#twomplet – das Abendgebet auf Twitter

Seit fünf Jahren findet sie nahezu jeden Abend statt: Die #twomplet, das Abendgebet auf Twitter. Es lehnt sich mit seinem Ablauf an die Komplet des Stundengebets an und wurde von dem katholischen Abiturienten und heutigen Theologiestudenten Benedikt Heider ins Leben gerufen. GUBZ91bC.jpg-medium

Mittlerweile folgen der #twomplet etwa 2.500 Menschen, bis zu 7.000 besuchen im Monat das Twitterprofil @twomplet und um die 300.000 sehen mindestens einen Tweet der #twomplet im Monat („Views“). Zehn aktive Vorbeter_innen aus unterschiedlichen Konfessionen, meist ehren- oder hauptamtlich in ihren Kirchen aktiv, wechseln sich zurzeit mit den Gebetsdiensten ab. 

„Ich finde es wichtig, dass die #twomplet kirchen- und konfessionsübergreifend ist. Das ermöglicht meiner Meinung nach erst diese offene Gemeinschaft“, sagt Johanna Jerzembeck. Beruflich ist sie Systemadministratorin und gehört zur Gruppe der Vorbeter_innen. Dort erhält sie viel Zustimmung: Alle erleben bei der #twomplet große Offenheit, die sie in den ökumenischen Angeboten der Kirchen nicht wiederfinden. „In vielen Kirchengemeinden der nicht-digitalen Welt wird da immer groß drüber geredet, aber man merkt die Unterschiede doch sehr deutlich“, erklärt Nicóle Máriódottir, Schulassistenz und ebenfalls Vorbeterin. Das funktioniere bei der #twomplet besser. „Anders als im Gemeindeleben, da geht das so oft schief.“

Dass die Konfessionen im Umfeld von #digitaleKirche vorbehaltloser aufeinander zugehen, empfindet auch die Bildungsreferentin Ute Janßen: „Ich fühle mich bei der #twomplet frei, über Konfessions- und Glaubensgemeinschaftsgrenzen hinweg mit den Menschen zu beten, mit denen ich es mir wünsche. Es ist schön, voneinander lernen zu dürfen.“ Dass sie sich sowohl im digitalen als auch analogem Bereich von Kirche bewegt, ist für Janßen kein Widerspruch: „Beides ist für mich ein Stück Heimat geworden.“

Die #twomplet gehört als Basisprojekt keiner kirchlichen Institution an. Darauf sind die Vorbeter_innen stolz und außerdem froh, nicht durch kirchliche Strukturen eingeengt zu werden. Bernhard Wasel, als Vorbeter aus Belgien mit dabei, weiß die Fachkundigkeit der Pfarrer_innen zu schätzen. Mit der Hierarchie, in die diese eingebunden sind, kann er jedoch wenig anfangen: „Anregungen, Nachdenklichkeiten, neue Einblicke gerne. Dabei ist mir eine informelle, bunte Gemeinschaft teils zweifelnd gebrochener Sucher lieber als ein Leitfuchs in Soutane.“ 

Nicht nur in der Ökumene, auch im Gebet ist es die Gemeinschaft, auf die es den Vorbeter_innen ankommt. Bei 300.000 Views sieht mancher bei Twitter nur einen Bibelvers oder eine Fürbitte. Aber wer will, kann dem Abendgebet von Anfang bis Ende folgen oder später nachbeten, denn die Gebetstweets werden nicht gelöscht. Die Mutter, die es mit vier Kindern nicht in die Kirche schafft, nimmt ebenso teil wie die Online-Redakteurin, die nach Feierabend zur Ruhe kommen möchte. Mittlerweile sind unter den Betenden richtige Freundschaften entstanden. Sogar ein Paar hat sich bei der #twomplet gefunden und ist seit vier Jahren verheiratet.

Die Arbeitsgemeinschaft Missionarischer Dienste (AMD) gibt mit „Brennpunkt Gemeinde. Impulse für missionarische Verkündigung und Gemeindeaufbau“ eine Zeitschrift heraus. Die aktuelle Ausgabe (2/2019) befasst sich mit dem Thema „Digitale Kirche“. Dazu durfte ich diesen Artikel beisteuern.