Was bisher geschah

Ich hatte mir immer vorgenommen, wenn ich alt werde, gesprächsbereit gegenüber Jüngeren zu bleiben. Als ich jung erwachsen war, war das bei den Älteren häufig nicht so. Wobei es auch großartige Ausnahmen gab, an die ich mich bis heute erinnere. Doch die Meisten empfand ich als engstirnig und kaum zum Austausch bereit. Das würde ich später anders machen, so wie die erinnerten Vorbilder aus früherer Zeit. Ich würde zwar meine eigene Meinung haben, bestimmt auch mal daneben liegen, aber offen und zugwandt bleiben, damit es die jungen Leute ebenfalls sind. Aber was soll ich sagen? They don’t give a fuck, wie das heutzutage heißt.
Immerhin haben sie noch soviel Respekt, dass sie mich (wie in einem Fall) sicherheitshalber nahezu anschreien, wenn sie finden, dass ich falsch liege. Gleichzeitig bin ich ihnen aber schon so egal, dass sie meine Bestürzung darüber nicht mehr mitkriegen, weil sie sich bereits abgewandt haben.
In theoretischen Diskursen, in die ich persönlich gar nicht einbezogen bin, zeigt sich das außerdem: Ich bin jetzt in einem Alter, dessen Abstand zur erwachsenen Jugend so groß ist, dass sie zunehmend wie selbstverständlich davon ausgeht, dass ich von ihren Anliegen keine Ahnung habe. In mehreren Vorträgen und Büchern junger Autorinnen ist mir das aufgefallen.
Ich habe darum im vergangenen Jahr viel nachgedacht, um zu begreifen, was gerade in der Welt und in meinem Kopf geschieht. Seit einigen Wochen zeigt sich das Ergebnis: Soweit es mich betrifft, ist es OK.

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Was bisher geschah

Identitti von Mithu Sanyal; Generation beleidigt von Caroline Fourest und Demokratie. Eine deutsche Affäre von Hedwig Richter vor Pfingstrosen und Osterkerze.

Bisher war das Wetter im Mai eine völlige Katastrophe, mit dem Sonntag Rogate als einzige Ausnahme. Auch an Himmelfahrt, als ich Geburtstag hatte, blieb es kalt, nass und wischiwaschigrau. Mich nervt das kolossal und so langsam schlägt es mir auch aufs Gemüt. Seit Herbst sind die Schwimmbäder geschlossen, Anfang des Jahres war ich eingeschneit und jetzt ist es immer noch so kalt, dass an einen Abend auf dem Balkon nicht zu denken ist.

Eigentlich wäre ich an diesem Wochenende zum Ökumenischen Kirchentag (ÖKT) nach Frankfurt am Main gefahren, wenigstens für ein, zwei Tage, um mich mit Leuten zu treffen. Doch der wurde wegen Corona ins Internet verlegt. Was mich betrifft, ist er dort auch geblieben. Ich habe mich einfach nicht angesprochen gefühlt.
Auf Twitter und bei der Jahrestagung Öffentlichkeitsarbeit als einzigen Berührungsorten glänzte nur, wer mit Insiderwissen punkten konnte. Was daran inhaltlich interessant sein sollte, war für mich aber nicht selbsterklärend und bei der Lektüre des Programms erschloss es sich mir ebenfalls nicht. Ich stornierte folglich am Mittwoch das dienstfreie, lange Wochenende.

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Was bisher geschah

Am Montag wies mich eine katholische Kollegin auf die Kreuzwegandacht im Gotteslob und eine moderne Fassung in der Fastenaktion von Misereor hin. Ich hatte sie danach gefragt, weil ich für Karfreitag zur Todesstunde Jesu einen Kreuzweg von der Kirche über den angrenzenden Friedhof plane.
Hier finden nach wie vor keine Präsenzgottesdienste statt, aber falls in der Heiligen Woche wieder etwas geht, werden wir trotzdem noch auf vieles Rücksicht nehmen müssen. Der Kreuzweg wäre auf jeden Fall an der frischen Luft, ohne ein Behelfs- oder Alternativprogramm zu sein.

Denn das ist die Lehre, die ich aus der Vollbremsung kurz vor Weihnachten gezogen hatte, die sicherlich mit zu dem schlimmsten gehört, das ich bisher in meiner Dienstzeit erlebt habe. Wir waren mit den Vorbereitungen für zwei Outdoor-Christvespern im Wesentlichen fertig und ich hatte da schon den steigenden Druck gespürt, ohne ein Ventil dafür zu finden. Am 11. Dezember hob Laschet endlich die Fahne, am 16. Dezember gab die Landeskirche sehr, sehr spät, aber Gottlob sehr deutlich die Empfehlung, keine Präsenzgottesdienste mehr zu feiern und am 17. Dezember stimmte dem das Presbyterium zu. Derweil hoben wir, angeleitet von einer Kollegin im Pfarrteam, Plan B aus der Taufe, während eine Beerdigung auf die nächste folgte. Dieser Druck, weil man nach bestem Wissen und Gewissen kaum zwei Wochen vor Heiligabend überzeugt ist, keine Weihnachtsgottesdienste mehr anbieten zu können, ohne zu wissen, ob man dafür Rückhalt und alles weitere Erforderliche bekommt, der war schon irre, auch wenn es schließlich glücklich endete:

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