Als Liberale im Internet nehme ich Politik oft wie in der Diaspora wahr: Die digitale Kirche und die Bubbles drumherum sind linksgrün und statt dass wie früher ein breites Meinungsspektrum in meiner über Jahre sorgfältig kuratierten Twitter-Timeline durcheinanderschwirrt, befinde ich mich auf Bluesky in einem nahezu völlig und auf Mastodon absolut linksgrünen Umfeld. Die Liberalen und Konservativen hingegen sind trotz der bekannten Schwierigkeiten überwiegend auf X geblieben.

Die Woche nach der Europawahl las ich darum meistens dort mit. Ich konnte die Larmoyanz auf den anderen beiden Plattformen nicht ertragen. Dass man die Grünen zu den eigentlichen Wahlsiegern erklärte – den Unwissenden fehlte nur die richtige Referenzgröße – fand ich noch putzig. Aber als ein Repost vorbeikam, dass die CDU im Gegensatz zu den Blauroten das viel schlimmere Problem wäre, dachte ich, mein Schwein pfeift. Nun wähle ich die Union nicht, schon seit Ewigkeiten nicht mehr, aber ich käme nicht auf die Idee, sie aus dem demokratischen Spektrum herauszusortieren. Im Gegenteil bin ich froh, dass sie noch einigermaßen Zugang zu Leuten findet, die für andere Parteien längst verloren sind.
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