade, weil es den selbstgewobenen Ariadnefaden, der sich zwischen den einzelnen Communities und Plattformen als Wegweiser hindurchschlängelt, zu Gunsten der algorithmischen Fährte zerschneidet. Auf Threads ist es mir daher schon öfter passiert, dass mir für die Views meiner Posts ein Lob eingeblendet wurde, ohne dass ich mir das anhand meiner eigenen Absichten oder durch meine Follower erklären konnte. Der Algorithmus züchtet seine Lemminge.
Während ich auf Threads zumindest ab und zu wieder unterwegs bin und finde, dass es ebenso inflationär wie TikTok funktioniert, löschte ich meinen Pixelfed-Account und zog zu Flickr in einen Premium-Account um. Viel vorzuweisen habe ich hüben wie drüben noch nicht, aber das Handling von Flickr als Aufbewahrungsort mit Alben und Beschriftungsmöglichkeiten sagt mir eher zu. Kürzlich hatte ich mich mit meinen Fotos an einen Kollegen gewandt, weil ich mit der Belichtung oft so unzufrieden bin. Und siehe da, ich hatte die Kamera an einer Stelle falsch eingestellt, die Skala gesehen, aber das richtige Rädchen noch nicht gefunden.
Für Posts wie diesen hier gibt es jetzt die Kategorie Digitalität in meiner Menuleiste. Dann war ich letzte Woche kurz davor, mir doch einen WhatsApp-Account zuzulegen. Dass man seine Handynummer nicht veröffentlichen muss, sondern künftig auch ein Benutzername reicht, wäre das gewesen, was ich gebraucht hätte. Nur kommt man selbst damit nicht zum anonymen Ziel, wie die App vor dem Installieren warnt: „Familie, Freunde und andere Personen, die unseren Dienst nutzen, haben deine Telefonnummer möglicherweise bei WhatsApp hochgeladen. In diesem Fall sehen sie dich in ihren Kontaktdaten, nachdem du dich registriert hast.“ Offene Hose des Internets. Ich kann’s nicht oft genug sagen.
Seit letztem Jahr brennt mit der CampfireFM GmbH ein neues Lagerfeuer im Web. Campfire ist eine Plattform, auf der Podcasts gehostet werden, die man je nach Anbieterin kostenlos oder in der Bezahlversion abonnieren kann. Man kann liken und minutengenau kommentieren; unter den jeweiligen Podcasts mit ihren Folgen bilden sich Communities. Der von mir geschätzte Machtwechsel findet sich dort in der Premiumvariante (ich bin kein Mitglied), bei Paul Ronzheimer, ApoFika oder Sophie Passmann darf man direkt rein. Während bei den Moderator:innen von Campfire der Vorname reicht, wird von den Abonnent:innen beim Einloggen und Kommentieren der Klarname verlangt. Zwei der Geschäftsführer der GmbH sind Tobias Bauckhage von Studio Bummens und Sascha Lobo. In meinem digitalen Umfeld hört man über die App bisher kein Wort.
Erst recht niemand reagiert auf die Bild-Kolumne von Harald Martenstein. Mit „Mail von Martenstein“ tritt er seit Februar die Nachfolge des verstorbenen Franz Josef Wagner an. Man kann Martensteins wochentägliche Texte per Newsletter beziehen, also ohne sie auf der Website der Bildzeitung suchen zu müssen. Wie beim Predigen auch gelingt einem in der hohen Frequenz nicht immer der große Wurf, aber wie Martenstein dem Bundeskanzler nach seinem missglückten Fußball-Tweet heimgeleuchtet hat, das war schon fein.
Leider geht die Einsicht, dass Demokratie mehr bedeutet, als sein Gärtlein hinter der Brandmauer zu harken, zunehmend verloren. Die Chance, gemeinsam etwas zu gestalten und dabei etwas Neues zu entdecken, auf das jedes allein nicht gekommen wäre, verschwindet gleich mit. Passend dazu beklagt Antje Schrupp in ihrem aktuellen Newsletter, dass der ‚Netzfeminismus tot sei. Nur noch Einbahnstraßen, keine echten Auseinandersetzungen mehr‘. Meine Meinung zur Brandmauer kann, wer trotzdem möchte, hier nachlesen.
Anders Amen – das YouTube-Format des Pfarrerinnenehepaares Ellen und Steffi Radtke, hat sich verabschiedet. Philipp schrieb darüber einen herzerwärmenden Artikel. Wieder ein Projekt weniger in der digitalen Kirche. Ich habe Anders Amen nie geguckt, Vlogs sind nicht mein Format. Aber ich kannte die Beiden dem Namen nach. Sie gehörten für mich als feste Größe dazu und erschienen immer mal wieder in meinen unterschiedlichen Timelines. Darum grüße ich herzlich in die nahe Ferne und wünsche Gottes Segen für die nächsten Schritte!
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