Lieutenant Uhura

Uhura auf dem schwarzweiß Foto im Jahr 1977, das ich als Ava verwende.

Nichelle Nichols
Lieutenant Nyota Uhura

28.12.1932 – 30.07.2022

Zwei Jahre, nachdem ich mein Handy im Jahr 2011 zerschlagen hatte, besorgte ich mir ein iPad mini und fing an zu twittern. Das war im Frühsommer 2013. Bis dahin hatte ich meinen Account kaum genutzt. Meinen Blog aktivierte ich 2015 wieder und ein neues Handy schaffte ich erst im Winter 2018 an.

Auf all diesen Schritten, eher nach vorn als zurück ins Internet und in die Welt, begleitete mich Lieutenant Uhura, deren Bild aus dem Jahr 1977 ich mir für den Neustart als Ava ausgesucht hatte. Seit dem trage ich den Ava mit großem feministischem Respekt und die Uhura wuchs mir jedes Jahr mehr ans Herz. Sie ist mir auch politisch ein Ansporn.

Heute wurde bekannt, dass die Darstellerin der Uhura, Nichelle Nichols, gestern gestorben ist. Ich erfuhr es, kaum dass das Endspiel der Frauen-EM zu Ende gegangen war. Ich verneige mich in Trauer und in Dankbarkeit.

Don’t think twice, it’s all right

Nachdem es hier länger ruhig gewesen ist, rollt es langsam wieder an und bevor es wieder anrollte, bin ich noch umgezogen. Weiterhin am Teutoburger Wald, aber nicht mehr der Süd-Ost-Rand, sondern eher mittendrin. Mehr gibt es nicht zu sagen, jedenfalls nicht hier, wer Bescheid weiß, weiß Bescheid. Nur noch das Umzugslied; man findet ja manchmal so Sachen, die passen einfach, aber nicht Pärchenkram, das war dann doch nicht gemeint. Jedenfalls aufstehen, Krönchen richten, weiter geht’s.

Honig im Garten

Sie saß auf dem Beifahrersitz und trug ein smaragdgrünes Sommerkleid. IMG_4328Wenn der Verkehr es zuließ, schaute ich heimlich zu ihr herüber. Sie hatte etwas Weiches, Entspanntes.
Wir kannten uns von Twitter. Dies war unser erstes Treffen und ich hatte fest vor, sie zu mögen.
Als ob sie meine Gedanken erraten hätte, sah sie mich an: „Mein Synagogenschlüssel ist eine Enttäuschung, nicht wahr, aber wenigstens mache ich etwas mit Finanzen.“ „Synagogenschlüssel, Finanzen?“ „Mein Synagogenschlüssel“, wiederholte sie und zeigte auf ihre Stupsnase. „Viel zu klein für eine Jüdin. Aber wenigstens mache ich etwas mit Finanzen, da passt es dann wieder.“

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Der Oberstaatsanwalt

In der Kirchengemeinde meiner Heimatstadt gab es einen Oberstaatsanwalt. Er arbeitete am Oberlandesgericht, eine Stunde mit dem Auto entfernt. Alle kannten ihn. Er war groß und stattlich und hatte eine leichte Schnappatmung wie ein Karpfen auf dem Trockenen. Man musste gar nicht gucken, ob er in der Presbyterbank saß, neben dem rechten Seitenportal, wo er nach dem Gottesdienst die Kollekte einsammelte. Man hörte ihn atmen, jeden Sonntag, in den Predigtpausen und der Stille beim Gebet: „Schnapp!“

Nicht nur in der Kirche, in der ganzen Stadt kannte man ihn. Das ist oft so, wenn einer als Akademiker und Presbyter für das Gemeinwohl unterwegs ist. Der Oberstaatsanwalt, Doktor des Rechts, saß außerdem noch im Stadtrat, immer ansprechbar, kümmerte sich, war Kirchmeister, Verwaltung und Finanzen waren sein Metier.

Verheiratet war er nicht, sondern lebte mit seiner alten Mutter, bis sie starb. Mit Kindern hatte er nichts am Hut. Wir mochten ihn trotzdem. Wir fühlten uns von ihm beschützt, er achtete darauf, dass wir zur Kirche und aufs Stadtfest konnten. Der Klingelbeutel war auch für die Jugend da. In einer Kleinstadt, irgendwo zwischen tausend Tälern, gibt es für Jugendliche nicht allzu viel.

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Wie ich wieder mit Handy bin

Sieben Jahre, vier Monate und fünf Tage bin ich ohne Handy ausgekommen oder wie es heute heißt, ohne Smartphone. Meine ständige Erreichbarkeit endete im Frühling 2011 nach 19 verpassten Anrufen in zwei Stunden, einem Zusammenbruch und diversen Hammerschlägen auf das Display des kleinen, schwarzen LGs mit der Ritschratschoptik, auf das ich doch so stolz war.

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Zwei Jahre dauerte es, bis sich mein Umfeld an mich ohne Handy gewöhnt hatte, weitere zwei, bis ich mich souverän genug fühlte, meine Erfahrungen damit aufzuschreiben und noch einmal gut drei, bis ich es mir wieder anders überlegte.

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Neulich bei Bob Dylan

Ich war gestern bei Bob Dylan. In Krefeld, weil er in Düsseldorf dieses Jahr nicht spielt. Am Samstag nach Bielefeld wäre natürlich noch besser gewesen, leider fährt von dort abends kein Zug mehr heim und Sonntag muss ich konfirmieren. Man kann in Ostwestfalen zu tollen Sachen gehen, man kommt von dort nur nicht wieder zurück. Bei ZZ Top letztes Jahr in Halle i.W. war ich darum auch nicht.

Also auf an den Niederrhein, ich muss sagen, das war schon eine Show. Am Check in im Hotel standen wir zu fünft, einige hatten ihre Dylan-Shirts bereits an. Ich bin dieses Jahr das dritte Mal dabei, mittlerweile gehöre ich dazu, man erkennt mich als Fangirl auch ohne T-Shirt, ich hab’s erst auf dem Zimmer angezogen.

Das Taxi zum KönigPalast teilte ich mir mit einem älteren Ehepaar. Er mit wolfsgrauen Dreadlocks, sie ein wenig wie Joan Baez. Die Beiden kamen aus Wales und reisen die komplette Tour mit. Dass es das gibt, hatte ich schon öfter gehört, jetzt traf ich zum ersten Mal Leute, die das wirklich machen.

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Die Apfelernte

Als wir uns kennenlernten, war sofort klar, apfelbdass mit ihm nicht zu spaßen sein würde. Aufgeschossen, dürr, die vielfachen Arme nach oben gestreckt, stand er an der hintersten Ecke des Pfarrhauses, jeden zur Halsstarrigkeit verdammend, der seine Krone betrachten wollte.

Mit der Apfelmamsell im Pfarrgarten hatte er nichts zu schaffen. Diese unterhielt ein Tête-à-Tête mit einem Jelängerjelieber, der soviel kleiner war als sie, dass sie ihn unter ihre Achsel klemmte, während er vor Wollust duftete wie ein Pfingstochse.
Ob der junge Stutzer auf der gegenüberliegenden Seite ein Abkömmling dieser Liaison war, wusste man nicht und der Knabe selbst war noch nicht reif genug, seine Herkunft durch Blüten oder Früchte auszuweisen.

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