Florilegium

Es ist ja nicht so, dass ich nicht auch Links mit Texten oder Sachen sammeln würde, die mich beschäftigen. Allerdings kamen dabei bisher überwiegend tagespolitische Zeitungsartikel zusammen. Das finde ich nicht nur zu eintönig, sondern es würde mich in der Häufung vermutlich noch reaktionärer erscheinen lassen, als ich tatsächlich bin. Ich sammelte und sortierte also etwas länger, bis sich diese Mischung zusammenfand:

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Meine Highlights auf der re:publica

Weil ich von ihm ein Foto gemacht habe, was ich bei den anderen Vorträgen leider vergaß, fange ich meine Highlights mit Thomas Fischer an, dem Richter am Bundesgerichtshof. Fischer trug über „Strafrecht, Wahrheit und Kommunikation“ vor. Er erläuterte, warum lückenloses Strafrecht totalitär ist und dass die Reform des Sexualstrafrechts mittlerweile die „sechste oder siebte“ seit 1997 sei; die jeweils vorherige wäre „kaum in den Kommentaren angekommen“.
Wenn ich an das Gezerre denke, bis Vergewaltigung in der Ehe endlich strafbar wurde, wundert mich das nicht. Dass die Anwendung vorhandener Gesetze in der Kölner Silvesternacht in allen mutmaßlichen Fällen genügt hätte, wie Fischer sagte, wenn denn genügend Polizei vor Ort gewesen wäre, finde ich hingegen ziemlich einleuchtend.

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Wie ich seit vier Jahren ohne Handy bin

Seit vier Jahren bin ich jetzt ohne Handy, hier hatte ich die Entscheidung damals aufgeschrieben. Die Tatortsache können Sie vergessen, den gucke ich wieder, aber das Handy ist immer noch weg.

Ich bin ein Handyjunkie gewesen. Nur das neuste Modell war gut genug, ich hatte einen angesagten Klingelton und als gute Pfarrerin – Öffentlichkeitsreferentin – Alleinerziehende – Freundin war ich immer, immer, immer erreichbar. Ja, zwischendurch versuchte ich ein paar Spielregeln einzubauen, z.B. dass es genügt, weniger Dringliches auf meinen Festnetz-AB zu sprechen, ich würde mich schon melden, aber genützt hat es nichts. Kein Einsehen, weder beruflich noch privat. Zum Schluss war ich bei 19 Anrufen in zwei Stunden.

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Sommernachtstraum

Als Pfarrerin lebt man gelegentlich etwas zeitversetzt, Chormitglieder kennen das: Im Januar werden die Passions- und Ostergottesdienste geplant, im Sommer fängt man an, das Weihnachtsoratorium zu üben usw.
Folglich dachte ich mir nichts dabei, als ich irgendwann im August das Loriotsche Adventsgedicht bei YouTube fand, zig Mal anhörte (ja, ich mag es wirklich sehr) und beschloss, damit meine Adventsposts zu eröffnen.
Bis zwei Wochen vor D-Day das Unfassliche geschah: Einbettungsfunktion deaktiviert, Alternativen nicht aufzutreiben. Doch jetzt ist alles wieder gut:

Danke, lieber Herr Ballmann!

Architektur

Seine Spitze sollte bis an den Himmel reichen. So zumindest war der „Turm zu Babel“ von seinen ErbauerInnen geplant. Turmbau zu Babel, gemalt von Pieter Brueghel sen.Doch große Klappe, nix dahinter.
Gott musste eigens vom Himmel herabfahren, um das Türmchen überhaupt sehen zu können. Was folgte, war die babylonische Sprachverwirrung, weil Gott von dem Bauvorhaben trotzdem ziemlich angeranzt war.

Mittlerweile scheint Er sich wieder beruhigt zu haben.
Wie sonst ließe sich dieses Sammelsurium erklären?

Wer dadurch ermutigt selbst kreativ werden möchte, lese vorher 1. Mose 11,1-9 und den Exkurs ins Baurecht des netten Herrn Vorsitzenden. Sicher ist sicher.

Deutsch für Fromme

Heute: Das „e klerikale“

Ehre sei dem Vater und dem Sohne
und dem Heiligen Geiste
wie im Anfang so auch jetzt und allezeit
und in Ewigkeit. Amen

Im Namen der Robe

König Friedrich-Wilhelm III. von Preußen hat im Jahr 1811 per Gesetz verfügt, dass der Talar Amtstracht der Richter, Rabbiner und evangelischen Pfarrer ist, offenbar mit „bundesweiten“ Konsequenzen.
Nicht geregelt hat er allerdings, wie oft das gute Stück zu waschen sei –
sehr zum Bedauern des netten Herrn Richters, der unter diesem Regulierungsdefizit (bezogen auf manche Rechtsanwälte in seinem Gerichtssaal) des Öfteren zu leiden scheint – frei nach Loriot: 

„Herr Doktor Müffel, Sie lassen sofort diese Robe zu Wasser!“

Dadurch angeregt und durch einen früheren, jetzt leider unauffindbaren richterlichen Hinweis, dass die Robe nicht nur von Kitteldiensten, sondern auch gut im eigenen Haushalt zu reinigen sei, habe ich mich gestern dem Allmächtigen und dem Amtsgericht empfohlen und meinen uralten Leinentalar bei 30° C in die Waschmaschine geschmissen: Es ist gut gegangen, alles strahlend schwarz.